Autor: fpioli_admin

  • 29.08.2026 – Valcerasa Falconara – München

    Wir waren unterwegs, um meiner Enkelin noch einmal das marchigianische Entroterra – das Landesinnere der Marken – zu zeigen. Eine Gegend, in der die Straßen kurvenreicher werden, die Dörfer immer kleiner und die Landschaft dafür umso schöner.

    Unsere Route führte uns über San Severino Marche, Castelraimondo, Matelica und Fabriano bis zum Flughafen Raffaello Sanzio in Falconara.

    Der Retter unserer knurrenden Mägen

    Natürlich hatten wir nicht nur die Landschaft im Auge. Wir hofften insgeheim auch darauf, irgendwo eine typische einheimische Trattoria zu finden. Schließlich kann man das marchigianische Entroterra nicht einfach durchfahren, ohne wenigstens einmal irgendwo an einem Tisch zu sitzen, vor sich einen Teller Pasta zu haben und sich einzureden, dass man eigentlich gar keine Eile hat.

    Doch an diesem Tag schien die italienische Gastronomie beschlossen zu haben, sich vor uns zu verstecken.

    Wir fanden keine Trattoria.

    Auch kein Ristorante.

    Nicht einmal ein kleines, hoffnungsvolles Schild mit der Aufschrift „Cucina casalinga“, das uns wenigstens den Weg zu einem Teller Hausmannskost gewiesen hätte.

    Wir fuhren weiter.

    Und weiter.

    Der Himmel wollte und auf Diät halten

    Selbst entlang der Statale 16 Adriatica wollte sich bis Ancona kein geeignetes Ristorante zeigen. Unser Hunger wurde inzwischen immer gesprächiger und meldete sich in regelmäßigen Abständen mit einem deutlichen Knurren zu Wort.

    Schließlich mussten wir kapitulieren.

    Der Feind war nicht die Zeit.

    Der Feind war der Hunger.

    Also steuerten wir – widerwillig, aber mit inzwischen sehr vernünftigen Motiven – den nächsten Retter unserer leiblichen Bedürfnisse an:

    Mac Donald’s.

    Es war mittlerweile 14:00 Uhr, und das Lokal lag nur etwa fünf Minuten vom Flughafen entfernt. Für ein gemütliches italienisches Mittagessen war die Zeit ohnehin vorbei. Also blieb uns nichts anderes übrig, als das zu essen, was wir eigentlich vermeiden wollten.

    Manchmal ist das Leben eben kein Teller Tagliatelle al ragù.

    Manchmal ist es ein Hamburger.

    Flughafen Raffaello Sanzio

    Gegen 15:00 Uhr fuhren wir schließlich zum Flughafen. Dort gönnten wir uns erst einmal unseren obligatorischen Caffè. Ein italienischer Caffè ist schließlich kein Getränk, sondern eine Art Reset-Taste für den Menschen.

    Um etwa 15:50 Uhr wurde der Koffer aufgegeben. Kurz darauf war Boarding angesagt.

    Der Flieger hob schließlich mit ungefähr zwanzig Minuten Verspätung ab. Meine Enkelin landete gegen 18:30 Uhr in München – etwas verspätet, aber ansonsten nach einem völlig problemlosen Flug.

    Damit hätte der Tag eigentlich beendet sein können.

    Eigentlich.

    Aber eine kleine Geschichte von der Rückfahrt muss ich noch erzählen.

    Die KI-Stimme der Autobahnen – dein Freund und Helfer

    Da ich das Entroterra mittlerweile ziemlich gut kenne, hatte ich beschlossen, für die Rückfahrt die Autobahn zu nehmen.

    Und nein, keine Sorge: Ich bin nicht etwa über die Telepass-Spur gefahren. So viel Abenteuer wollte ich mir dann doch nicht zumuten.

    Ich nahm ganz normal die Mautspur.

    In Loreto-Portorecanati fuhr ich von der Autobahn ab. Und genau dort hatte ich plötzlich das Gefühl:

    Jetzt fängt die Geschichte wieder von vorne an.

    Ich blieb also vorsichtshalber auf meiner Ausfahrtspur stehen und beschloss, mich keinen Zentimeter zu bewegen. Notfalls hätte ich eben einen kleinen Stau bis Ancona verursacht.

    Was sind schon ein paar hundert genervte Italiener, wenn es um die ordnungsgemäße Bezahlung der Autobahnmaut geht?

    Ich schob mein Mautticket in den Automaten.

    Einmal.

    Das Ticket kam zurück.

    Ich versuchte es ein zweites Mal.

    Wieder kam das Ticket zurück.

    Diesmal mit der wenig freundlichen Mitteilung, dass das Ticket nicht lesbar beziehungsweise ungültig sei.

    Na wunderbar.

    Ich sah mich bereits als unfreiwilligen Dirigenten eines italienischen Hupkonzerts. Hinter mir würden wahrscheinlich in wenigen Sekunden die ersten Fahrer anfangen, ihre Meinung über meine Fahrkünste, meine Herkunft und vermutlich auch über meine gesamte Existenz kundzutun.

    Doch dann geschah etwas Erstaunliches.

    Eine weibliche KI-Stimme meldete sich.

    Ruhig.

    Freundlich.

    Fast mütterlich.

    Sie fragte mich, ob meine Einfahrtstation Ancona Nord gewesen sei.

    Ich antwortete:

    „Ja.“

    Daraufhin wurde ich aufgefordert, die entsprechende Maut zu entrichten.

    Ich bezahlte.

    Und plötzlich war der ganze Spuk vorbei.

    Kein Hupkonzert.

    Keine wütenden Italiener.

    Keine dramatischen Gesten.

    Keine Diskussion mit einem Menschen, der mir erklären musste, warum mein Ticket plötzlich beschlossen hatte, nicht mehr gültig zu sein.

    Die KI hatte mich gerettet.

    Die „Croccantini“ Abenteuer

    Ich muss zugeben: Seit diesem Tag sehe ich die italienische Autobahnverwaltung mit etwas anderen Augen.

    Manchmal braucht man eben keinen Schutzengel.

    Manchmal genügt eine freundliche Frauenstimme aus einem Mautautomaten.

    Luis und die geheimnisvollen Croccantini

    Und dann wäre da noch die Sache mit Luis.

    Bei unserem kleinen Grillfest Anfang August hatte mich mein Enkel Luis gebeten, ihm doch die guten Croccantini aus Italien mitzubringen.

    Natürlich versprach ich ihm sofort, dass ich sie auf meine Einkaufsliste setzen würde.

    Ich war mir meiner Sache ziemlich sicher.

    Schließlich hatte ich bereits im Jahr zuvor in dutzenden Geschäften nach diesen geheimnisvollen Croccantini gesucht. Erst kurz vor der Rückfahrt war ich tatsächlich fündig geworden.

    Ich wusste also genau, wo ich sie kaufen konnte.

    Dachte ich.

    Voller Zuversicht steuerte ich das Geschäft an.

    Und dann begann die Suche.

    Was soll ich sagen?

    Keine Croccantini.

    Nicht ein einziges.

    Ich ging also zu einem Angestellten und fragte ihn freundlich, ob er wisse, wo die Croccantini zu finden seien.

    Der Mann war ausgesprochen hilfsbereit, zeigte in eine bestimmte Richtung und erklärte mir, dort müsste ich sie finden.

    Also marschierte ich los.

    Ich kam an.

    Ich schaute.

    Ich suchte.

    Nichts.

    Keine Croccantini.

    Langsam muss ich ziemlich verdutzt ausgesehen haben, denn ein zweiter Angestellter bemerkte meine Ratlosigkeit und fragte mich, wonach ich suche.

    Ich sagte wieder:

    „Croccantini.“

    Er schaute mich an, zeigte auf das Regal und sagte sinngemäß:

    „Die stehen doch direkt hinten Ihnen.“

    Ich drehte mich um.

    Und tatsächlich.

    Da waren sie.

    Croccantini.

    Nur leider für Hunde.

    In diesem Augenblick wurde mir klar, dass wir möglicherweise zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, was ein Croccantino ist.

    Ich dachte nur:

    Hier läuft doch gerade ein falscher Film.

    Ich wollte meinem Enkel Luis schließlich keine Hundeleckerli aus Italien mitbringen.

    Die Croccantini, die ich suchte, waren schließlich diese chipartigen Streifen mit Pancetta- beziehungsweise Bacon-Geschmack.

    Das erklärte ich dem Mann.

    Er blieb gelassen.

    Sehr gelassen.

    Er meinte, so etwas könnte es vielleicht bei den Kartoffelchips geben.

    Also begann die zweite Suche.

    Doch auch sie blieb erfolglos.

    Keine Croccantini.

    Kein Bacon.

    Kein Luis-Glück.

    Und langsam nahm die Angelegenheit Dimensionen an, die für einen einfachen Snack eigentlich nicht vorgesehen waren.

    Wir fuhren schließlich weiter und kamen in Roccolo an.

    Dort schrieb ich meiner Bizi auf Formentera:

    Die Suche nach den Croccantini für Luis habe sich inzwischen zu einer regelrechten „Mission Impossible“ entwickelt.

    Ich bat sie, wenn sie wieder zu Hause sei, so nett zu sein und mir eine Packung beziehungsweise ein Foto der gesuchten Köstlichkeit per SMS zu schicken.

    Die Antwort kam bereits wenige Minuten später.

    Und plötzlich war das Rätsel gelöst.

    Die Croccantini heißen überhaupt nicht Croccantini.

    Sie heißen:

    Croccantelle al Gusto Bacon.

    Aha!

    Man lernt nie aus.

    Immerhin hatte ich jetzt einen Namen.

    Meine Bizi erinnerte sich außerdem daran, dass sie die Croccantelle entweder bei Spar oder bei Conrad gekauft hatte.

    Mit Spar konnte ich etwas anfangen.

    Aber dann fiel noch der Name „Conrad“.

    Und da wurde es schwierig.

    Conrad?

    Ein Elektrogeschäft in München?

    Sollte ich tatsächlich bei Conrad nach italienischen Bacon-Chips suchen?

    Die Mission Croccantelle läuft.

    Ich vermutete dann doch, dass meine Bizi wahrscheinlich Conad und nicht Conrad gemeint hatte.

    Was ja auch wesentlich vernünftiger wäre.

    Nun habe ich also noch ein paar Tage Zeit.

    Die Mission war damit keineswegs beendet.

    Im Gegenteil.

    Jetzt wusste ich wenigstens, wonach ich suchen musste.

    Die Jagd ging also weiter.

    Ran an die Croccantelle!

    Wir geben nicht auf.

    Schließlich geht es hier nicht um irgendeinen Snack.

    Es geht um den Wunsch eines Enkels.

    Und ein Großvater, der seinem Enkel etwas versprochen hat, kann nicht einfach klein beigeben.

    Notfalls wird eben halb Italien nach Croccantelle al Gusto Bacon abgesucht.

    Denn am Ende soll Luis bekommen, was er sich gewünscht hat.

    Und wenn ich dafür noch einmal durch dutzende Geschäfte marschieren muss, in Regale schauen muss, italienische Verkäufer befragen muss und womöglich wieder vor einem Regal mit Hundeleckerli lande – dann sei es so.

    Und diesmal wissen wir wenigstens, wie der Gegner heißt.

  • 28.08.2026 – Noch einmal ans Meer, Porto Potenza und Eis in San Severino Marche

    28.08.2026 – Noch einmal ans Meer, Porto Potenza und Eis in San Severino Marche

    Nachdem unser Tag gewöhnlich nicht vor 10:00 Uhr beginnt und heute außerdem der vorletzte Tag ist, den unsere Enkelin noch bei uns verbringt, stand fest: Wir müssen noch einmal ans Meer.

    Morgen wird sie von Falconara zurück nach München fliegen. Hoffentlich wird sie die vierzehn Tage, die sie mit uns verbracht hat, in guter und vor allem schöner Erinnerung behalten. Ein letzter gemeinsamer Ausflug ans Meer konnte da sicherlich nicht schaden.

    Mittagessen am Meer

    Also kam mir die Idee, noch einmal nach Porto Potenza zu fahren und unser Mittagessen direkt am Meer einzunehmen. Dort kenne ich ein kleines Chalet mit Ristorante, das den schönen Namen „L’Approdo“ trägt – wörtlich übersetzt: „Die Anlegestelle“.

    Der Name passt perfekt. Man sitzt praktisch mit dem Meer vor der Nase, blickt auf den kleinen Strand und bekommt nebenbei die würzige Meeresluft gratis serviert. Mehr braucht es eigentlich nicht, um den Mittag zu einem kleinen Urlaub im Urlaub zu machen.

    Gegen 12:30 Uhr kamen wir an und hatten – wie üblich – Glück mit unserem Platz. Kaum saßen wir, standen auch schon ein Liter Acqua Frizzante und ein halber Liter Rosso della Casa auf dem Tisch. Damit war zumindest die Grundlage für eine vernünftige Speisekartenentscheidung geschaffen.

    Und die hatte es in sich: So viele leckere Gerichte, dass wir prompt vor dem schwierigsten Problem des Tages standen – der Qual der Wahl.

    Schließlich entschieden wir uns für Tagliatelle allo scoglio, also Tagliatelle „nach Felsenart“. Der Name kommt daher, dass sich rund um die Felsen am Meer allerlei kleine Meeresbewohner tummeln.

    Auf dem Teller landeten feine Bandnudeln mit einer ganzen Gesellschaft aus dem Meer: Tintenfisch, Miesmuscheln, Pannocchie – eine Art Scampi, die sich hervorragend für eine kräftige Soße eignen – und Vongole, alles in einer wunderbar aromatischen Tomatensoße.

    Ich muss sagen: Eine ausgezeichnete Wahl.

    Während Christine und unsere Enkelin anschließend sofort zum Dessert übergingen – Tiramisu und gefrorene Pistaziencreme –, hatte ich noch eine kleine Zwischenetappe vor mir: Fritto di Pesce dell’Adriatico, frittierten Fisch aus der Adria. Danach durfte auch bei mir die Pistaziencreme nicht fehlen.

    Und natürlich gab es zum Abschluss für alle den obligatorischen Caffè. Ohne ihn wäre ein italienisches Mittagessen schließlich nur halb so offiziell.

    Es war eine rundum gelungene Entscheidung, noch einmal ans Meer zu fahren. Gegen 15:00 Uhr kamen wir wieder in Passo di Treia an. Dort verabschiedete sich unsere Enkelin noch von ihrem Cousine Paola und ihrer Tante Silvia.

    Danach ging es zurück nach Valcerasa zur wohlverdienten Mittagsruhe. Während die beiden Mädels allerdings noch nicht genug Energie verbraucht hatten und schnurstracks Richtung Pool verschwanden, durfte ich mich der italienischen Kunst des gepflegten Nichtstuns widmen.

    Doch lange blieb keine Zeit zum Ausruhen:

    Ein Abendessen in Valcerasa

    Kurz vor dem Abendessen fuhr ich mit Fabio zu seinem zweiten Agriturismo, dem „Il Casale“. Die Anlage ist zwar nicht ganz so weitläufig wie der Roccolo, dafür aber mindestens genauso gepflegt und wunderbar ruhig. Die Apartments sind etwas größer und liegen angenehm abgeschieden – etwa sieben Kilometer von Passo di Treia und Treia entfernt.

    Wer hier absolute Ruhe sucht, ist bestens aufgehoben. Viel ruhiger kann es eigentlich nicht werden – höchstens, wenn man zusätzlich noch das Handy ausschaltet.

    Ein außergewöhnliches Abendessen erwartete uns vermutlich nicht. Aber manchmal ist es eben gar nicht das Essen, das einen Abend besonders macht, sondern der Ort, die Atmosphäre und vor allem die Menschen, mit denen man ihn verbringt.

    Unser Tisch stand am Pool, der Vollmond schien vom Himmel und die Kerzen sorgten für das passende Licht. Es war ein wunderschöner und würdiger Abschluss für den Urlaub meiner Enkelin.

    Wir wollten ihr noch etwas Besonderes bieten – etwas, das nicht in einen Koffer passt und bei der Rückreise garantiert nicht beim Zoll angemeldet werden muss: eine schöne Erinnerung.

    Ein Abendessen im Mondschein sollte es sein.

    Und so genossen wir diesen besonderen Abend in aller Ruhe. Vielleicht war es kein Dinner, über das ein Sternekoch noch Jahre später gesprochen hätte – aber für uns war es genau das Richtige.

    Zum Eisessen nach San Severino Marche

    Nach dem Abendessen setzten wir uns ins Auto und machten uns auf den Weg nach San Severino Marche. Denn eines durfte natürlich auf keinen Fall fehlen: Eis!

    Meine Enkelin entschied sich diesmal für Pistazie, Schokolade und Caffè. Damit war auch kulinarisch endgültig geklärt, dass dieser Urlaub seinem Ende entgegenging.

    Wir saßen ungefähr eine halbe Stunde in der Gelateria, schleckten unser Eis und ließen gleichzeitig die vergangenen dreizehn Tage Revue passieren. Es wurde erzählt, erinnert und natürlich auch gelacht.

    Dabei kamen die beiden Mädels auf eine Situation zu sprechen, die ich – selbstverständlich völlig unbeabsichtigt – verursacht hatte.

    Was soll ich sagen?

    Die Geschichte muss ausgesprochen komisch gewesen sein, denn die beiden lachten sich dermaßen kaputt, dass schließlich sogar die Tränen liefen. Ich konnte natürlich nicht ernst bleiben und musste zwangsläufig mitlachen. Schließlich ist es als Opa ohnehin gefährlich, gegen die eigene Enkelin und ihre Freundin anzutreten – man hat eigentlich keine Chance.

    Das Schönste aber war: Die beiden Mädchen hinter der Theke in der Gelateria hatten zwar keine Ahnung, worüber wir lachten, mussten aber einfach mitlachen.

    Damit war wieder einmal eindrucksvoll bewiesen:

    Lachen ist ansteckend. Und manchmal braucht man dafür nicht einmal dieselbe Sprache.

    Anschließend schlenderten wir noch ein wenig über die Piazza del Popolo. Wir ließen die vergangenen Tage Revue passieren, erinnerten uns an die vielen kleinen und großen Erlebnisse und genossen ganz bewusst unseren letzten gemeinsamen Abend.

    Gegen 23:15 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg zurück nach Valcerasa.

    Wir waren müde, satt und zufrieden – und hatten wieder einen dieser Abende erlebt, die wahrscheinlich gerade deshalb so schön sind, weil man im Augenblick selbst noch gar nicht weiß, dass man sich später einmal besonders gern an sie erinnern wird.

    Der nächste Tag würde leider ein Tag des Abschieds werden.

    Aber meine Enkelin würde etwas mit nach Hause nehmen, das viel wertvoller ist als jedes Souvenir: schöne Erinnerungen an dreizehn gemeinsame Urlaubstage mit ihren Großeltern.

    Erinnerungen an Orte, an kleine Abenteuer, an Eis in der Gelateria, an Mondschein und Kerzenlicht – und natürlich an ihren etwas kantigen Opa, der gelegentlich für unfreiwillige Unterhaltung sorgt.

    Und genau diese Erinnerungen kann ihr niemand mehr nehmen.

    Vielleicht ist das am Ende überhaupt das schönste Geschenk, das Großeltern ihren Enkeln machen können: gemeinsame Zeit, gemeinsam erlebte Geschichten und ein paar Momente, über die man noch Jahre später lachen kann.

    Guten Flug, kleine Prinzessin.

    Und auf ein baldiges Wiedersehen!

    Das wünscht dir dein kantiger Opa – zusammen mit deiner sehr lieben Oma.

    Ciao, bis bald, mein Engel.

  • 27.08.2026 – Den Kampf gegen die Maut gewonnen

    27.08.2026 – Den Kampf gegen die Maut gewonnen

    Mit Hilfe des ADAC die Autostrade besiegt

    Nach zwölf Tagen intensiven Ringens mit den unverständlichen Webseiten der Autostrade per l’Italia ist es endlich geschafft: Die offene Mautgebühr konnte ich – mit Hilfe des ADAC und nach etlichen Versuchen – tatsächlich per Überweisung begleichen.

    Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Dazu werde ich einen eigenen Beitrag schreiben, in dem ich ausführlich schildern werde, wie dieser Kampf ablief. Vielleicht habe ich mich an der einen oder anderen Stelle auch etwas ungeschickt angestellt. Aber ganz ehrlich: Auch die Autostrade muss sich ein wenig Selbstkritik gefallen lassen. Unverständliche Abläufe, komplizierte Webseiten und eine gehörige Portion italienische Bürokratie haben aus einer eigentlich simplen Mautzahlung einen zwölf Tage dauernden Kampf gemacht.

    Aber nun ist es vorbei.

    Das Kapitel „Maut“ ist geschlossen. Endgültig.

    Und manchmal fühlt sich selbst eine überwiesene Mautgebühr wie ein kleiner persönlicher Sieg an.


    Eine schlechte und eine gute Nachricht

    Der gestrige Tag war ein typisch italienischer Sommertag. Nicht einmal ein strahlend blauer 100-Prozent-Sonnentag – und trotzdem drückend heiß. Bei knapp 30 Grad im Schatten hatte man zeitweise das Gefühl, die Luft würde einfach stehen bleiben und jeder Atemzug müsse sich erst einen Weg durch die Hitze bahnen.

    Deshalb haben wir unsere Aktivitäten auf das Nötigste beschränkt.

    Erst am Nachmittag gingen Christine und meine Enkelin zum Schwimmen. Ich hatte nach meinem Mittagsschlaf zunächst den Puppi abgeliefert und wollte eigentlich einen ruhigen Nachmittag verbringen.

    Doch dann erreichte uns eine Nachricht, die alles andere in den Hintergrund rückte.

    Christines Schwester Melanie ist nach langer Krankheit eingeschlafen.

    Sie hat ihren langen Leidensweg beendet und ist nun von ihrem Leiden erlöst.

    Es sind diese Nachrichten, für die es eigentlich keine richtigen Worte gibt. Man weiß, dass irgendwann der Moment kommt, an dem ein Mensch gehen muss. Und trotzdem ist es jedes Mal schwer. Besonders, wenn es ein Mensch aus der eigenen Familie ist.

    Die Nachricht hat unsere Stimmung verständlicherweise sehr verändert. Plötzlich wurde aus einem unbeschwerten Sommertag ein Tag des Nachdenkens, der Trauer und der leisen Gedanken an einen Menschen, der nun nicht mehr bei uns ist.

    Und doch lag an diesem Tag auch eine kleine, erfreuliche Nachricht in der Luft:

    Meine Bizi mit Freddy, mein Mäuschen und der Herr Prof. sind glücklich von München nach Formentera angekommen.

    Dort können sie nun endlich ihren Urlaub genießen, Sonne tanken, das Meer erleben und hoffentlich für ein paar Tage alles hinter sich lassen.

    So liegen manchmal Trauer und Freude ganz dicht nebeneinander.

    Das Leben fragt nicht, ob gerade der richtige Zeitpunkt dafür ist.


    Danach machte ich mich noch auf den Weg zum Einkaufen, damit wir etwas für das Abendessen zu Hause hatten.

    Gegen 20:00 Uhr machten wir es uns gemütlich. Ein kleines Abendessen unter freiem Himmel, bei Kerzenschein, die warme Abendluft um uns herum – ein stiller und schöner Abschluss für einen Tag, der emotional so viele unterschiedliche Seiten hatte.

    Ich bin früh schlafen gegangen.

    Die zwei Mädels dagegen konnten es wieder einmal nicht lassen und haben sich noch eine ihrer legendären „Kniffel“-Partien geleistet.

    Vielleicht braucht das Leben genau solche kleinen Momente.

    Nach einem traurigen Tag ein Lächeln.
    Nach einer schweren Nachricht ein bisschen Leichtigkeit.
    Und nach zwölf Tagen Kampf endlich das Gefühl: Geschafft.

    Das Motto dieses Tages war für mich:

    „Niemals aufgeben. Immer an sich glauben.“

    Denn manchmal besteht ein Sieg nicht darin, dass alles gut ausgeht.

    Manchmal besteht der Sieg einfach darin, weiterzumachen.

  • 26.08.2026 – Die Odyssee um die nicht entrichtete Maut

    26.08.2026 – Die Odyssee um die nicht entrichtete Maut

    Und ewig grüßt dich die Maut der Autostrade

    Also, inzwischen sind elf Tage vergangen, seit ich in Forlì die falsche Ausfahrt genommen habe. Obwohl ich bereits am 17.08.2026, bei der Einfahrt in Forlì, versucht hatte, an der Mautstelle herauszufinden, was ich tun muss, um diese Maut zu entrichten, bin ich bis heute auf keinen grünen Zweig gekommen.

    Ich beschloss daher heute Morgen, bei der Polizia Stradale in Macerata vorbeizuschauen und vielleicht dort Hilfe zu bekommen. Was mir zunächst nicht gewährt wurde, denn – wie man mir freundlich erklärte – dafür seien sie nicht zuständig. Immerhin gaben sie mir den Tipp, mich in der Via Roma 149 in Macerata vorzustellen, da sich dort ein ENI-Blu-Point befinde.

    Voller Hoffnung fuhr ich dorthin. Der freundliche Mann an der Agip-Tankstelle erklärte mir jedoch, dass er nicht berechtigt sei, die Maut zu kassieren. Daraufhin bat ich ihn, mir wenigstens eine Stelle zu nennen, an die ich mich wenden könne. Gesagt, getan: Ich erhielt eine römische Telefonnummer.

    Volle Freude trat ich die Rückfahrt nach Valcerasa an

    In der Ferienwohnung angekommen, wählte ich diese Nummer. Es folgten zahlreiche Fragen, die jeweils mit einer Ziffer beantwortet werden mussten, bis ich endlich einen Operator erwischte.

    Also, lange Rede, kurzer Sinn: Der Herr schien für meinen Fall nicht zuständig zu sein, was vielleicht sogar verständlich sein könnte. Allerdings verwies er mich an eine Servicenummer, die ich bereits bei meinen Internetrecherchen gefunden und sogar unter der italienischen Vorwahl mehrfach angerufen hatte – allerdings ohne Erfolg.

    Und jetzt kam der entscheidende Hinweis: Die Nummer ist nicht vergeben. Bitte wenden Sie sich an die Auskunft.

    Also, hier ist mir dann endgültig der Gaul durchgegangen. Ich drohte damit, die Gesellschaft wegen entgangener Urlaubsfreude zu verklagen. Ziemlich verärgert legte ich anschließend auf.

    Neue Suche, neues Glück?

    Nach dem Mittagessen fragte ich Fabio, ob er vielleicht eine Lösung für mein Mautdrama hätte. Er empfahl mir, nach Porto Civitanova zu fahren, weil es dort noch Punto Blu geben sollte.

    Also: nichts wie hin.

    Doch das war ein Schuss ins Wasser – oder besser gesagt: auf die bereits geschlossene Mautstelle.

    Die Anlaufstellen von Punto Blu sind nämlich bereits seit 2024 geschlossen. Es gibt nur noch zwei Stellen, die diese Funktion teilweise übernommen haben, und zwar ENI und TIM. Diese beiden Institutionen sind für alles zuständig, was rund um das Auto benötigt wird – nur eben nicht dafür, unbezahlte Mautgebühren zu kassieren.

    So fühlte ich mich langsam wie Dante Alighieri am Eingang zur Hölle, der in seinem dritten Gesang die unmissverständliche Aufforderung lesen musste:

    „Lasciate ogne speranza, voi ch’intrate.“

    (Lasst alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr eintretet.)

    Doch ich wollte mich damit nicht abfinden. Also werde ich morgen, am zwölften Tag meiner persönlichen Maut-Odyssee, weiter nach einer Lösung suchen.

    Ein Abend in Cusciano

    Am Abend fuhren wir nach Cusciano, einer verträumten, etwas abgelegenen Fraktion in den Settempedani-Hügeln bei San Severino.

    Etwa drei Kilometer vor dem Ziel versagte unser Autonavigationssystem endgültig seinen Dienst. Also übernahm Google Maps das Kommando – mit einer Route, die uns durch Wald, über Wiesen, Schotterpisten und Steigungen von bis zu 18 Prozent führte.

    Langsam begann ich ernsthaft daran zu zweifeln, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg waren. Doch wieder einmal sollte ich eines Besseren belehrt werden.

    Plötzlich standen wir vor der Ristorante-Pizzeria „La Lucciola“ – das Glühwürmchen. Ein in dieser Abgeschiedenheit erstaunlich nettes Lokal mit einem geradezu unwahrscheinlich großen Garten.

    Ich bestellte für uns drei, wie üblich, einen Liter Acqua Gassata und einen halben Liter Rotwein. Als Vorspeise gab es eine Lucciola, eine Kombination lokaler Produkte: Ciauscolo, Pecorino, Bauernschinken und Lonza, dazu Bruschetta mit Mozzarella und Tomaten, Melone passend zum Schinken, gegrillte Zucchini- und Auberginenscheiben sowie einen Buchweizensalat mit kleinen Gürkchen und Minitomaten.

    Danach kamen eine Pizza Diavola und zwei Pizza Napoletana auf den Tisch.

    Zum Abschluss natürlich drei Caffè.

    Als Abschluss: Eisessen in San Severino

    Anschließend fragte ich das Personal nach einem bequemeren Weg zurück. Mit dieser wertvollen Information ausgestattet, machten wir uns in Richtung San Severino Marche auf und wollten den Abend dort mit einer schönen Portion Eis ausklingen lassen. was auch geschah. 

    Dann fuhren wir noch zum Castello, um die Türme und das Panorama von San Severino bei Nacht zu fotografieren.

    Und so wurde aus dem ursprünglich geplanten ruhigen Abschluss des Abends noch ein kleiner nächtlicher Fotostopp.

    Alles in allem aber ein sehr gelungener Abend.

    Und gegen Mitternacht waren wir schließlich wieder in Valcerasa.

    Die Maut war damit zwar noch immer nicht bezahlt – aber immerhin hatten wir gut gegessen.

  • 25.08.2026 – Der ersten Regentag im Urlaub.

    25.08.2026 – Der ersten Regentag im Urlaub.

    Endlich konnte ich heute Morgen zum Friseur gehen – und dort habe ich gleich die italienische Lebensart hautnah erlebt.

    Scheinbar begann mit dem gestrigen Sonntag wieder die italienische Fußballmeisterschaft, die Serie A. Beim Friseur saßen drei eingefleischte Fußballanhänger: ein Interista von Inter Mailand, ein Milanista vom AC Milan und ein Juventino von Juventus Turin. Und diese drei Herren diskutierten sehr lautstark über die offenbar überraschenden Ergebnisse.

    Wenn ich die Sprache nicht verstanden hätte und die drei nur gehört hätte, wäre ich überzeugt gewesen, dass in dem Friseursalon gerade ein handfester Streit ausgetragen wird. Dem war aber überhaupt nicht so. Ganz im Gegenteil: Es war einfach nur italienische Fußballleidenschaft!

    Ich glaube, wenn drei eingefleischte Anhänger verschiedener Vereine aufeinandertreffen, gibt es kein Halten mehr. Da kommt die gesamte Leidenschaft ans Tageslicht: laute Stimmen, wilde Gesten, energisches Kopfnicken und wahrscheinlich die eine oder andere Meinung, die der jeweils andere unter normalen Umständen niemals akzeptieren würde.

    Aber genau das ist Fußball in Italien. Hier wird nicht einfach ein Spiel angeschaut – hier wird Fußball gelebt. Und wenn man das Ganze aus sicherer Entfernung beobachtet, ist es sogar ziemlich unterhaltsam.

    Zu viele ausländische Fußballer

    Während die drei Fußballfans ihre ganz persönliche Champions League im Friseursalon austrugen, las ich die Gazzetta dello Sport. Dabei wunderte ich mich über die große Zahl ausländischer Spieler in den italienischen Mannschaften.

    Und plötzlich kam mir der Gedanke: Vielleicht liegt hier eines der Probleme des italienischen Fußballs.

    Italien ist nun bereits zum dritten Mal in Folge nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft dabei, obwohl wir durchaus gute Nachwuchsmannschaften haben – von der U16 über die U18 bis zur U21. Irgendetwas scheint also zwischen dem Nachwuchs und der Nationalmannschaft gründlich schiefzulaufen.

    Scheinbar haben wir in Italien nicht unbedingt zu wenig Fußballtalente, sondern eher mittelmäßige bis unfähige Fußballmanager und Vereinsbesitzer, die in erster Linie auf den Profit schauen. Das Ganze begann für mich bereits mit Berlusconi und seiner Kritik an Dino Zoff als technischem Leiter der Nationalmannschaft.

    Und über Dino Zoff muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Ein außergewöhnlicher Sportler, Nationaltorwart und Trainer – einer, der vom Fußball nun wirklich etwas verstanden hat.

    Nein, liebe FIGC, so wird das nichts!

    Solange einige der großen Köpfe und altersmäßig längst überfälligen Dirigenten nicht bereit sind, ihren Hut zu nehmen und Platz für junge, fachkundige und moderne Manager zu machen, wird Italien international weiterhin als eher schwache Fußballnation gelten.

    Wir haben hervorragende Talente – aber irgendwo muss es Menschen geben, die daraus auch eine schlagkräftige Nationalmannschaft formen.

    Wenn es so weitergeht, können wir bald Wetten darüber abschließen, wann Italien zum ersten Mal gegen die Nationalmannschaft von San Marino verliert.

    Wobei ich hoffe, dass ich diesen historischen Moment nicht mehr erleben muss!

    Die Basilika von Loreto

    Nach dem Friseur hatten wir eigentlich geplant, die Basilika von Loreto zu besuchen. Loreto ist einer der bekanntesten Wallfahrtsorte Italiens. Mittelpunkt der monumentalen Basilika ist die sogenannte Santa Casa, das Heilige Haus, das nach katholischer Überlieferung das Wohnhaus der Jungfrau Maria gewesen sein soll. Die Basilika ist deshalb ein bedeutendes religiöses und kulturelles Ziel und wird jedes Jahr von zahlreichen Pilgern und Touristen besucht.

    Heute allerdings hatten wir gleich mehrere Probleme.

    Erstens gab es ein starkes Unwetter. Zweitens war Loreto völlig überfüllt. Und drittens – was in Italien fast noch dramatischer sein kann – waren sämtliche Parkplätze voll.

    Scheinbar waren wegen des Unwetters alle Touristen auf dieselbe Idee gekommen: Wenn man schon nicht draußen etwas unternehmen kann, macht man eben einen Kulturtag.

    Und so hatten wahrscheinlich halb Italien und gefühlt die andere Hälfte Europas beschlossen, genau heute Loreto zu besuchen.

    Also gaben wir unseren Plan auf.

    Na ja, ganz aufgegeben haben wir ihn eigentlich nicht – wir haben ihn nur auf eine etwas ungewöhnliche Art umgesetzt. Wir sind sage und schreibe drei Stunden durch die Provinz Ancona herumgefahren, ohne ein konkretes Ziel zu haben.

    Drei Stunden!

    Man könnte auch sagen: Wir haben heute die Provinz Ancona intensiv kennengelernt – allerdings hauptsächlich durch die Windschutzscheibe.

    Irgendwann beschlossen wir dann, die Rückfahrt anzutreten. Schließlich braucht auch ein erfolgloser Kulturtag irgendwann ein Mittagessen.

    So landeten wir im Lokal La Scaletta in Casette Verdini, wo wir unser wohlverdientes Mittagessen einnahmen. Damit war zumindest der kulinarische Teil des Tages gerettet.

    Paola und Katia – Wiedersehen mit meiner Enkelin

    Auf dem Weg zum Roccolo fuhr ich, wie am Vortag versprochen, bei meiner Nichte Paola und Katia vorbei. Der Anlass war für mich etwas ganz Besonderes: Nach langen 14 Jahren konnte sie endlich meine Enkelin wiedersehen.

    Vierzehn Jahre sind eine unglaublich lange Zeit. Umso schöner war es, diesen Moment endlich erleben zu können.

    Nach dem Besuch gingen Christine und meine Enkelin noch im Pool baden. Dort war das Wetter dann offenbar wieder gnädiger mit uns – zumindest solange man sich im Wasser befand.

    Und so endete unser erster Regentag im Urlaub letztlich doch noch ganz schön und vor allem familiär.

    Der Tag hatte mit Fußballleidenschaft beim Friseur begonnen, führte uns beinahe nach Loreto, schickte uns stattdessen drei Stunden ziellos durch die Provinz Ancona, bescherte uns ein gutes Mittagessen und endete schließlich mit einem ganz besonderen Wiedersehen nach 14 Jahren.

    Eigentlich gar kein schlechter Regentag – nur etwas anders geplant.

  • 24.08.2026 – Elcito das Tibet der Marken

    24.08.2026 – Elcito das Tibet der Marken

    Der kleine, stille Borgo Elcito in den Marken ist ein winziger Ort, an dem die Zeit scheinbar nicht einfach stehen geblieben ist – sie hat sich auf einer Steinbank niedergelassen und beschlossen, dort erst einmal zu bleiben.

    Und doch ist Elcito keineswegs verlassen. Dank des Idealismus, der Liebe und der Hartnäckigkeit einiger Menschen wird der Borgo lebendig gehalten, als müsse man jeden Morgen persönlich dafür sorgen, dass die Vergangenheit nicht endgültig einschläft.

    Ich wollte diesen besonderen Ort meiner Enkelin zeigen. Schließlich hatte ich Elcito einst als junger Pfadfinder kennengelernt und verbinde damit einige sehr schöne Erinnerungen.

    Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer. Von Castel San Pietro führt eine enge, kurvenreiche Straße scheinbar endlos bergauf. Wenn man schließlich rechts oben am Hang die ersten Häuser entdeckt, fragt man sich unwillkürlich: Wer kommt eigentlich auf die Idee, ausgerechnet auf einem über 800 Meter hohen Berg einen Ort zu bauen?

    Die Antwort bekommt man ein paar Kilometer später.

    Elcito – das Tibet der Marken

    Elcito wird nicht ohne Grund gern „das Tibet der Marken“ genannt. Der Vergleich liegt weniger an einer geografischen Ähnlichkeit als an seiner abgeschiedenen, fast entrückten Atmosphäre. Hoch oben gelegen, von Bergen und tiefen Tälern umgeben, wirkt der Borgo wie eine kleine Welt für sich – fern vom Lärm und der Hektik des modernen Lebens. Die kurvenreiche Auffahrt verstärkt dieses Gefühl: Mit jeder Kehre entfernt man sich ein wenig mehr vom Alltag und nähert sich einer anderen Zeit.

    Oben angekommen, empfängt einen eine beinahe unwirkliche Stille. Die umliegenden Hügel, der kleine Anstieg zur San-Rocco-Kirche, der hübsche Glockenturm und die sorgfältig restaurierten Steinhäuser erzählen von einer Zeit, in der das Leben noch wesentlich langsamer tickte.

    Der kleine Glockenturm hat früher den Bewohnern des darunterliegenden Tales den Rhythmus des Tages vorgegeben. Heute ist die Kirche leider meist verschlossen – aber der Turm steht noch immer da und scheint sich zu fragen, warum es eigentlich niemand mehr eilig hat.

    Die engen Gassen, die alten Steinhäuser und die liebevoll restaurierten Fassaden laden geradezu dazu ein, von einer längst vergangenen und fast vergessenen Zeit zu träumen.

    Gemütliche Einkehr: „Il Cantuccio“

    Seit Kurzem haben zwei mutige Menschen, Roberta und Nicola, das kleine „Ristoro il Cantuccio“ eröffnet – eine gemütliche Einkehr für Wanderer, Biker und Besucher wie uns.

    Die Einrichtung ist rustikal und ausgesprochen schlicht. Aber genau das passt zu Elcito. Hier sitzt man nicht wegen des Interieurs, sondern wegen der Ruhe, der Aussicht und der Atmosphäre.

    Roberta hatte an diesem Tag alle Hände voll zu tun, war aber trotzdem freundlich und gut gelaunt. Das erinnerte mich unwillkürlich an die junge Dame in Castel Trosino, die nicht einmal halb so viele Gäste zu bedienen hatte – aber offenbar an diesem Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden war. Manchmal liegen zwischen zwei Kellnerinnen eben ganze Gebirgszüge.

    Natürlich konnten wir uns eine kleine Erfrischung nicht entgehen lassen. Nach unserem etwa 90-minütigen Rundgang durch den Borgo fanden wir im „Cantuccio-Garten“ einen gemütlichen Schattenplatz und ließen dort die Beine und den Tag ein wenig ruhiger werden.

    Spaghetti um halb drei

    Anschließend fuhren wir nach San Severino, weil Christine noch etwas in der Drogerie besorgen musste. Danach hoffte ich, in der Osteria bei Fabio in Rocchetta vielleicht noch einen Teller Spaghetti ergattern zu können. Es war inzwischen immerhin 14:30 Uhr – in Italien also schon eine Uhrzeit, zu der man kulinarisch durchaus mit einem freundlichen „La cucina è chiusa“ rechnen muss.

    Wir hatten Glück.

    Wir bekamen eine ordentliche Portion Spaghetti aglio, olio e peperoncino, anschließend sogar noch Schinken mit Melone. Damit war unser Hungergefühl – und vor allem meine Sorge um das leibliche Wohl – fürs Erste besänftigt.

    Danach fuhren wir nach Roccolo. Ich gönnte mir meine wohlverdiente Mittagsruhe, während Christine und meine Enkelin den Pool aufsuchten.

    Ein neuer Anlauf für den Haarschnitt

    Gegen 17:00 Uhr unternahm ich noch einen weiteren Versuch, endlich meine Haare schneiden zu lassen. Doch auch dieser Plan scheiterte an einer höheren italienischen Macht: Montag.

    Friseurläden haben in Italien montags grundsätzlich geschlossen – zumindest dann, wenn ich gerade dringend einen Haarschnitt brauche.

    Also disponierte ich um und ging stattdessen auf einen Caffè zu meiner Nichte Paola. Da wir uns am Vortag nicht getroffen hatten, weil sie am Meer gewesen war, gab es genügend Gesprächsstoff. Wir redeten über dies und das und verabredeten uns gleich für den nächsten Tag.

    Danach besorgte ich noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen.

    Gegen 20:00 Uhr saßen wir schließlich gemütlich draußen, ließen den Tag bei einem guten Verdicchio aus Jesi ausklingen und waren uns vermutlich alle einig: Für einen Ort, der so abgeschieden liegt, hatte Elcito uns ziemlich viel zu erzählen.

    Und vielleicht ist genau das sein Geheimnis: Elcito ist nicht einfach ein Dorf, das vergessen wurde. Es ist ein Dorf, das sich erfolgreich gegen das Vergessen wehrt.

  • 23.08.2026 – Beautyfull Sunday in der Marken

    Frühstück bei Treia

    Die Sonntagsplanung musste geändert werden: Für die Tropfsteinhöhlen von Frasassi war alles ausgebucht, und die nächste verfügbare geführte Besichtigung ließ sich erst für Mittwoch, den 26.08.2026, reservieren. Also nahm der Tag kurzerhand eine neue Richtung — wie das im Urlaub eben manchmal geschieht, wenn das Schicksal beschließt, den Reiseleiter zu spielen.

    Heute Morgen wollte ich weiter an meinem Plan „B“ in der Sache der verlorenen Urlaubskasse arbeiten. Zuerst hob ich am Bancomat Geld ab, damit die Kasse wenigstens wieder einen halbwegs versöhnlichen Eindruck machte. Danach fuhren wir nach Treia, um einen Cappuccino zu trinken — denn es gibt Probleme, die man nicht sofort lösen kann, aber ein guter Cappuccino hilft zumindest, sie würdevoller zu betrachten.

    Bei der Pro Loco erfuhr ich, dass Treia bald offiziell als Borgo bezeichnet werden darf — eine Nachricht, die mich besonders freute, weil ich diesen Gedanken bereits in mein Buch aufgenommen habe. Also nutzte ich die Gelegenheit, machte ein paar neue Bilder des Borgo und fotografierte auch die Umgebung, die sich an diesem Morgen von ihrer freundlichen, fast filmreifen Seite zeigte.

    Treia liegt in den sanften Hügeln der Marken, in der Provinz Macerata, und gehört zu jenen Orten, die nicht laut um Aufmerksamkeit bitten, sondern sie sich leise verdienen: mit alten Mauern, weiten Blicken, Gassen voller Geschichte und einer Würde, die man nicht kaufen kann. Besonders bekannt ist Treia für die „Disfida del Bracciale“, eine historische Wiederbelebung des alten Spiels „Pallone col Bracciale“. Dabei treten die vier Stadtviertel in einem traditionsreichen Wettkampf gegeneinander an; das Fest erinnert an Carlo Didimi, den berühmten Spieler, dem Giacomo Leopardi 1821 sogar ein Gedicht widmete. Kurz gesagt: Treia ist klein genug, um charmant zu sein, und groß genug, um Geschichte mit Anlauf gegen die Gegenwart zu werfen.

    Besuch bei meiner Schwägerin Silvia

    Anschließend fuhren wir nach Passo di Treia zu meiner Schwägerin Silvia. Eigentlich wollte ich nur kurz Guten Tag sagen, damit sie weiß, dass ich in Roccolo di Valcerasa bin. Außerdem wollte ich ihr meine Enkelin vorstellen, die sie zuletzt vor vierzehn Jahren gesehen hatte — eine dieser Begegnungen, bei denen die Zeit erst so tut, als sei sie verschwunden, und dann plötzlich mitten im Zimmer steht.

    Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen, so wie es unter Achtzigjährigen üblich ist. In diesem fortgeschrittenen Alter weiß man nie genau, ob und wann es ein Wiedersehen geben wird. Also ließen wir das vergangene Jahr Revue passieren, mit all seinen Sorgen, kleinen Wundern und unvermeidlichen Anekdoten. Christine übersetzte dabei für unsere Enkelin, damit auch sie verstand, dass Familiengeschichten manchmal länger dauern als geplant — und meistens genau deshalb schön sind.

    Danach fuhren wir zurück zum Roccolo und bereiteten ein bescheidenes Mittagessen vor. Anschließend legte ich mich, wie üblich, zu meiner Mittagsruhe hin, während Christine und meine Enkelin den Pool in Anspruch nahmen. Jeder wählte also seine Form der Erholung: die einen Wasser, ich Matratze — beides durchaus mediterrane Lösungen.

    Die Sonntagswende

    Gegen 15:00 Uhr stand ich auf, gab Snoopy sein Fressen und marschierte langsam zum Pool. Christine erinnerte mich daran, dass Snoopys Auge gereinigt werden musste. Seit etwa drei Monaten leidet Snoopy an einer leichten Augenlid-Lähmung, verursacht durch eine Nervenverletzung, die er beim Tierarzt während einer Zahnreinigung erlitten hatte. Zum Glück ist alles allmählich auf dem Weg der Besserung. Also ging ich mit Snoopy wieder zurück, bereitete abgekochtes Wasser vor, um das Auge zu reinigen, und kurz darauf kam Christine dazu. Gemeinsam führten wir die kleine Pflegemaßnahme durch — mit der Ernsthaftigkeit eines medizinischen Teams und der Geduld eines Hundes, der genau weiß, dass Menschen manchmal übertreiben.

    Danach ging Christine ins Schlafzimmer, wo sie eine kurze Weile blieb. Plötzlich legte sie mir die verschwundene kleine Tasche direkt vor die Nase. Als ich sie sah, rutschte mir das Herz in die Hose, und der Mont Blanc persönlich hätte mich nicht schwerer niederdrücken können. Es war ein Wechselbad der Gefühle, kaum zu beschreiben: Erleichterung, Schreck, Freude, Unglauben — alles zugleich, als hätte jemand die gesamte innere Wetterkarte auf Sturm, Sonne und Gewitter gestellt.

    Ich verständigte sofort meine Tochter Patrizia und teilte ihr mit, dass die Urlaubskasse wieder aufgetaucht sei und der Rest von Plan „B“ damit ersatzlos gestrichen werde. Manchmal schreibt der Sonntag eben die besseren Nachrichten selbst — und manchmal versteckt er sie vorher nur in einer kleinen Tasche.

    Nach dem Schreck eine Pizza als Belohnung

    Die wiedergefundene Urlaubskasse hatte uns natürlich riesig gefreut. Nach dem ganzen Schreck beschlossen wir, uns zum Tagesabschluss und als Belohnung ein schönes Abendessen zu gönnen – am liebsten eine Pizza.

    Also rief ich bei der Cantinetta Pizzeria in Treia an, um einen Tisch zu reservieren. Doch leider: Das Lokal war bereits voll. Kein Problem, dachten wir, dann fahren wir eben zu unserer Osteria auf dem Weg nach San Severino. Doch dort angekommen, erwartete uns die nächste Überraschung: Wegen der Ferien geschlossen. Ein leicht mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Hoffentlich fahren wir jetzt nicht umsonst bis nach San Severino!

    Dort angekommen, hatten wir bereits ein bestimmtes Lokal ins Auge gefasst. Aber auch hier hatte offenbar die Ferienzeit das Sagen – geschlossen. So blieb uns nur noch die Osteria da Ninetta. Dort waren wir schon 2025 gewesen und hatten damals Glück gehabt. Also nichts wie hin!

    Wer Sucht der Findet.

    Und tatsächlich: Unser Abendessen war gerettet. Kulinarisch allerdings blieb der Abend eher auf dem Boden der Tatsachen. Wirklich herausragend war nichts. Das Beste an diesem Abend war eindeutig der Wein – ein Lacrima di Morro. Der Rest war eher durchschnittlich. Aber nach dem Schreck mit der Urlaubskasse und unserer kleinen Odyssee auf der Suche nach einem geöffneten Restaurant war uns das eigentlich auch ziemlich egal.

    Anschließend schlenderten wir noch ein bisschen über die Piazza del Popolo. Der Platz war wunderschön beleuchtet, und natürlich musste ich noch ein paar Fotos machen. Danach fuhren wir zurück in unsere Ferienwohnung.

    So endete schließlich ein Urlaubstag, der zwischen Schreck, Erleichterung und kulinarischer Planlosigkeit doch noch ein glückliches Ende nahm. Und die ganzen mühsam geschmiedeten „B-Pläne“? Die löschte ich für heute endgültig aus meinem Kopf.

    Manchmal ist im Urlaub eben nicht der perfekte Plan das Ziel – sondern einfach nur ein geöffneter Tisch, ein gutes Glas Wein und die Gewissheit, dass die Urlaubskasse wieder da ist.

  • 22.08.2026 – kein schöner Urlaubstag

    22.08.2026 – kein schöner Urlaubstag

    Schweren Herzens mussten wir Cà Nick verlassen. Unsere Zeit dort war abgelaufen, und nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von Sabine, Antonio, Nevio und Adriano machten wir uns auf den Weg Richtung Roccolo di Valcerasa – mit diesem stillen Gefühl im Gepäck, das man immer hat, wenn ein schöner Ort hinter einem zurückbleibt und der nächste bereits wartet.

    Der Rückreiseverkehr hatte die Autobahn fest im Griff

    Bereits bei der Einfahrt zur A14 sah ich: An diesem Tag würde der Rückreiseverkehr die Autobahn vermutlich in ein einziges rollendes Geduldsspiel verwandeln. Staus en masse kündigten sich an wie dunkle Wolken am Horizont. Deshalb – und auch, weil wir Roccolo in knapp einer Stunde erreicht hätten – entschied ich mich für die Statale 16, die Adriatica, bis Porto Civitanova.

    Tatsächlich verlief die Fahrt sehr ruhig und angenehm, beinahe so, als hätte die Straße Mitleid mit uns. In Porto Civitanova nahmen wir dann die Schnellstraße Richtung Foligno, und in Tolentino fuhren wir weiter Richtung San Severino Marche. Kurz vor den Thermen von Santa Lucia in Tolentino legten wir wegen Snoopy eine kleine Pause ein – denn auch ein Hund hat schließlich seine Reisebedürfnisse – und anschließend ging es weiter.

    Samstagmarkt im San Severino Marche

    Endlich angekommen, musste ich zu meinem Bedauern zunächst einen Parkplatz suchen, denn die Piazza del Popolo war wegen des wöchentlichen Marktes für den Verkehr gesperrt. Also gelangten wir über kleine Umwege zur Pizzeria Ago’s, bestellten ein paar Stücke Pizza al Taglio – und erklärten sie kurzerhand zu unserem Mittagessen. Man muss im Urlaub schließlich flexibel sein, besonders wenn Pizza im Spiel ist.

    Natürlich kann ein Mittagessen ohne Kaffee nicht einfach durchgehen. Also gingen wir von der Pizzeria quer über den sehr schön mit echten Pflanzen dekorierten Mittelplatz zur Bar Centrale unter den Loggien, wo der Tag für einen Moment wieder ganz italienisch aussah.

    Dort bestellte ich drei Caffè und für Christine auch einen Averna. Am Nachbartisch trank ein Herr einen Spritz, der so verführerisch aussah, dass meine Enkelin und Christine sofort damit liebäugelten. Also stand der Franco auf – heldenhaft, versteht sich – und bestellte zwei Aperol Spritz. Wir waren in bester Stimmung: eben Urlaub, mit Schaumkrone und Sonnenrand.

    Roccolo di Valcerasa

    Roccolo di Valcerasa liegt bei Treia in den Marken, eingebettet in Grün, Hügel und diese besondere Ruhe, die sofort den Ton leiser stellt. Das historische Anwesen – ein ehemaliges Jagdhaus mit landschaftlichem Charme, Garten, Pool und Blick in die Weite – wirkt wie ein kleiner Rückzugsort zwischen Wirklichkeit und Urlaubstraum. Man kommt an und hat das Gefühl, die Welt draußen müsse erst einmal höflich anklopfen, bevor sie wieder stören darf.

    Gegen 14:15 Uhr kamen wir in Roccolo di Valcerasa an. Fabio war gerade am Pool beim Servieren, doch kurz darauf zeigte er uns das kleine Jagdhäuschen, in dem unsere Enkelin bis zum kommenden Samstag bleiben sollte und wir sogar bis zum 8. September. Ein neues Kapitel öffnete sich – mit Schlüssel, Poolblick und der leisen Hoffnung, dass der Urlaub nun wieder freundlich zu uns sein würde.

    Ich ruhte mich etwas aus, während die Enkelin und Christine gleich zum Pool gingen.

    Nach der kleinen Mittagsruhe beschloss ich, den Friseur aufzusuchen. Leider war auch dieser bis zum 23.08. im Urlaub – offenbar hatte ganz Italien sich abgesprochen. Also besorgte ich stattdessen ein paar Lebensmittel und fuhr zurück.

    Als ich ankam, merkte ich sofort, dass etwas nicht in Ordnung war. Auf meine Frage, was los sei, sagte Christine, sie finde ihre kleine Tasche nicht mehr – jene Tasche mit unserer Urlaubskasse, die hauptsächlich aus Bargeld bestand, um unseren Aufenthalt in Roccolo zu bezahlen. In diesem Moment wurde aus Urlaub plötzlich Krimi, Kapitel eins: „Die verschwundene Tasche“.

    Die Suche geht weiter

    Sie rief auch bei Cà Nick an. Dort waren sie so freundlich und durchsuchten die Wohnung, aber von der Tasche fehlte jede Spur. Wir wiederum durchsuchten erneut das Auto und die Koffer – mit wachsender Spannung, sinkender Hoffnung und diesem besonderen Gesichtsausdruck, den man bekommt, wenn man zum dritten Mal denselben Koffer öffnet und trotzdem ein Wunder erwartet.

    Man kann sich vorstellen, welcher Film in meinem Kopf ablief. Dann rief ich meine Tochter Patrizia an, weil ich wollte, dass sie mir Geld hierherschickt – sie hat Vollmacht über unser Konto. Doch davon kamen wir wieder ab, denn mit meiner Bankkarte konnte ich die Aktion direkt von hier aus starten. Und siehe da: Mein TAN-Generator war dabei. War das ein Zeichen des Schicksals? Normalerweise habe ich dieses Gerät nie dabei. Diesmal aber lag es da wie ein kleiner technischer Schutzengel mit Display.

    Also läuft nun Plan B. Auch wenn die materiellen Mittel verschwunden sind, gibt es immer Wege und Mittel, Lösungen zu finden – vorausgesetzt, man bewahrt Ruhe und lässt keine Panikattacken das Steuer übernehmen.

    Also: Augen zu und durch. Auf einen neuen Start – mit etwas weniger Bargeld, aber hoffentlich mit umso mehr Gelassenheit.

  • 21.08.2026 – Gespräche, die den Tag geprägt haben

    21.08.2026 – Gespräche, die den Tag geprägt haben

    Ja, diesen Tag kann ich getrost als einen Tag der Gespräche bezeichnen – vor allem der guten, interessanten und wohltuenden Gespräche, die ihr Ziel nicht verfehlt haben. Aber der Reihe nach.

    Am Vormittag hatte ich mal wieder eine dieser Schrecksekunden, die den Besitzer von OK Computer wohl köstlich amüsiert haben,

    ,muss. Man stelle sich vor: Ich arbeite den ganzen Vormittag konzentriert an meinen zwei noch fehlenden Reiseberichten – und plötzlich, mitten im schönsten Schreibfluss, gibt mein Laptop keinen Mucks mehr von sich. Keine Reaktion, kein Lebenszeichen, einfach weg.

    Ich dachte: Jetzt ist alles aus.

    Kannst du dir vorstellen, was in diesem Moment in mir vorging? Der Schrecken des kleinen Wasserschadens lag noch nicht lange zurück, und nach Aussage des Ladenbesitzers von OK Computer war das Wasser sogar ins Innere des Laptops eingedrungen. Da dachte ich natürlich sofort: Jetzt ist der Laptop im Eimer und hat endgültig seinen Geist aufgegeben.

    Also rief ich bei OK Computer an und erklärte dem guten Menschen mein Drama. Seine Antwort war klar und deutlich: Das könne eigentlich nicht sein, denn gestern im Laden habe sich der Laptop ganz normal laden lassen. Vielleicht sei ja nur das Ladekabel kaputt, ich solle das bitte prüfen. Und stellt euch vor: Das Kabel war ausgesteckt. Also entschuldigte ich mich gefühlt tausendmal, steckte das Kabel wieder ein – und, oh Wunder: Das kleine grüne ON-Licht brannte wieder. Selten hat mich ein grünes Lämpchen so glücklich gemacht.

    Meine Enkelin, der kleine Scherzkeks

    Als ich gegen 12:30 Uhr von Christine abgeholt wurde, war die Vorfreude groß: Endlich hatten wir unser Wunschessen beim Chalet Ondina bestellt – Muscheln und Fritto Misto aus Garnelen, Fisch und kleinen Sepien, dazu ein Verdicchio di Matelica, ein exquisiter Weißwein, der schon beim Gedanken daran nach Sommer, Meer und guter Laune schmeckt.

    Während wir auf das Essen warteten, erzählte ich, was eigentlich mit dem Laptop gewesen war. Da fing meine Enkelin plötzlich an zu schmunzeln. Natürlich verstand ich zunächst nicht warum – bis sie sagte: „Ja, mir hat der Snoopy leidgetan, weil es so heiß war. Deswegen habe ich den Laptop-Stecker abgezogen und dafür den Ventilator eingesteckt, damit Snoopy es schön frisch hat.“ Bei dieser Erklärung musste auch ich herzlich lachen, und mit einem Schlag waren alle dunklen Wolken verschwunden.

    Ausgeruht zu Gespräch

    Gegen 15:00 Uhr waren wir wieder in der Ferienwohnung. Ich ruhte mich ein wenig aus, denn um 16:00 Uhr war das Gespräch mit Sabine und Antonio angesagt – und dieses Gespräch sollte noch eine ganz eigene, schöne Bedeutung bekommen.

    Wir erschienen pünktlich und redeten über dies und jenes. Es wurde ein sehr interessanter Ideenaustausch über Bio- und Naturprodukte sowie über die damit verbundenen Schwierigkeiten. Denn nicht immer ist wirklich Bio drin, wo Bio draufsteht, auch wenn das Produkt die entsprechende Kennzeichnung trägt. Besonders blieb mir Antonios Aussage vom Vortag im Gedächtnis: Welchen Apfel würde ich nehmen – den schönen, glänzenden und polierten Apfel aus dem Supermarktregal oder meinen Apfel aus dem Garten, vielleicht sogar mit Wurm? Ich glaube, da muss man nicht lange überlegen. Die Wahl überlasse ich natürlich dem Leser, denn beeinflussen möchte ich niemanden. Aber um ehrlich zu sein: Ich würde lieber meinen eigenen Apfel aus dem Garten essen, auch wenn er vielleicht einen Wurm haben sollte. Er ist sicherlich viel gesünder als der polierte, auf Hochglanz gebrachte Apfel aus dem Supermarktregal.

    Der erste Schritt ist getan

    Im Anschluss konnte ich meine Idee vorstellen: Was ich mit meiner Webseite erreichen möchte, eine Verbindung zwischen Deutschland und den Marken zu schaffen und marchigianische Produkte in Deutschland bekannter zu machen. Besonders wichtig ist mir dabei, dass ich weder als Repräsentant noch als Verkäufer auftrete. Wer Interesse an diesen Produkten hat, soll sie über meine Homepage direkt beim Produzenten bestellen können. Die Voraussetzung dafür ist bereits vorhanden.

    Dann erklärte ich Sabine und Antonio, dass ihr wunderschönes Agriturismo Farm Cà Nick mich dazu inspiriert hat, eine neue Seite aufzunehmen. Dieses Agriturismo, seine Anlage und einer der schönsten Rasen Italiens sind für mich durch ihre besondere Ausstrahlung und Exklusivität geradezu dafür prädestiniert.

    Alle Präliminarien haben wir noch besprochen und festgelegt, sodass nun nichts mehr im Wege steht, ihre Webseite in meine zu integrieren. Ich hoffe sehr, dass diese Idee Früchte trägt – am liebsten so gesunde und ehrliche Früchte wie Antonios Apfel aus dem Garten.

  • 20.08.2026 – Der Pizza und Laptop-Tag

    20.08.2026 – Der Pizza und Laptop-Tag

    Meine Ungeduld

    Nach gut 24 Stunden konnte ich es einfach nicht mehr aushalten: Der Laptop musste eingeschaltet werden. Schließlich hatte ich noch zwei Tage nachzuholen, und meine Ungeduld trommelte schon mit beiden Händen auf den Tisch. Umso größer war meine Enttäuschung, als klar wurde: Der Laptop war noch lange nicht in trockenen Tüchern – eher im Gegenteil, er hatte innerlich offenbar noch ein kleines Mittelmeer zu bewältigen.

    In meinen Zweifeln lief ich direkt zu Antonio und fragte, ob es in Porto San Giorgio ein Computergeschäft gäbe, wo ich eine externe Tastatur kaufen könnte. Er nannte mir OK Computer in der Corso Giuseppe Garibaldi 129. Der Inhaber, so versicherte er mir, sei sehr kompetent – und in diesem Moment klang „kompetent“ für mich fast wie „heiliggesprochen“.

    Ich nahm meinen Laptop und fuhr sofort los. Nach ungefähr einer Viertelstunde fand ich den Laden, schilderte dem Inhaber mein Problem, und er nickte mit jener Ruhe, die nur Menschen besitzen, die schon viel Schlimmeres gesehen haben als eine nasse Tastatur. Er sagte, er werde sich das Ganze anschauen; ich solle in zwei Stunden zurückkommen, denn bis dahin sei das Problem gelöst. Und sollte die Tastatur nicht mehr funktionieren, könnten wir immer noch eine externe anschließen. Also gab ich Christine Bescheid, erledigte die Besorgung und machte mich wieder auf den Weg. Gesagt, getan.

    Italienische Terminverschiebung

    Kurz nach 12:00 Uhr tauchte ich wieder im Laden auf, musste aber erfahren, dass der Laptop noch nicht fertig war, weil sich Wasser auch im Inneren des Geräts ergossen hatte. Der Inhaber schlug mir vor, erst gegen 16:30 Uhr wiederzukommen, denn bis dahin, so meinte er, hätte er sicher alles in Ordnung gebracht. Enttäuscht fuhr ich zurück in die Ferienwohnung. Wir aßen zu Mittag und suchten nach der Lösung, die am besten passen könnte – wobei die beste Lösung in diesem Moment natürlich gewesen wäre, wenn der Laptop von allein trocken geworden wäre und sich entschuldigt hätte.

    Christine und meine Enkelin fuhren zum Strand. Wir vereinbarten, dass sie bis 18:00 Uhr zurück sein sollten, damit ich bis 18:30 Uhr den Laptop holen konnte. Natürlich verständigte ich den Geschäftsinhaber vorher, dass ich erst um 18:30 Uhr kommen würde. In Italien ist eine Uhrzeit ja manchmal mehr eine höfliche Empfehlung als eine militärische Anweisung.

    Der Mann von OK Computer hatte gute Arbeit geleistet. Die Tastatur meines Laptops musste im Prinzip ausgetauscht werden, aber bis dahin konnte ich mit einer externen Tastatur weiterarbeiten. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich sie austauschen lassen. Preiswert war es außerdem: Die Reinigung des Laptops kostete 20,- €. Für einen fast ertrunkenen Computer war das beinahe ein Wunderheilungstarif.

    Der Tag war gerettet.

    Am Abend hatten wir nichts Besonderes vor, sondern bekochten uns selbst. Sabine hatte uns bei unserer Ankunft selbstgemachte passierte Tomaten überreicht, und ich muss sagen: Respekt! Das war eine wirklich unverfälschte Tomatensauce, nicht nach Chemie schmeckend, sondern nach Sonne, Garten und Geduld. Sie passte wunderbar zu unseren Tagliatellen aus Campofilone. So verlängerten wir den Abend aus der 5 Ragazze gewissermaßen in unserer eigenen Küche weiter.

    Zu unserer Überraschung hatte Antonio seinen Holzkohleofen angezündet. Ich muss sagen, ich hatte schon lange keine solche Prozedur mehr verfolgt. Das Feuer, der Duft, die glühenden Steine – alles erinnerte mich sofort an Altamura und an den Forno der Familie Palasciano, die Familie meiner Oma. In Altamura war es damals Brauch, und heute ist davon noch immer etwas lebendig, dass Bauern und Familien ihre Brote zum Bäcker brachten, damit sie dort im großen Ofen gebacken wurden.

    Das Brot von Altamura war nicht einfach Brot. Es war ein gelber, duftender, stolzer Laib aus Hartweizengrieß, mit einer Kruste, die beim Anschneiden so knackte, als würde sie eine kleine Ansprache halten. Innen war es weich, warm und goldig, und wenn man die Nase darüber hielt, roch man nicht nur Mehl und Hefe, sondern ein ganzes Stück Heimat. Manchmal glaube ich, dieses Brot hatte mehr Charakter als mancher Mensch: Es war bodenständig, kräftig, etwas stur, aber immer ehrlich. Und wenn es frisch aus dem Ofen kam, wurde in der Familie plötzlich jeder höflich – zumindest so lange, bis die erste Scheibe verteilt war.

    Natürlich waren die Laibe mit einer eigenen Kennung gezeichnet, damit man sie später wiedererkennen konnte. Jeder hatte sein Zeichen, fast wie ein Familienwappen aus Teig. Die Erwachsenen spannten damals ein Maultier vor den Karren, und die Brote wurden zu den entfernten Bauernhöfen und Familien geliefert. Wir Kinder durften natürlich als Beifahrer mitfahren. Es war immer ein Riesenspaß: Wir saßen da wie kleine Könige auf Rädern, bewachten die duftende Fracht und taten so, als wäre die ganze Versorgung Apuliens von uns abhängig. Das Maultier kannte den Weg besser als wir alle zusammen und hatte dabei eine Gelassenheit, die man heute wahrscheinlich als Lebensphilosophie verkaufen könnte.

    Antonios Pizza einfach lecker.

    Nachdem der Stein des Ofens fast geglüht hatte, bei ungefähr 500 bis 550 Grad, machte Antonio die erste Pizza fertig. Garniert wurde sie nur mit Naturtomaten, selbstgemachter Mozzarella und anderen natürlichen Produkten. Er sagte, diese Pizza sollten wir mitnehmen. Als sie im Ofen lag, konnte man direkt zuschauen, wie sie innerhalb von eineinhalb Minuten gar wurde. Es war herrlich anzusehen, wie aus einem weichen Teig eine feste, duftende Pizza wurde – eine kleine Verwandlung, beinahe wie Zauberei, nur mit mehr Mozzarella.

    Wir saßen danach auf unserer kleinen Loggia und genossen den Abend bei Tagliatellen, Pizza und Barbera d’Asti. Der Laptop war gerettet, das Essen war wunderbar, und die Erinnerung an Altamura saß mit am Tisch, als hätte sie heimlich ihren eigenen Stuhl mitgebracht.

    Fazit des Tages: Nie verzweifeln. Für jede Hürde gibt es eine Lösung – manchmal heißt sie OK Computer, manchmal externe Tastatur, und manchmal duftet sie einfach nach Brot aus Altamura.