Nachdem unser Tag gewöhnlich nicht vor 10:00 Uhr beginnt und heute außerdem der vorletzte Tag ist, den unsere Enkelin noch bei uns verbringt, stand fest: Wir müssen noch einmal ans Meer.
Morgen wird sie von Falconara zurück nach München fliegen. Hoffentlich wird sie die vierzehn Tage, die sie mit uns verbracht hat, in guter und vor allem schöner Erinnerung behalten. Ein letzter gemeinsamer Ausflug ans Meer konnte da sicherlich nicht schaden.
Mittagessen am Meer
Also kam mir die Idee, noch einmal nach Porto Potenza zu fahren und unser Mittagessen direkt am Meer einzunehmen. Dort kenne ich ein kleines Chalet mit Ristorante, das den schönen Namen „L’Approdo“ trägt – wörtlich übersetzt: „Die Anlegestelle“.
Der Name passt perfekt. Man sitzt praktisch mit dem Meer vor der Nase, blickt auf den kleinen Strand und bekommt nebenbei die würzige Meeresluft gratis serviert. Mehr braucht es eigentlich nicht, um den Mittag zu einem kleinen Urlaub im Urlaub zu machen.
Gegen 12:30 Uhr kamen wir an und hatten – wie üblich – Glück mit unserem Platz. Kaum saßen wir, standen auch schon ein Liter Acqua Frizzante und ein halber Liter Rosso della Casa auf dem Tisch. Damit war zumindest die Grundlage für eine vernünftige Speisekartenentscheidung geschaffen.
Und die hatte es in sich: So viele leckere Gerichte, dass wir prompt vor dem schwierigsten Problem des Tages standen – der Qual der Wahl.
Schließlich entschieden wir uns für Tagliatelle allo scoglio, also Tagliatelle „nach Felsenart“. Der Name kommt daher, dass sich rund um die Felsen am Meer allerlei kleine Meeresbewohner tummeln.
Auf dem Teller landeten feine Bandnudeln mit einer ganzen Gesellschaft aus dem Meer: Tintenfisch, Miesmuscheln, Pannocchie – eine Art Scampi, die sich hervorragend für eine kräftige Soße eignen – und Vongole, alles in einer wunderbar aromatischen Tomatensoße.
Ich muss sagen: Eine ausgezeichnete Wahl.
Während Christine und unsere Enkelin anschließend sofort zum Dessert übergingen – Tiramisu und gefrorene Pistaziencreme –, hatte ich noch eine kleine Zwischenetappe vor mir: Fritto di Pesce dell’Adriatico, frittierten Fisch aus der Adria. Danach durfte auch bei mir die Pistaziencreme nicht fehlen.
Und natürlich gab es zum Abschluss für alle den obligatorischen Caffè. Ohne ihn wäre ein italienisches Mittagessen schließlich nur halb so offiziell.
Es war eine rundum gelungene Entscheidung, noch einmal ans Meer zu fahren. Gegen 15:00 Uhr kamen wir wieder in Passo di Treia an. Dort verabschiedete sich unsere Enkelin noch von ihrem Cousine Paola und ihrer Tante Silvia.
Danach ging es zurück nach Valcerasa zur wohlverdienten Mittagsruhe. Während die beiden Mädels allerdings noch nicht genug Energie verbraucht hatten und schnurstracks Richtung Pool verschwanden, durfte ich mich der italienischen Kunst des gepflegten Nichtstuns widmen.
Doch lange blieb keine Zeit zum Ausruhen:
Ein Abendessen in Valcerasa
Kurz vor dem Abendessen fuhr ich mit Fabio zu seinem zweiten Agriturismo, dem „Il Casale“. Die Anlage ist zwar nicht ganz so weitläufig wie der Roccolo, dafür aber mindestens genauso gepflegt und wunderbar ruhig. Die Apartments sind etwas größer und liegen angenehm abgeschieden – etwa sieben Kilometer von Passo di Treia und Treia entfernt.
Wer hier absolute Ruhe sucht, ist bestens aufgehoben. Viel ruhiger kann es eigentlich nicht werden – höchstens, wenn man zusätzlich noch das Handy ausschaltet.
Ein außergewöhnliches Abendessen erwartete uns vermutlich nicht. Aber manchmal ist es eben gar nicht das Essen, das einen Abend besonders macht, sondern der Ort, die Atmosphäre und vor allem die Menschen, mit denen man ihn verbringt.
Unser Tisch stand am Pool, der Vollmond schien vom Himmel und die Kerzen sorgten für das passende Licht. Es war ein wunderschöner und würdiger Abschluss für den Urlaub meiner Enkelin.
Wir wollten ihr noch etwas Besonderes bieten – etwas, das nicht in einen Koffer passt und bei der Rückreise garantiert nicht beim Zoll angemeldet werden muss: eine schöne Erinnerung.
Ein Abendessen im Mondschein sollte es sein.
Und so genossen wir diesen besonderen Abend in aller Ruhe. Vielleicht war es kein Dinner, über das ein Sternekoch noch Jahre später gesprochen hätte – aber für uns war es genau das Richtige.
Zum Eisessen nach San Severino Marche
Nach dem Abendessen setzten wir uns ins Auto und machten uns auf den Weg nach San Severino Marche. Denn eines durfte natürlich auf keinen Fall fehlen: Eis!
Meine Enkelin entschied sich diesmal für Pistazie, Schokolade und Caffè. Damit war auch kulinarisch endgültig geklärt, dass dieser Urlaub seinem Ende entgegenging.
Wir saßen ungefähr eine halbe Stunde in der Gelateria, schleckten unser Eis und ließen gleichzeitig die vergangenen dreizehn Tage Revue passieren. Es wurde erzählt, erinnert und natürlich auch gelacht.
Dabei kamen die beiden Mädels auf eine Situation zu sprechen, die ich – selbstverständlich völlig unbeabsichtigt – verursacht hatte.
Was soll ich sagen?
Die Geschichte muss ausgesprochen komisch gewesen sein, denn die beiden lachten sich dermaßen kaputt, dass schließlich sogar die Tränen liefen. Ich konnte natürlich nicht ernst bleiben und musste zwangsläufig mitlachen. Schließlich ist es als Opa ohnehin gefährlich, gegen die eigene Enkelin und ihre Freundin anzutreten – man hat eigentlich keine Chance.
Das Schönste aber war: Die beiden Mädchen hinter der Theke in der Gelateria hatten zwar keine Ahnung, worüber wir lachten, mussten aber einfach mitlachen.
Damit war wieder einmal eindrucksvoll bewiesen:
Lachen ist ansteckend. Und manchmal braucht man dafür nicht einmal dieselbe Sprache.
Anschließend schlenderten wir noch ein wenig über die Piazza del Popolo. Wir ließen die vergangenen Tage Revue passieren, erinnerten uns an die vielen kleinen und großen Erlebnisse und genossen ganz bewusst unseren letzten gemeinsamen Abend.
Gegen 23:15 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg zurück nach Valcerasa.
Wir waren müde, satt und zufrieden – und hatten wieder einen dieser Abende erlebt, die wahrscheinlich gerade deshalb so schön sind, weil man im Augenblick selbst noch gar nicht weiß, dass man sich später einmal besonders gern an sie erinnern wird.
Der nächste Tag würde leider ein Tag des Abschieds werden.
Aber meine Enkelin würde etwas mit nach Hause nehmen, das viel wertvoller ist als jedes Souvenir: schöne Erinnerungen an dreizehn gemeinsame Urlaubstage mit ihren Großeltern.
Erinnerungen an Orte, an kleine Abenteuer, an Eis in der Gelateria, an Mondschein und Kerzenlicht – und natürlich an ihren etwas kantigen Opa, der gelegentlich für unfreiwillige Unterhaltung sorgt.
Und genau diese Erinnerungen kann ihr niemand mehr nehmen.
Vielleicht ist das am Ende überhaupt das schönste Geschenk, das Großeltern ihren Enkeln machen können: gemeinsame Zeit, gemeinsam erlebte Geschichten und ein paar Momente, über die man noch Jahre später lachen kann.
Guten Flug, kleine Prinzessin.
Und auf ein baldiges Wiedersehen!
Das wünscht dir dein kantiger Opa – zusammen mit deiner sehr lieben Oma.
Ciao, bis bald, mein Engel.

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