29.08.2026 – Valcerasa Falconara – München

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Wir waren unterwegs, um meiner Enkelin noch einmal das marchigianische Entroterra – das Landesinnere der Marken – zu zeigen. Eine Gegend, in der die Straßen kurvenreicher werden, die Dörfer immer kleiner und die Landschaft dafür umso schöner.

Unsere Route führte uns über San Severino Marche, Castelraimondo, Matelica und Fabriano bis zum Flughafen Raffaello Sanzio in Falconara.

Der Retter unserer knurrenden Mägen

Natürlich hatten wir nicht nur die Landschaft im Auge. Wir hofften insgeheim auch darauf, irgendwo eine typische einheimische Trattoria zu finden. Schließlich kann man das marchigianische Entroterra nicht einfach durchfahren, ohne wenigstens einmal irgendwo an einem Tisch zu sitzen, vor sich einen Teller Pasta zu haben und sich einzureden, dass man eigentlich gar keine Eile hat.

Doch an diesem Tag schien die italienische Gastronomie beschlossen zu haben, sich vor uns zu verstecken.

Wir fanden keine Trattoria.

Auch kein Ristorante.

Nicht einmal ein kleines, hoffnungsvolles Schild mit der Aufschrift „Cucina casalinga“, das uns wenigstens den Weg zu einem Teller Hausmannskost gewiesen hätte.

Wir fuhren weiter.

Und weiter.

Der Himmel wollte und auf Diät halten

Selbst entlang der Statale 16 Adriatica wollte sich bis Ancona kein geeignetes Ristorante zeigen. Unser Hunger wurde inzwischen immer gesprächiger und meldete sich in regelmäßigen Abständen mit einem deutlichen Knurren zu Wort.

Schließlich mussten wir kapitulieren.

Der Feind war nicht die Zeit.

Der Feind war der Hunger.

Also steuerten wir – widerwillig, aber mit inzwischen sehr vernünftigen Motiven – den nächsten Retter unserer leiblichen Bedürfnisse an:

Mac Donald’s.

Es war mittlerweile 14:00 Uhr, und das Lokal lag nur etwa fünf Minuten vom Flughafen entfernt. Für ein gemütliches italienisches Mittagessen war die Zeit ohnehin vorbei. Also blieb uns nichts anderes übrig, als das zu essen, was wir eigentlich vermeiden wollten.

Manchmal ist das Leben eben kein Teller Tagliatelle al ragù.

Manchmal ist es ein Hamburger.

Flughafen Raffaello Sanzio

Gegen 15:00 Uhr fuhren wir schließlich zum Flughafen. Dort gönnten wir uns erst einmal unseren obligatorischen Caffè. Ein italienischer Caffè ist schließlich kein Getränk, sondern eine Art Reset-Taste für den Menschen.

Um etwa 15:50 Uhr wurde der Koffer aufgegeben. Kurz darauf war Boarding angesagt.

Der Flieger hob schließlich mit ungefähr zwanzig Minuten Verspätung ab. Meine Enkelin landete gegen 18:30 Uhr in München – etwas verspätet, aber ansonsten nach einem völlig problemlosen Flug.

Damit hätte der Tag eigentlich beendet sein können.

Eigentlich.

Aber eine kleine Geschichte von der Rückfahrt muss ich noch erzählen.

Die KI-Stimme der Autobahnen – dein Freund und Helfer

Da ich das Entroterra mittlerweile ziemlich gut kenne, hatte ich beschlossen, für die Rückfahrt die Autobahn zu nehmen.

Und nein, keine Sorge: Ich bin nicht etwa über die Telepass-Spur gefahren. So viel Abenteuer wollte ich mir dann doch nicht zumuten.

Ich nahm ganz normal die Mautspur.

In Loreto-Portorecanati fuhr ich von der Autobahn ab. Und genau dort hatte ich plötzlich das Gefühl:

Jetzt fängt die Geschichte wieder von vorne an.

Ich blieb also vorsichtshalber auf meiner Ausfahrtspur stehen und beschloss, mich keinen Zentimeter zu bewegen. Notfalls hätte ich eben einen kleinen Stau bis Ancona verursacht.

Was sind schon ein paar hundert genervte Italiener, wenn es um die ordnungsgemäße Bezahlung der Autobahnmaut geht?

Ich schob mein Mautticket in den Automaten.

Einmal.

Das Ticket kam zurück.

Ich versuchte es ein zweites Mal.

Wieder kam das Ticket zurück.

Diesmal mit der wenig freundlichen Mitteilung, dass das Ticket nicht lesbar beziehungsweise ungültig sei.

Na wunderbar.

Ich sah mich bereits als unfreiwilligen Dirigenten eines italienischen Hupkonzerts. Hinter mir würden wahrscheinlich in wenigen Sekunden die ersten Fahrer anfangen, ihre Meinung über meine Fahrkünste, meine Herkunft und vermutlich auch über meine gesamte Existenz kundzutun.

Doch dann geschah etwas Erstaunliches.

Eine weibliche KI-Stimme meldete sich.

Ruhig.

Freundlich.

Fast mütterlich.

Sie fragte mich, ob meine Einfahrtstation Ancona Nord gewesen sei.

Ich antwortete:

„Ja.“

Daraufhin wurde ich aufgefordert, die entsprechende Maut zu entrichten.

Ich bezahlte.

Und plötzlich war der ganze Spuk vorbei.

Kein Hupkonzert.

Keine wütenden Italiener.

Keine dramatischen Gesten.

Keine Diskussion mit einem Menschen, der mir erklären musste, warum mein Ticket plötzlich beschlossen hatte, nicht mehr gültig zu sein.

Die KI hatte mich gerettet.

Die „Croccantini“ Abenteuer

Ich muss zugeben: Seit diesem Tag sehe ich die italienische Autobahnverwaltung mit etwas anderen Augen.

Manchmal braucht man eben keinen Schutzengel.

Manchmal genügt eine freundliche Frauenstimme aus einem Mautautomaten.

Luis und die geheimnisvollen Croccantini

Und dann wäre da noch die Sache mit Luis.

Bei unserem kleinen Grillfest Anfang August hatte mich mein Enkel Luis gebeten, ihm doch die guten Croccantini aus Italien mitzubringen.

Natürlich versprach ich ihm sofort, dass ich sie auf meine Einkaufsliste setzen würde.

Ich war mir meiner Sache ziemlich sicher.

Schließlich hatte ich bereits im Jahr zuvor in dutzenden Geschäften nach diesen geheimnisvollen Croccantini gesucht. Erst kurz vor der Rückfahrt war ich tatsächlich fündig geworden.

Ich wusste also genau, wo ich sie kaufen konnte.

Dachte ich.

Voller Zuversicht steuerte ich das Geschäft an.

Und dann begann die Suche.

Was soll ich sagen?

Keine Croccantini.

Nicht ein einziges.

Ich ging also zu einem Angestellten und fragte ihn freundlich, ob er wisse, wo die Croccantini zu finden seien.

Der Mann war ausgesprochen hilfsbereit, zeigte in eine bestimmte Richtung und erklärte mir, dort müsste ich sie finden.

Also marschierte ich los.

Ich kam an.

Ich schaute.

Ich suchte.

Nichts.

Keine Croccantini.

Langsam muss ich ziemlich verdutzt ausgesehen haben, denn ein zweiter Angestellter bemerkte meine Ratlosigkeit und fragte mich, wonach ich suche.

Ich sagte wieder:

„Croccantini.“

Er schaute mich an, zeigte auf das Regal und sagte sinngemäß:

„Die stehen doch direkt hinten Ihnen.“

Ich drehte mich um.

Und tatsächlich.

Da waren sie.

Croccantini.

Nur leider für Hunde.

In diesem Augenblick wurde mir klar, dass wir möglicherweise zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, was ein Croccantino ist.

Ich dachte nur:

Hier läuft doch gerade ein falscher Film.

Ich wollte meinem Enkel Luis schließlich keine Hundeleckerli aus Italien mitbringen.

Die Croccantini, die ich suchte, waren schließlich diese chipartigen Streifen mit Pancetta- beziehungsweise Bacon-Geschmack.

Das erklärte ich dem Mann.

Er blieb gelassen.

Sehr gelassen.

Er meinte, so etwas könnte es vielleicht bei den Kartoffelchips geben.

Also begann die zweite Suche.

Doch auch sie blieb erfolglos.

Keine Croccantini.

Kein Bacon.

Kein Luis-Glück.

Und langsam nahm die Angelegenheit Dimensionen an, die für einen einfachen Snack eigentlich nicht vorgesehen waren.

Wir fuhren schließlich weiter und kamen in Roccolo an.

Dort schrieb ich meiner Bizi auf Formentera:

Die Suche nach den Croccantini für Luis habe sich inzwischen zu einer regelrechten „Mission Impossible“ entwickelt.

Ich bat sie, wenn sie wieder zu Hause sei, so nett zu sein und mir eine Packung beziehungsweise ein Foto der gesuchten Köstlichkeit per SMS zu schicken.

Die Antwort kam bereits wenige Minuten später.

Und plötzlich war das Rätsel gelöst.

Die Croccantini heißen überhaupt nicht Croccantini.

Sie heißen:

Croccantelle al Gusto Bacon.

Aha!

Man lernt nie aus.

Immerhin hatte ich jetzt einen Namen.

Meine Bizi erinnerte sich außerdem daran, dass sie die Croccantelle entweder bei Spar oder bei Conrad gekauft hatte.

Mit Spar konnte ich etwas anfangen.

Aber dann fiel noch der Name „Conrad“.

Und da wurde es schwierig.

Conrad?

Ein Elektrogeschäft in München?

Sollte ich tatsächlich bei Conrad nach italienischen Bacon-Chips suchen?

Die Mission Croccantelle läuft.

Ich vermutete dann doch, dass meine Bizi wahrscheinlich Conad und nicht Conrad gemeint hatte.

Was ja auch wesentlich vernünftiger wäre.

Nun habe ich also noch ein paar Tage Zeit.

Die Mission war damit keineswegs beendet.

Im Gegenteil.

Jetzt wusste ich wenigstens, wonach ich suchen musste.

Die Jagd ging also weiter.

Ran an die Croccantelle!

Wir geben nicht auf.

Schließlich geht es hier nicht um irgendeinen Snack.

Es geht um den Wunsch eines Enkels.

Und ein Großvater, der seinem Enkel etwas versprochen hat, kann nicht einfach klein beigeben.

Notfalls wird eben halb Italien nach Croccantelle al Gusto Bacon abgesucht.

Denn am Ende soll Luis bekommen, was er sich gewünscht hat.

Und wenn ich dafür noch einmal durch dutzende Geschäfte marschieren muss, in Regale schauen muss, italienische Verkäufer befragen muss und womöglich wieder vor einem Regal mit Hundeleckerli lande – dann sei es so.

Und diesmal wissen wir wenigstens, wie der Gegner heißt.

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