24.08.2026 – Elcito das Tibet der Marken

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Der kleine, stille Borgo Elcito in den Marken ist ein winziger Ort, an dem die Zeit scheinbar nicht einfach stehen geblieben ist – sie hat sich auf einer Steinbank niedergelassen und beschlossen, dort erst einmal zu bleiben.

Und doch ist Elcito keineswegs verlassen. Dank des Idealismus, der Liebe und der Hartnäckigkeit einiger Menschen wird der Borgo lebendig gehalten, als müsse man jeden Morgen persönlich dafür sorgen, dass die Vergangenheit nicht endgültig einschläft.

Ich wollte diesen besonderen Ort meiner Enkelin zeigen. Schließlich hatte ich Elcito einst als junger Pfadfinder kennengelernt und verbinde damit einige sehr schöne Erinnerungen.

Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer. Von Castel San Pietro führt eine enge, kurvenreiche Straße scheinbar endlos bergauf. Wenn man schließlich rechts oben am Hang die ersten Häuser entdeckt, fragt man sich unwillkürlich: Wer kommt eigentlich auf die Idee, ausgerechnet auf einem über 800 Meter hohen Berg einen Ort zu bauen?

Die Antwort bekommt man ein paar Kilometer später.

Elcito – das Tibet der Marken

Elcito wird nicht ohne Grund gern „das Tibet der Marken“ genannt. Der Vergleich liegt weniger an einer geografischen Ähnlichkeit als an seiner abgeschiedenen, fast entrückten Atmosphäre. Hoch oben gelegen, von Bergen und tiefen Tälern umgeben, wirkt der Borgo wie eine kleine Welt für sich – fern vom Lärm und der Hektik des modernen Lebens. Die kurvenreiche Auffahrt verstärkt dieses Gefühl: Mit jeder Kehre entfernt man sich ein wenig mehr vom Alltag und nähert sich einer anderen Zeit.

Oben angekommen, empfängt einen eine beinahe unwirkliche Stille. Die umliegenden Hügel, der kleine Anstieg zur San-Rocco-Kirche, der hübsche Glockenturm und die sorgfältig restaurierten Steinhäuser erzählen von einer Zeit, in der das Leben noch wesentlich langsamer tickte.

Der kleine Glockenturm hat früher den Bewohnern des darunterliegenden Tales den Rhythmus des Tages vorgegeben. Heute ist die Kirche leider meist verschlossen – aber der Turm steht noch immer da und scheint sich zu fragen, warum es eigentlich niemand mehr eilig hat.

Die engen Gassen, die alten Steinhäuser und die liebevoll restaurierten Fassaden laden geradezu dazu ein, von einer längst vergangenen und fast vergessenen Zeit zu träumen.

Gemütliche Einkehr: „Il Cantuccio“

Seit Kurzem haben zwei mutige Menschen, Roberta und Nicola, das kleine „Ristoro il Cantuccio“ eröffnet – eine gemütliche Einkehr für Wanderer, Biker und Besucher wie uns.

Die Einrichtung ist rustikal und ausgesprochen schlicht. Aber genau das passt zu Elcito. Hier sitzt man nicht wegen des Interieurs, sondern wegen der Ruhe, der Aussicht und der Atmosphäre.

Roberta hatte an diesem Tag alle Hände voll zu tun, war aber trotzdem freundlich und gut gelaunt. Das erinnerte mich unwillkürlich an die junge Dame in Castel Trosino, die nicht einmal halb so viele Gäste zu bedienen hatte – aber offenbar an diesem Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden war. Manchmal liegen zwischen zwei Kellnerinnen eben ganze Gebirgszüge.

Natürlich konnten wir uns eine kleine Erfrischung nicht entgehen lassen. Nach unserem etwa 90-minütigen Rundgang durch den Borgo fanden wir im „Cantuccio-Garten“ einen gemütlichen Schattenplatz und ließen dort die Beine und den Tag ein wenig ruhiger werden.

Spaghetti um halb drei

Anschließend fuhren wir nach San Severino, weil Christine noch etwas in der Drogerie besorgen musste. Danach hoffte ich, in der Osteria bei Fabio in Rocchetta vielleicht noch einen Teller Spaghetti ergattern zu können. Es war inzwischen immerhin 14:30 Uhr – in Italien also schon eine Uhrzeit, zu der man kulinarisch durchaus mit einem freundlichen „La cucina è chiusa“ rechnen muss.

Wir hatten Glück.

Wir bekamen eine ordentliche Portion Spaghetti aglio, olio e peperoncino, anschließend sogar noch Schinken mit Melone. Damit war unser Hungergefühl – und vor allem meine Sorge um das leibliche Wohl – fürs Erste besänftigt.

Danach fuhren wir nach Roccolo. Ich gönnte mir meine wohlverdiente Mittagsruhe, während Christine und meine Enkelin den Pool aufsuchten.

Ein neuer Anlauf für den Haarschnitt

Gegen 17:00 Uhr unternahm ich noch einen weiteren Versuch, endlich meine Haare schneiden zu lassen. Doch auch dieser Plan scheiterte an einer höheren italienischen Macht: Montag.

Friseurläden haben in Italien montags grundsätzlich geschlossen – zumindest dann, wenn ich gerade dringend einen Haarschnitt brauche.

Also disponierte ich um und ging stattdessen auf einen Caffè zu meiner Nichte Paola. Da wir uns am Vortag nicht getroffen hatten, weil sie am Meer gewesen war, gab es genügend Gesprächsstoff. Wir redeten über dies und das und verabredeten uns gleich für den nächsten Tag.

Danach besorgte ich noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen.

Gegen 20:00 Uhr saßen wir schließlich gemütlich draußen, ließen den Tag bei einem guten Verdicchio aus Jesi ausklingen und waren uns vermutlich alle einig: Für einen Ort, der so abgeschieden liegt, hatte Elcito uns ziemlich viel zu erzählen.

Und vielleicht ist genau das sein Geheimnis: Elcito ist nicht einfach ein Dorf, das vergessen wurde. Es ist ein Dorf, das sich erfolgreich gegen das Vergessen wehrt.

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