23.08.2026 – Beautyfull Sunday in der Marken

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Frühstück bei Treia

Die Sonntagsplanung musste geändert werden: Für die Tropfsteinhöhlen von Frasassi war alles ausgebucht, und die nächste verfügbare geführte Besichtigung ließ sich erst für Mittwoch, den 26.08.2026, reservieren. Also nahm der Tag kurzerhand eine neue Richtung — wie das im Urlaub eben manchmal geschieht, wenn das Schicksal beschließt, den Reiseleiter zu spielen.

Heute Morgen wollte ich weiter an meinem Plan „B“ in der Sache der verlorenen Urlaubskasse arbeiten. Zuerst hob ich am Bancomat Geld ab, damit die Kasse wenigstens wieder einen halbwegs versöhnlichen Eindruck machte. Danach fuhren wir nach Treia, um einen Cappuccino zu trinken — denn es gibt Probleme, die man nicht sofort lösen kann, aber ein guter Cappuccino hilft zumindest, sie würdevoller zu betrachten.

Bei der Pro Loco erfuhr ich, dass Treia bald offiziell als Borgo bezeichnet werden darf — eine Nachricht, die mich besonders freute, weil ich diesen Gedanken bereits in mein Buch aufgenommen habe. Also nutzte ich die Gelegenheit, machte ein paar neue Bilder des Borgo und fotografierte auch die Umgebung, die sich an diesem Morgen von ihrer freundlichen, fast filmreifen Seite zeigte.

Treia liegt in den sanften Hügeln der Marken, in der Provinz Macerata, und gehört zu jenen Orten, die nicht laut um Aufmerksamkeit bitten, sondern sie sich leise verdienen: mit alten Mauern, weiten Blicken, Gassen voller Geschichte und einer Würde, die man nicht kaufen kann. Besonders bekannt ist Treia für die „Disfida del Bracciale“, eine historische Wiederbelebung des alten Spiels „Pallone col Bracciale“. Dabei treten die vier Stadtviertel in einem traditionsreichen Wettkampf gegeneinander an; das Fest erinnert an Carlo Didimi, den berühmten Spieler, dem Giacomo Leopardi 1821 sogar ein Gedicht widmete. Kurz gesagt: Treia ist klein genug, um charmant zu sein, und groß genug, um Geschichte mit Anlauf gegen die Gegenwart zu werfen.

Besuch bei meiner Schwägerin Silvia

Anschließend fuhren wir nach Passo di Treia zu meiner Schwägerin Silvia. Eigentlich wollte ich nur kurz Guten Tag sagen, damit sie weiß, dass ich in Roccolo di Valcerasa bin. Außerdem wollte ich ihr meine Enkelin vorstellen, die sie zuletzt vor vierzehn Jahren gesehen hatte — eine dieser Begegnungen, bei denen die Zeit erst so tut, als sei sie verschwunden, und dann plötzlich mitten im Zimmer steht.

Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen, so wie es unter Achtzigjährigen üblich ist. In diesem fortgeschrittenen Alter weiß man nie genau, ob und wann es ein Wiedersehen geben wird. Also ließen wir das vergangene Jahr Revue passieren, mit all seinen Sorgen, kleinen Wundern und unvermeidlichen Anekdoten. Christine übersetzte dabei für unsere Enkelin, damit auch sie verstand, dass Familiengeschichten manchmal länger dauern als geplant — und meistens genau deshalb schön sind.

Danach fuhren wir zurück zum Roccolo und bereiteten ein bescheidenes Mittagessen vor. Anschließend legte ich mich, wie üblich, zu meiner Mittagsruhe hin, während Christine und meine Enkelin den Pool in Anspruch nahmen. Jeder wählte also seine Form der Erholung: die einen Wasser, ich Matratze — beides durchaus mediterrane Lösungen.

Die Sonntagswende

Gegen 15:00 Uhr stand ich auf, gab Snoopy sein Fressen und marschierte langsam zum Pool. Christine erinnerte mich daran, dass Snoopys Auge gereinigt werden musste. Seit etwa drei Monaten leidet Snoopy an einer leichten Augenlid-Lähmung, verursacht durch eine Nervenverletzung, die er beim Tierarzt während einer Zahnreinigung erlitten hatte. Zum Glück ist alles allmählich auf dem Weg der Besserung. Also ging ich mit Snoopy wieder zurück, bereitete abgekochtes Wasser vor, um das Auge zu reinigen, und kurz darauf kam Christine dazu. Gemeinsam führten wir die kleine Pflegemaßnahme durch — mit der Ernsthaftigkeit eines medizinischen Teams und der Geduld eines Hundes, der genau weiß, dass Menschen manchmal übertreiben.

Danach ging Christine ins Schlafzimmer, wo sie eine kurze Weile blieb. Plötzlich legte sie mir die verschwundene kleine Tasche direkt vor die Nase. Als ich sie sah, rutschte mir das Herz in die Hose, und der Mont Blanc persönlich hätte mich nicht schwerer niederdrücken können. Es war ein Wechselbad der Gefühle, kaum zu beschreiben: Erleichterung, Schreck, Freude, Unglauben — alles zugleich, als hätte jemand die gesamte innere Wetterkarte auf Sturm, Sonne und Gewitter gestellt.

Ich verständigte sofort meine Tochter Patrizia und teilte ihr mit, dass die Urlaubskasse wieder aufgetaucht sei und der Rest von Plan „B“ damit ersatzlos gestrichen werde. Manchmal schreibt der Sonntag eben die besseren Nachrichten selbst — und manchmal versteckt er sie vorher nur in einer kleinen Tasche.

Nach dem Schreck eine Pizza als Belohnung

Die wiedergefundene Urlaubskasse hatte uns natürlich riesig gefreut. Nach dem ganzen Schreck beschlossen wir, uns zum Tagesabschluss und als Belohnung ein schönes Abendessen zu gönnen – am liebsten eine Pizza.

Also rief ich bei der Cantinetta Pizzeria in Treia an, um einen Tisch zu reservieren. Doch leider: Das Lokal war bereits voll. Kein Problem, dachten wir, dann fahren wir eben zu unserer Osteria auf dem Weg nach San Severino. Doch dort angekommen, erwartete uns die nächste Überraschung: Wegen der Ferien geschlossen. Ein leicht mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Hoffentlich fahren wir jetzt nicht umsonst bis nach San Severino!

Dort angekommen, hatten wir bereits ein bestimmtes Lokal ins Auge gefasst. Aber auch hier hatte offenbar die Ferienzeit das Sagen – geschlossen. So blieb uns nur noch die Osteria da Ninetta. Dort waren wir schon 2025 gewesen und hatten damals Glück gehabt. Also nichts wie hin!

Wer Sucht der Findet.

Und tatsächlich: Unser Abendessen war gerettet. Kulinarisch allerdings blieb der Abend eher auf dem Boden der Tatsachen. Wirklich herausragend war nichts. Das Beste an diesem Abend war eindeutig der Wein – ein Lacrima di Morro. Der Rest war eher durchschnittlich. Aber nach dem Schreck mit der Urlaubskasse und unserer kleinen Odyssee auf der Suche nach einem geöffneten Restaurant war uns das eigentlich auch ziemlich egal.

Anschließend schlenderten wir noch ein bisschen über die Piazza del Popolo. Der Platz war wunderschön beleuchtet, und natürlich musste ich noch ein paar Fotos machen. Danach fuhren wir zurück in unsere Ferienwohnung.

So endete schließlich ein Urlaubstag, der zwischen Schreck, Erleichterung und kulinarischer Planlosigkeit doch noch ein glückliches Ende nahm. Und die ganzen mühsam geschmiedeten „B-Pläne“? Die löschte ich für heute endgültig aus meinem Kopf.

Manchmal ist im Urlaub eben nicht der perfekte Plan das Ziel – sondern einfach nur ein geöffneter Tisch, ein gutes Glas Wein und die Gewissheit, dass die Urlaubskasse wieder da ist.

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