Schweren Herzens mussten wir Cà Nick verlassen. Unsere Zeit dort war abgelaufen, und nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von Sabine, Antonio, Nevio und Adriano machten wir uns auf den Weg Richtung Roccolo di Valcerasa – mit diesem stillen Gefühl im Gepäck, das man immer hat, wenn ein schöner Ort hinter einem zurückbleibt und der nächste bereits wartet.
Der Rückreiseverkehr hatte die Autobahn fest im Griff
Bereits bei der Einfahrt zur A14 sah ich: An diesem Tag würde der Rückreiseverkehr die Autobahn vermutlich in ein einziges rollendes Geduldsspiel verwandeln. Staus en masse kündigten sich an wie dunkle Wolken am Horizont. Deshalb – und auch, weil wir Roccolo in knapp einer Stunde erreicht hätten – entschied ich mich für die Statale 16, die Adriatica, bis Porto Civitanova.
Tatsächlich verlief die Fahrt sehr ruhig und angenehm, beinahe so, als hätte die Straße Mitleid mit uns. In Porto Civitanova nahmen wir dann die Schnellstraße Richtung Foligno, und in Tolentino fuhren wir weiter Richtung San Severino Marche. Kurz vor den Thermen von Santa Lucia in Tolentino legten wir wegen Snoopy eine kleine Pause ein – denn auch ein Hund hat schließlich seine Reisebedürfnisse – und anschließend ging es weiter.
Samstagmarkt im San Severino Marche
Endlich angekommen, musste ich zu meinem Bedauern zunächst einen Parkplatz suchen, denn die Piazza del Popolo war wegen des wöchentlichen Marktes für den Verkehr gesperrt. Also gelangten wir über kleine Umwege zur Pizzeria Ago’s, bestellten ein paar Stücke Pizza al Taglio – und erklärten sie kurzerhand zu unserem Mittagessen. Man muss im Urlaub schließlich flexibel sein, besonders wenn Pizza im Spiel ist.
Natürlich kann ein Mittagessen ohne Kaffee nicht einfach durchgehen. Also gingen wir von der Pizzeria quer über den sehr schön mit echten Pflanzen dekorierten Mittelplatz zur Bar Centrale unter den Loggien, wo der Tag für einen Moment wieder ganz italienisch aussah.
Dort bestellte ich drei Caffè und für Christine auch einen Averna. Am Nachbartisch trank ein Herr einen Spritz, der so verführerisch aussah, dass meine Enkelin und Christine sofort damit liebäugelten. Also stand der Franco auf – heldenhaft, versteht sich – und bestellte zwei Aperol Spritz. Wir waren in bester Stimmung: eben Urlaub, mit Schaumkrone und Sonnenrand.
Roccolo di Valcerasa
Roccolo di Valcerasa liegt bei Treia in den Marken, eingebettet in Grün, Hügel und diese besondere Ruhe, die sofort den Ton leiser stellt. Das historische Anwesen – ein ehemaliges Jagdhaus mit landschaftlichem Charme, Garten, Pool und Blick in die Weite – wirkt wie ein kleiner Rückzugsort zwischen Wirklichkeit und Urlaubstraum. Man kommt an und hat das Gefühl, die Welt draußen müsse erst einmal höflich anklopfen, bevor sie wieder stören darf.
Gegen 14:15 Uhr kamen wir in Roccolo di Valcerasa an. Fabio war gerade am Pool beim Servieren, doch kurz darauf zeigte er uns das kleine Jagdhäuschen, in dem unsere Enkelin bis zum kommenden Samstag bleiben sollte und wir sogar bis zum 8. September. Ein neues Kapitel öffnete sich – mit Schlüssel, Poolblick und der leisen Hoffnung, dass der Urlaub nun wieder freundlich zu uns sein würde.
Ich ruhte mich etwas aus, während die Enkelin und Christine gleich zum Pool gingen.
Nach der kleinen Mittagsruhe beschloss ich, den Friseur aufzusuchen. Leider war auch dieser bis zum 23.08. im Urlaub – offenbar hatte ganz Italien sich abgesprochen. Also besorgte ich stattdessen ein paar Lebensmittel und fuhr zurück.
Als ich ankam, merkte ich sofort, dass etwas nicht in Ordnung war. Auf meine Frage, was los sei, sagte Christine, sie finde ihre kleine Tasche nicht mehr – jene Tasche mit unserer Urlaubskasse, die hauptsächlich aus Bargeld bestand, um unseren Aufenthalt in Roccolo zu bezahlen. In diesem Moment wurde aus Urlaub plötzlich Krimi, Kapitel eins: „Die verschwundene Tasche“.
Die Suche geht weiter
Sie rief auch bei Cà Nick an. Dort waren sie so freundlich und durchsuchten die Wohnung, aber von der Tasche fehlte jede Spur. Wir wiederum durchsuchten erneut das Auto und die Koffer – mit wachsender Spannung, sinkender Hoffnung und diesem besonderen Gesichtsausdruck, den man bekommt, wenn man zum dritten Mal denselben Koffer öffnet und trotzdem ein Wunder erwartet.
Man kann sich vorstellen, welcher Film in meinem Kopf ablief. Dann rief ich meine Tochter Patrizia an, weil ich wollte, dass sie mir Geld hierherschickt – sie hat Vollmacht über unser Konto. Doch davon kamen wir wieder ab, denn mit meiner Bankkarte konnte ich die Aktion direkt von hier aus starten. Und siehe da: Mein TAN-Generator war dabei. War das ein Zeichen des Schicksals? Normalerweise habe ich dieses Gerät nie dabei. Diesmal aber lag es da wie ein kleiner technischer Schutzengel mit Display.
Also läuft nun Plan B. Auch wenn die materiellen Mittel verschwunden sind, gibt es immer Wege und Mittel, Lösungen zu finden – vorausgesetzt, man bewahrt Ruhe und lässt keine Panikattacken das Steuer übernehmen.
Also: Augen zu und durch. Auf einen neuen Start – mit etwas weniger Bargeld, aber hoffentlich mit umso mehr Gelassenheit.

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