Kategorie: Urlaub Tagebuch

  • 08.09.2026 – Die Rückfahrt aus den Marken

    08.09.2026 – Die Rückfahrt aus den Marken

    Der Hahn in Valcerasa schlief noch

    Uns war durchaus bewusst, worauf wir uns einließen. In den vergangenen drei oder vier Jahren hatten uns die vielen Staus auf der Autobahn bis zu vierzehn Stunden unseres Lebens abverlangt, ehe wir endlich wieder zu Hause ankamen.

    Diesmal wollten wir dem Schicksal – und vor allem den Blechlawinen – ein Schnippchen schlagen. Also brachen wir zu einer Uhrzeit auf, die man eigentlich nur mit sehr viel gutem Willen noch als „früh“ bezeichnen kann: um 03:00 Uhr. Selbst der Hahn von Valcerasa dachte vermutlich noch nicht einmal daran, irgendwann aufzustehen.

    Wie sich bald herausstellen sollte, war diese Entscheidung goldrichtig – und auf jeden Fall wertvoller als der dafür geopferte Morgenkaffee.

    Autobahn A14

    Bei Loreto–Porto Recanati fuhren wir auf die A14, und siehe da: Die Autobahn lag beinahe friedlich vor uns. Das berüchtigte Nadelöhr Bologna–Modena in Richtung Brenner erreichten wir nach ungefähr drei Stunden und zwanzig Minuten, bei einer gleichmäßigen Geschwindigkeit von rund 115 km/h.

    Kein Stillstand. Kein nervöses Trommeln auf dem Lenkrad. Kein verzweifelter Blick auf die Uhr.

    Fast hätte man glauben können, die italienische Autobahn wolle sich persönlich für die vergangenen Jahre bei uns entschuldigen.

    Die erste Etappe fuhr ich bis zur Raststätte Po Est. Dort gönnten wir uns etwa 35 Minuten Pause. Snoopy durfte sich die Beine vertreten und vermutlich sämtliche Neuigkeiten der örtlichen Hundewelt erschnüffeln, während wir uns Cappuccino und ein mit Creme gefülltes Croissant schmecken ließen.

    Richtung Brennero

    Für einen kurzen Moment fühlte sich die Heimfahrt nicht nach 700 Kilometern Autobahn, sondern noch einmal nach italienischem Dolce Vita an.

    Danach übernahm Christine das Steuer und fuhr bis zum Brenner. Snoopy und ich widmeten uns währenddessen einer anderen, nicht minder anspruchsvollen Tätigkeit: dem Schlafen.

    Laut Christine sollen wir beide dabei gemeinsam den gesamten Böhmerwald abgesägt haben – Baum für Baum, mit bemerkenswerter Ausdauer und offenbar hervorragend aufeinander abgestimmtem Rhythmus.

    Snoopy und mich störte das nicht im Geringsten. Und Christine hatte schließlich das Radio.

    So hatte jeder sein eigenes Unterhaltungsprogramm. 🤣

    Am Brenner angekommen, fiel mir plötzlich ein, dass zu Hause – von unseren italienischen Mitbringseln einmal abgesehen – kulinarische Ebbe herrschte.

    Nun ja: Salsicce, Pecorino, EVO, Guanciale, Biscotti und Filone al Mosto hatten wir reichlich an Bord. Eigentlich transportierten wir bereits einen kleinen marchigianischen Feinkostladen über die Alpen. Aber offenbar macht selbst der noch keinen vollständig gefüllten Kühlschrank.

    Also ging ich zu Eurospin, während Christine den Metzger am Brenner aufsuchte. Unsere Heimreise verwandelte sich damit kurzerhand in eine letzte Versorgungsexpedition.

    Inzwischen war es ungefähr 11:00 Uhr, als unsere Enkelin anrief und fragte, ob wir denn überhaupt schon aus Valcerasa losgefahren seien.

    Umso größer war ihr Erstaunen, als sie hörte:

    „Wir sind am Brenner.“

    Kurze Stille.

    Dann kam:

    „Ja, sagt mal, habt ihr einen Ferrari gemietet?“

    Nein. Einen Ferrari hatten wir natürlich nicht gemietet.

    Wir waren lediglich so früh gestartet, dass selbst der Verkehr noch nicht wusste, dass er uns hätte aufhalten sollen. 🤣

    Unser Aufenthalt am Brenner dauerte einschließlich Tanken ungefähr eine Stunde und fünfzehn Minuten – lang genug für Einkäufe, Vorräte und die Erkenntnis, dass auch eine gut geplante Heimreise gelegentlich einen ordentlichen Boxenstopp braucht.

    ..und nun Österreich

    Was uns unterwegs allerdings besonders auffiel, war die schier unglaubliche Zahl an Lastwagen auf den Autobahnen. Einer reihte sich an den nächsten. Manchmal sah es aus, als hätte jemand ein geheimes internationales Lkw-Treffen organisiert und als Veranstaltungsort ausgerechnet die Brennerautobahn ausgewählt.

    Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer lauter nach Entlastung und neuen Verkehrswegen gerufen wird. Der Brenner-Basistunnel soll ja irgendwann einen Teil dazu beitragen. Und wie wir alle wissen, besitzt das Wort „bald“ bei großen Bauprojekten eine bemerkenswerte Dehnbarkeit.

    Nach unserem Boxenstopp übernahm ich wieder das Steuer und fuhr die letzten rund zweihundert Kilometer ohne Schwierigkeiten.

    Und dann geschah etwas, womit wir nach unseren Erfahrungen der vergangenen Jahre kaum gerechnet hatten:

    Um 13:08 Uhr standen wir vor unserer Haustür.

    Wohlbehalten. Ohne Dauerstau. Ohne stundenlanges Stop-and-go. Ohne die sonst übliche Prüfung unserer Geduld.

    Die reine Fahrzeit: etwa acht Stunden und ein paar zerquetschte Minuten.

    Das Auto stand. Wir waren heil angekommen. Unser marchigianischer Feinkostladen hatte die Alpen ebenfalls unbeschadet überquert. Und Snoopy sah eigentlich schon wieder so aus, als könne man sofort zum nächsten Abenteuer aufbrechen.

    Nur ich hatte noch etwas zu erledigen.

    Ich schaute gedanklich noch einmal zurück auf die vergangenen Wochen – auf Menschen, Landschaften, Begegnungen, gutes Essen, Gespräche und all die kleinen Erlebnisse, die eine Reise erst zu einer Erinnerung machen.

    Und dann gab ich mir ein Versprechen:

    Marken, wir kommen wieder!

  • 07.09.2026 – Ein Abschied von den Marken zeichnet sich ab

    07.09.2026 – Ein Abschied von den Marken zeichnet sich ab

    Ja, heute ist unser letzter Urlaubstag. Alle Zeichen stehen auf Abschied – und wie das bei einem ordentlichen Abschied so ist, beginnt er zunächst einmal ganz profan mit ein paar Besorgungen.

    Heute Morgen habe ich noch einige Einkäufe erledigt, unter anderem – als Beispiel sei nur das Wesentliche genannt – ein paar Mutti Passata und gehackte Tomaten, meine Lieblings-Mostkekse und natürlich eine Moststange. Schließlich muss auch der heimische Vorrat nach einem solchen Urlaub angemessen bedacht werden.

    Danach ging es noch um EVO von Fabio, aus dem Roccolo von Valcerasa, sowie um Fabios Erlaubnis, die beiden Country Houses „Der Roccolo von Valcerasa“ und „Il Casale“ auf meiner Webseite einzubinden.

    Diese beiden Country Houses werde ich gemeinsam mit der Cà Nick in Fermo in eigenen Beiträgen ausführlich beschreiben, sobald ich wieder zu Hause bin. Ich nehme also nicht nur Souvenirs, Erinnerungen und ein paar Kilo italienischer Lebensmittel mit zurück nach Deutschland, sondern auch gleich noch einen ganzen Schwung Arbeit. So bleibt wenigstens sichergestellt, dass die Rückkehr in den Alltag nicht allzu abrupt ausfällt.

    Es stehen noch ein paar Besorgungen bevor, die ebenfalls erledigt werden wollen. Danach heißt es Abschied nehmen von meiner Schwägerin Silvia und meinen Nichten Paola und Katia.

    Anschließend wird das Auto betankt – und dann ran an die Luggage.

    Entschuldigung, ich wollte natürlich „Gepäck“ sagen.

    Und genau hier ist der Packmeister gefragt.

    Der Packmeister wird sich also der Aufgabe widmen, all das, was ursprünglich einmal im Kofferraum Platz finden sollte, irgendwie wieder im Kofferraum unterzubringen. Das ist jedes Jahr aufs Neue eine Mischung aus Logistik, dreidimensionalem Schach und leichtem Größenwahn. Irgendwie hat man bei der Abreise immer weniger dabei als bei der Rückreise. Warum das so ist, bleibt eines der ungelösten Rätsel des modernen Tourismus.

    Ich vermute, dass heute Abend nicht mehr allzu viel passieren wird, außer dass wir relativ früh schlafen gehen. Schließlich wollen wir die Rückreise so früh wie möglich antreten, damit wir die neuralgischen Punkte Bologna und Modena möglichst schnell hinter uns lassen.

    Die Rückfahrt selbst werde ich – unter Missachtung der Telepass-Ausfahrten – gefälligst außer Acht lassen, um weitere Diskussionen mit KI-Robotern zu vermeiden. Man muss schließlich wissen, wann man sich geschlagen gibt.

    Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, werde ich den nächsten Bericht erst am 09.09.2026 zu Hause veröffentlichen. Bis dahin gibt es vermutlich genügend Gelegenheit, die Eindrücke der vergangenen Wochen zu sortieren, die Fotos zu sichten und herauszufinden, was davon tatsächlich so passiert ist, wie ich es in Erinnerung habe.

    Wir haben trotz des einen oder anderen kleinen Missgeschicks in unserem Urlaub viel gelacht und sehr viel Spaß gehabt. Ich habe dabei das Meer und auch das Wasser des Pools elegant vermieden, während Christine und meine Enkelin reichlich Gebrauch davon gemacht haben.

    Man könnte sagen: Wir haben uns die Aufgaben sinnvoll aufgeteilt.

    Nach der Abreise meiner Enkelin habe ich mich auf die Suche nach Produzenten gemacht. Dabei war ich, wie ich heute sagen kann, ausgesprochen erfolgreich.

    Ich habe Kontakt zu drei Agriturismo und drei Produzenten aufgenommen beziehungsweise hergestellt – Pasta, Olivenöl und Pecorino DOP. Dazu kommen noch zwei weitere auf der Warteliste: Vernaccia-Wein und Spumante sowie Salumi.

    Damit bin ich deutlich erfolgreicher gewesen, als ich ursprünglich erwartet hatte.

    Und genau deshalb fahre ich mit einem sehr guten Gefühl nach Hause.

    Mein Projekt hat eine Basis erhalten.

    Was am Anfang vielleicht noch etwas nach einer Idee aussah, die vor allem mir selbst einleuchtete, hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Es gibt Menschen, Produzenten und Betriebe, die bereit sind, sich darauf einzulassen und mir ihr Vertrauen entgegenzubringen.

    Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei allen Personen und Produzenten bedanken, die mir mit Offenheit begegnet sind und mir ihr Vertrauen geschenkt haben.

    Dieses Vertrauen weiß ich zu schätzen – und ich werde es nicht enttäuschen.

    Mein besonderer Dank geht an:

    Sabine und Antonio
    Agriturismo „Cà Nick“
    Fermo

    Pietro De Carlonis
    Pasta „DC“
    Campofilone

    Giacomo Fratini
    Frantoio Fratini
    Pollenza Scalo

    Luciano Dedoni
    I Formaggi della Corte
    Tolentino

    Fabio Campetella
    Agriturismo „Roccolo di Valcerasa SPA“
    Treia / Valcerasa

    Country House „Il Casale“

    Die entsprechenden Beschreibungen und Beiträge zu diesen Betrieben werde ich nach meiner Rückkehr auf der Webseite einfügen.

    Damit endet dieser Urlaub in den Marken – zumindest vorerst.

    Der Kofferraum ist voll, der Kopf ebenfalls, wenn auch mit deutlich angenehmeren Dingen.

    Und während sich die Marken langsam aus unserem Blickfeld verabschieden, bleibt das, was diesen Urlaub eigentlich ausgemacht hat: viele Begegnungen, gute Gespräche, neue Kontakte, reichlich gutes Essen, viel Gelächter und die Erkenntnis, dass aus einer Idee langsam ein echtes Projekt werden kann.

    Nun aber heißt es erst einmal: Abschied nehmen.

    Und morgen heißt es dann:

    Bologna. Modena. Autobahn. Deutschland.

    Möge der Packmeister gnädig mit uns sein.

  • 06.09.2026 – Endlich gefunden: Der perfekte Pecorino

    06.09.2026 – Endlich gefunden: Der perfekte Pecorino

    Die suche Nach Luciano Dedoni

    Nachdem ich letzten Sonntag eher durch Zufall – und nach einer kleinen Irrfahrt durch die Contrada Calcavenaccio in Tolentino – nicht meinen Favoriten, die Käserei von Luciano Dedoni, gefunden hatte, stand heute der eigentliche Besuch an.

    Wie am Donnerstag mit Luciano vereinbart, trafen wir uns heute um 10:30 Uhr in der Käserei.

    Ich kam gegen 10:15 Uhr in der Via Fratelli Cervi an. Natürlich – und wie sollte es auch anders sein – war ich zunächst wieder an der falschen Stelle. Ich war die Straße bis zu ihrem höchsten Punkt hinaufgefahren, hatte dort allerdings von einer Käserei ungefähr so viel gesehen wie von einem Flughafen. Keine Käserei, kein Schild, kein Käsegeruch – einfach nichts.

    Also rief ich, wie vereinbart, Luciano an, um weitere Hinweise zu bekommen. Es stellte sich heraus, dass ich mein Ziel lediglich um ungefähr 500 Meter verfehlt hatte. Für einen Menschen mit Navigationssystem vielleicht eine Kleinigkeit, für mich allerdings wieder einmal der Beweis, dass meine persönliche Beziehung zu italienischen Straßen durchaus noch Entwicklungspotenzial besitzt.

    Der Besitzer der Käserei ist ein sehr rüstiger und freundlicher Herr von etwa 65 Jahren. Er erwartete mich bereits vor der Einfahrt zur Käserei. Ich fuhr mit dem Auto in den Hof, übergab es an Christine und folgte Luciano anschließend in sein Büro.

    Das Gespräch beginnt

    Dort angekommen, erklärte ich Luciano zunächst mein Projekt. Ich möchte mit meinem Buch den deutschen Lesern die Marchigianischen Produzenten näherbringen und ihnen zeigen, welche hervorragenden Produkte und Produzenten es in dieser Region gibt. Und natürlich gehört der Pecorino D.O.P., der in den Marken produziert wird, unbedingt dazu.

    Nach meiner Vorstellung führte mich Luciano durch seine Produktionsstätte.

    Leute, ich sage euch: Wenn man eine solche, ganz spezielle Käserei betritt, wird die eigene Nase von diesem wunderbaren Duft dermaßen gekitzelt, dass man am liebsten sofort frisches Brot, Honig Millefiori und ein Glas Weißwein auf den Tisch stellen würde, um die eigene Zunge direkt vor Ort mit einer kleinen Degustazione, also einer Verkostung, zu verwöhnen.

    Es ist schon erstaunlich, welche Wirkung Käsegeruch auf einen Menschen haben kann. Man betritt eine Käserei mit der festen Absicht, sich zunächst alles ganz sachlich anzusehen – und plötzlich beginnt der Magen, eigene Verhandlungen mit dem Gehirn aufzunehmen.

    Unsere Gespräche dauerten über eine Stunde. Wir sprachen über die Käserei, über den Pecorino, über mein Buchprojekt und natürlich auch darüber, wie wir die Zusammenarbeit gestalten könnten.

    Am Ende stand fest: Wir wollen zusammenarbeiten.

    Ich habe Luciano meine Einwilligungserklärung dagelassen, damit alle gesetzlichen Vorgaben und insbesondere die DSGVO hinsichtlich der Veröffentlichung und der Verbindung zu seiner Webseite berücksichtigt werden. Er soll sich alles in Ruhe durchlesen und die Unterlagen anschließend über seinen Sohn unterschrieben zurücksenden.

    Ich werde, sobald ich wieder zu Hause bin, außerdem eine Zusammenfassung unseres Gesprächs an Luciano schicken, damit auch er diese in seinen Unterlagen ablegen kann.

    Als wir uns schließlich verabschiedeten, überraschte mich Luciano noch mit zwei Formen Pecorino: eine frische und eine Stagionato (Gereift), also eine gereifte Variante.

    Luciano Kostbarkeit – Pecorino

    Diese beiden Kostbarkeiten werden wir sehr behutsam verbrauchen und vor allem mit dem nötigen Respekt genießen. Schließlich handelt es sich nicht um irgendeinen Käse, sondern um die kulinarische Belohnung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – und um zwei kleine Stücke Italien, die nun mit uns nach Deutschland reisen.

    Damit sind mittlerweile vier Interessenten aus den Marken an Bord:

    1. Agriturismo Cà Nick – Fermo
    2. Pastificio Pietro De Carlonis – Campofilone
    3. Frantoio Giacomo Fratini – Pollenza
    4. Pecorino D.O.P., Käserei Luciano Dedoni – Tolentino                                                                   

    Weitere Produzenten stehen noch aus. Bei einigen konnte bisher noch kein persönliches Gespräch stattfinden. Meine Webseite steht bei ihnen jedoch bereits im Fokus, und es besteht die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt eine Kooperation zu beginnen.

    Sobald ich von den jeweiligen Produzenten – sei es auf postalischem Weg oder per E-Mail – die entsprechende Erlaubnis erhalte oder das persönliche Gespräch stattgefunden hat, werde ich sie selbstverständlich sofort in das Projekt aufnehmen.

    Natürlich beflügeln mich diese Erfolge. Sie geben mir noch mehr Motivation, alles aus mir herauszuholen und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen – immer mit dem Ziel, eine positive Entwicklung für alle Beteiligten zu erreichen.

    Und nach so viel Pecorino, Zusammenarbeit, Gesprächen und Zukunftsplänen hätten wir vor lauter Freude beinahe das Mittagessen vergessen.

    Kurze Einkauf bei AOASIS

    Denn auf dem Rückweg machte sich plötzlich jemand bemerkbar. Nicht Luciano, nicht ein Produzent und auch nicht mein schlechtes Gewissen – mein Magen.

    Er knurrte so deutlich, dass eigentlich nur noch eine offizielle Beschwerde bei der Reiseleitung gefehlt hätte.

    Also bogen wir in Tolentino kurz bei AOASI ab und besorgten ein paar Fettine di Manzo, also Rindersteaks.

    Bitte nicht missverstehen: Fettine sind in Italien sehr fein geschnittene Fleischscheiben, ungefähr fünf Millimeter dünn, die sich wunderbar schnell mit Rosmarin, Salbei und Knoblauch zubereiten lassen.

    Dazu gab es einen passenden Tomatensalat, ein Glas Passerina-Wein und zwei Stück Zwiebel-Crescia, also eine Art Weißpizza.

    Und voilà – das Mittagessen war serviert.

    Ich verrate euch jetzt nicht, was ich nach dem Mittagessen gemacht habe …

    Sicherlich nicht das, was ihr jetzt denkt.

    Zuerst habe ich abgespült.

    Auch das gehört schließlich zum italienischen Landleben: Erst wird gegessen, dann wird gespült und erst danach darf man über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachdenken.

    Kaum war diese kulinarische Pflicht erledigt, hörte ich plötzlich einen merkwürdigen Ruf:

    „Franco, ich vermisse Dich!“

    Nun ja, was soll man da machen? Wenn man so eindringlich gerufen wird, muss man dem Ruf natürlich folgen.

    Also nahm ich die horizontale Position ein.

    Währenddessen machte sich Christine auf den Weg zum Pool. Dieses Mal allerdings nicht allein. Der Roccolo-Kater hatte offenbar beschlossen, seine Aufgaben als persönlicher Sicherheitsdienst ernst zu nehmen. Er begleitete sie und verfolgte sie auf Schritt und Tritt.

    Man kann schließlich nie vorsichtig genug sein, wenn eine Frau in Richtung Swimmingpool unterwegs ist.

    San Severino und das internationale Straßenessen

    Am Abend wollten wir nach San Severino Marche. Dort fand eine Sagra statt, die sich – ganz bescheiden – „Street Food“ nannte.

    Klar.

    Warum sollte man einfach „Essen auf der Straße“ sagen, wenn man mit zwei englischen Wörtern sofort den Eindruck eines internationalen Großereignisses erzeugen kann?

    Na ja, wie dem auch sei: Offenbar schaffen wir es inzwischen kaum noch, unsere eigene Sprache zu benutzen, ohne ihr vorher ein paar fremde Wörter als modisches Accessoire umzuhängen.

    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob „Street Food“ tatsächlich besser schmeckt als „Cibo da Strada“.

    Vielleicht klingt es einfach moderner. Internationaler. Knuspriger.

    Und wahrscheinlich kostet es mindestens drei Festtage mehr.

    Englisch sollte man eigentlich in der Schule oder bei Sprachseminaren lernen. Aber anscheinend reicht heute schon ein Imbissstand mit Neonbeleuchtung, um daraus ein kleines Oxford auf Rädern zu machen.

    Vielleicht hätte man dort sogar ein Cambridge-Sandwich bekommen.

    Wir jedenfalls bekamen zunächst einmal keinen Parkplatz.

    Summa summarum also: ein kleines Fiasko.

    Damit war das große internationale Straßenessen für uns erledigt, bevor es überhaupt begonnen hatte. Wir disponierten kurzerhand um und fuhren einfach zu einer Pizzeria in San Severino.

    Der Himmel sei Dank: Für eine gewöhnliche „Pizzeria“ habe ich bisher noch kein englisches Ersatzwort gefunden.

    Das ist immerhin noch international genug und benötigt keinen Dolmetscher.

    Dort angekommen, bestellte ich mutig das kulinarische Hochleistungsprogramm: Acqua gassata, einen halben Liter Rotwein, eine Pizza Diavola und eine Pizza mit Salsicce und Friarielli, also Stängelkohl.

    Ah, Verzeihung.

    Natürlich muss man das heute international korrekt präsentieren:

    Eine „Pizza with Turnip Tops and Sausages“ und eine „Pizza alla Devil’s“.

    Das klingt sofort nach Weltreise, Michelin-Stern und Flughafenlounge.

    Dabei liegt am Ende doch nur eine Pizza auf dem Teller und kein diplomatischer Staatsakt zwischen Italien und Großbritannien.

    Wenn euch also einmal langweilig ist, bestellt in der nächsten Pizzeria einfach genauso.

    Ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was ihr bekommt:

    Eine Pizza?

    Einen völlig verwirrten Kellner?

    Oder vielleicht direkt ein Englisch-Zertifikat?

    Die Pizza war vom Teig her ordentlich, und auch der Belag bemühte sich tapfer um einen guten Eindruck.

    Aber besonders war daran ungefähr so viel wie an einem Kreisverkehr ohne Ausfahrt.

    Sie war nicht schlecht.

    Sie war nur … bemerkenswert unauffällig.

    Der Wein hingegen hatte offenbar beschlossen, seine Karriere als Getränk zu beenden und sich beruflich neu zu orientieren – in Richtung Essig.

    So schön er auch aussah: Innerlich war er offensichtlich bereits auf dem Weg in seine nächste Lebensphase.

    Ich probierte ihn, schaute ihn an, er schaute mich an – und wir beide wussten, dass aus uns keine langfristige Beziehung mehr werden würde.

    Also lehnte ich ihn schweren Herzens ab.

    Damit mussten wir uns mit einem niederländischen Bier zufriedengeben.

    In Italien.

    Nach einer Pizza.

    Das ist ungefähr so konsequent wie ein Cappuccino zum Wildschweinbraten.

    Wobei mir schon ein halber Fiasco Rosso Piceno oder Rosso Conero völlig gereicht hätte, um dieses Fiasko wenigstens sprachlich und kulinarisch deutlich eleganter aussehen zu lassen.

    Aber was soll’s. Jeder Abend kann schließlich nicht mit einem perfekten Pecorino enden. Dieser Abend jedenfalls war für San Severino nicht würdig.

    Ein letzter Besuch zum Abschied

    Auf der Rückfahrt nach Valcerasa machten wir noch einen Zwischenstopp bei ein Espresso corretto alla Varnelli bei Fabio Ristorante, um uns zu verabschieden – in der Hoffnung, dass wir uns im Jahr 2027 wiedersehen werden.

    Und so hat unsere kleine Abschiedstour begonnen.

    Morgen steht unser letzter Aufenthaltstag an. Noch einmal bei den Verwandten vorbeischauen, die letzten Besorgungen erledigen, vielleicht noch das eine oder andere Stück Italien im Gepäck verstauen – und dann heißt es:

    Deutschland, wir kommen!

    Wobei ich jetzt schon weiß:

    Ein Teil von uns wird noch lange hierbleiben.

    Vielleicht in Form von Pecorino.

    Vielleicht in Form eines guten Glases Wein.

    Vielleicht auch einfach als Erinnerung an diese Tage, an die Menschen, die wir kennenlernen durften, und an all die kleinen Geschichten, die unterwegs entstanden sind.

    Und genau dafür lohnt sich jede Irrfahrt durch die Marken.

  • 05.09.2026 – Mein Kopf bekam ein italienisches Softwareupdate

    05.09.2026 – Mein Kopf bekam ein italienisches Softwareupdate

    Der Maestro Barbier von Passo di Treia

    Nein, nein – bevor jetzt jemand denkt, ich hätte mich heimlich einer modernen medizinischen Verjüngungskur unterzogen: Mein Kopf bekam heute tatsächlich ein italienisches Softwareupdate.

    Allerdings wurden weder neue graue Zellen eingebaut noch irgendwelche zusätzlichen Denkmodule installiert. Das wäre bei meinem Alter wahrscheinlich ohnehin ein ziemlich riskantes Hardware-Upgrade.

    Nein, es handelte sich lediglich um eine Wurzelbehandlung. Aber nicht beim Zahnarzt, sondern an den Haarwurzeln – und zwar beim Maestro Barbier von Passo di Treia.

    Damit habe ich mir einen kleinen Wunsch erfüllt: wieder einmal mit einer ordentlich gestylten Haarpracht nach Hause zu kommen. In Deutschland habe ich nämlich keinen festen Friseur. Meine Haare müssen dort offensichtlich mit der Situation selbst klarkommen.

    Hier in Italien ist das anders.

    Hier geht man zum Barbier – und bekommt neben einem Haarschnitt gleich noch die neuesten Fußballnachrichten, Dorfgeschichten, Gerüchte und sonstige wichtige Informationen des Tages kostenlos mitgeliefert.

    Ein italienischer Dorfbarbier ist schließlich nicht nur Friseur.

    Er ist gleichzeitig Nachrichtenagentur, Dorfchronist, Fußballreporter, Sozialamt und manchmal wahrscheinlich auch der lokale Geheimdienst.

    Heute war ich der interessante Fall

    Diesmal war ich allerdings selbst Gegenstand des Interesses.

    Ich komme nicht aus Passo di Treia, fahre mit einem ausländischen Autokennzeichen herum und habe nun schon zum zweiten Mal die Dienste des Maestros in Anspruch genommen.

    Das konnte natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

    Wenn ein Ausländer zweimal beim gleichen Barbier auftaucht, muss man schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Die persönliche Kundendatei der hauseigenen Presseagentur muss schließlich auf dem neuesten Stand sein.

    Der Maestro begann noch ganz harmlos:

    „Vieni dalla Svizzera o dalla Germania?“

    Also: Schweiz oder Deutschland?

    Ich antwortete:

    „Dalla Germania.“

    Damit war das Eis gebrochen.

    Und bevor aus dem harmlosen Gespräch möglicherweise eine offizielle polizeiliche Vernehmung mit Personalien, Lebenslauf und Fingerabdrücken wurde, lieferte ich vorsichtshalber gleich selbst weitere Informationen:

    „Ich lebe seit über 64 Jahren in Deutschland. Mit 18 Jahren bin ich von San Severino Marche über das Arbeitsamt nach Deutschland ausgewandert. Meine Mutter hatte nämlich eine ziemlich ausgeprägte Aversion gegen Fußball, und außerdem stand der Militärdienst vor der Tür. Und arbeitsmäßig sah es damals in Italien auch nicht gerade rosig aus.“

    Damit hatte ich seine Neugier zumindest zu 50 Prozent befriedigt.

    Der Rest würde vermutlich beim nächsten Haarschnitt folgen.

    Und dann kam Deutschland an die Reihe

    Im Salon war noch ein weiterer Kunde, der offensichtlich ebenfalls sehr interessiert daran war, zu erfahren, wie es sich denn in Deutschland lebt.

    Ich erklärte ihm, dass es uns eigentlich gut geht und wir unser ruhiges Rentnerdasein genießen.

    Wobei ich gleich klargestellt habe: Ganz so einfach war das natürlich nicht immer.

    Gerade die ersten Jahre waren für einen jungen Menschen nicht gerade ein Spaziergang.

    Als sogenannter „Gastarbeiter“ musste man sich zunächst an eine neue Umgebung, neue Menschen und neue Mentalitäten gewöhnen.

    Man musste erst einmal herausfinden:

    Wie ticken die Menschen hier eigentlich?

    Und genau das halte ich bis heute für wichtig: Wenn man in einem fremden Land lebt, muss man zunächst lernen, wie die Menschen dort leben und denken. Man sollte sich anpassen können und nicht erwarten, dass sich gleich das ganze Land an einem selbst orientiert.

    Und vor allem braucht man die Sprache.

    Wer die Sprache nicht beherrscht, bleibt immer ein Stück weit Zuschauer.

    Denn über den Dialog kann man unglaublich viel lernen, Kontakte knüpfen und vieles im Leben einfacher machen.

    Dann wurde es langsam interessant

    Natürlich sorgte meine nächste Information für etwas größere Augen.

    Ich erzählte, dass ich 42 Jahre bei BMW gearbeitet habe, teilweise in einem internationalen Team, das in ganz Europa und sogar in Südafrika tätig war.

    Und dann kam noch die Information hinterher, dass ich erst mit 70 Jahren in Rente gegangen bin.

    Jetzt konnte man förmlich sehen, wie sich beim Maestro der interne Kopfrechner einschaltete.

    Er rechnete.

    Er überlegte.

    Er rechnete vermutlich sicherheitshalber noch einmal.

    Dann fragte er ganz vorsichtig und fast ein bisschen schüchtern, ob ich denn ungefähr 80 Jahre alt sein müsste.

    Ich musste natürlich ein wenig lächeln.

    „Nein“, sagte ich, „in ungefähr fünf Wochen werde ich mein 83. Lebensjahr vollendet haben.“

    Kurze Pause.

    Und dann hagelte es Komplimente.

    Das hört man natürlich gerne – vor allem, wenn sie von fremden Menschen kommen, die deutlich jünger sind.

    Wenn man mit fast 83 für knapp 80 gehalten wird, nimmt man das Kompliment selbstverständlich dankend entgegen. Da wird man plötzlich ganz tolerant gegenüber Rechenfehlern.

    Ich pflege allerdings zu sagen:

    „Alter ist nur eine Zahl, die vom Einwohnermeldeamt und von Personalbüros für statistische Zwecke verwendet wird. Für den Betroffenen selbst sollte diese Zahl eigentlich keine große Bedeutung haben. Du bist schließlich nur so alt, wie du dich fühlst.“

    Und solange ich noch zum Barbier gehe, Rommé spiele, Auto fahre, Wein trinke und mich in Italien mit Leuten über Gott, die Welt und den italienischen Bürokratismus unterhalte, sehe ich ohnehin keinen Grund, mich über eine Zahl aufzuregen.

    Natürlich durfte Italien nicht fehlen

    Danach diskutierten wir noch ein bisschen über das chaotische Italien und seinen teilweise geradezu sportlich betriebenen Bürokratismus.

    Manchmal hat man hier den Eindruck, dass für einen einfachen Vorgang mindestens drei Formulare, vier Stempel, fünf Unterschriften und am besten noch ein Cousin des Bürgermeisters erforderlich sind.

    Aber gut – genau das gehört wahrscheinlich zum italienischen Gesamtpaket.

    Kurz darauf war meine persönliche Runderneuerung abgeschlossen.

    Ich bezahlte, und der Maestro Barbier wünschte mir alles Gute und schon einmal eine schöne Weihnachtszeit. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass wir uns 2027 wiedersehen.

    Ich antwortete nur kurz:

    „Sicherlich werden wir uns wiedersehen. Wenn ER da oben es will und zulässt, komme ich wieder zum Haareschneiden.“

    Damit war das italienische Kopf-Softwareupdate erfolgreich abgeschlossen.

    Keine neuen grauen Zellen. Keine neue Denksoftware. Aber immerhin wieder eine vernünftige Frisur.

    Man muss im Leben schließlich Prioritäten setzen.

    Weiter nach Serrapetrona

    Anschließend fuhren wir nach Serrapetrona zur Azienda Agricola Alberto Quacquarini.

    Dort erfuhren wir, dass Mauro momentan ziemlich stark mit seinem Lokal in Sirolo beschäftigt ist.

    Die von Monica erstellte Notiz über mein Projekt sowie meine Kontaktdaten liegen jedoch auf seinem Schreibtisch.

    Ich ergänzte noch meine private E-Mail-Adresse, denn wir werden nur noch bis Montag hier sein.

    Seiner Mitarbeiterin erklärte ich außerdem, dass ich Mauro noch eine E-Mail mit allen Neuerungen schicken werde, die sich inzwischen aus anderen Gesprächen ergeben haben.

    Damit ist auch dieser Punkt erledigt.

    Und jetzt beginnt der gemütliche Teil

    Heute Abend geht es wieder zu unserer inzwischen schon fast traditionellen Rommé-Runde.

    Dazu gibt es einen herrlichen Sternenhimmel, eine angenehm milde Abendbrise und natürlich ein Gläschen gut gekühlten Passerina-Wein.

    Mehr braucht der Mensch eigentlich nicht.

    Ein bisschen Kartenspiel, ein bisschen Wein, ein bisschen italienische Abendluft – und keine Behörde, die gerade irgendeinen neuen Stempel von mir verlangt.

    So kann man einen Tag in Italien durchaus würdig beenden.

    Und wenn morgen jemand fragt, was ich heute gemacht habe, lautet die kurze Antwort:

    Ich habe meinen Kopf aktualisiert, meine Frisur erneuert, mein Lebensalter erfolgreich nach unten korrigiert bekommen und nebenbei noch die deutsch-italienischen Beziehungen gepflegt.

    Nicht schlecht für einen einzigen Tag.

    Grazie, Maestro. Bis 2027 – sofern ER da oben nichts dagegen hat. 😄

  • 04.09.2026 – Nur noch drei Tage in den Marken

    04.09.2026 – Nur noch drei Tage in den Marken

    Langsam, aber sicher neigt sich unser Urlaub dem Ende zu. Nur noch drei Tage in den Marken – und wie immer, wenn sich ein Urlaub dem Schluss nähert, stellt sich dieses etwas merkwürdige Gefühl ein: Einerseits freut man sich irgendwann wieder auf das eigene Zuhause, andererseits möchte man am liebsten die Zeit anhalten und einfach noch ein paar Wochen hierbleiben.

    Nachdem sich einige Produzenten, die ich kontaktiert hatte, immer noch nicht gemeldet haben, habe ich heute diesbezüglich eine Entscheidung getroffen: Wenn die Herren Produzenten nicht zu mir kommen, dann komme ich eben zu ihnen – oder besser gesagt, ich suche mir andere Produzenten. Schließlich kann man nicht ewig auf eine Antwort warten, vor allem dann nicht, wenn der Kalender langsam unmissverständlich darauf hinweist, dass die Abreise näher rückt.

    Ich suche weiter.

    So machten wir uns heute Morgen auf den Weg in Richtung Belforte del Chienti. Dort wollte ich bei einem Frantoio, also einer Ölmühle, vorsprechen. Leider stellte sich der Besitzer nicht gerade von seiner gastfreundlichsten Seite vor. Er war lediglich telefonisch erreichbar, sodass ich nicht einmal die Gelegenheit bekam, mein Projekt vernünftig zu erklären oder überhaupt darzulegen, worum es eigentlich ging.

    Seine Schlussphrase war dann kurz, knapp und vermutlich gut eingeübt:

    „Ich bin nicht interessiert.“

    Nun ja. Auch solche Situationen gehören offenbar dazu. Man muss sie nehmen, wie sie kommen – oder zumindest so tun, als würde man sie gelassen nehmen. Vielleicht hat er mich tatsächlich für einen Vertreter gehalten, der ihm irgendein Produkt verkaufen wollte. Und auch solche Missverständnisse muss ich akzeptieren. Schließlich kann man niemanden dazu zwingen, sich für etwas zu interessieren, auch nicht, wenn man selbst gerade der Meinung ist, dass es sich um eine ganz hervorragende Idee handelt.

    Zum Glück hatte ich noch einen zweiten Produzenten in petto.

    Also fuhren wir weiter nach Pollenza Scalo. Dort befindet sich eine Firma, die gleich zwei Dinge miteinander verbindet: Mühle und Ölmühle. Nachdem wir zunächst noch eine kleine, unfreiwillige Pollenza-Rundfahrt absolviert hatten – man könnte auch sagen, wir haben die örtliche Infrastruktur etwas genauer kennengelernt –, kamen wir schließlich an der Mühle an.

    Die Mühle heißt Fratini und wird von zwei riesigen Silos dominiert, die das gesamte Areal überragen. Schon von Weitem machten sie deutlich, dass hier nicht gerade mit Teelöffeln gearbeitet wird.

    Ich fand gleich den richtigen Ansprechpartner.

    Giacomo, der Inhaber, war gerade dabei, gemeinsam mit einem Mitarbeiter Mehlsäcke aufzubereiten. Ich erklärte ihm kurz, worum es bei meinem Projekt ging, und er bat mich anschließend, ihm in sein Büro zu folgen.

    Was dann folgte, war ein ausgesprochen konstruktives Gespräch.

    Wir unterhielten uns intensiv über mein Vorhaben, und dabei konnte ich auch einige seiner Ideen mitnehmen, die sich möglicherweise tatsächlich realisieren lassen. Es sind gute und vor allem praktische Ideen, die später potenziellen Kunden zugutekommen könnten.

    Ein wesentlicher Punkt dreht sich dabei um die Speditionskosten. Diese müssen unbedingt auf ein Minimum reduziert werden. Wie genau das geschehen soll, wird eine der ersten Aufgaben sein, die ich lösen muss, sobald ich wieder zu Hause bin.

    Das Gespräch dauerte über eine Stunde – und am Ende stand fest: Giacomo wird Teil der Produzenten sein, die im Rahmen von „Genuss aus den Marken“ dem deutschen Publikum vorgestellt werden.

    Also doch noch ein voller Erfolg!

    Zuerst die Arbeit dann den Knurrenden Magen

    Nachdem der erste Termin eher nach dem Motto „Danke, kein Interesse, schönen Tag noch“ verlaufen war, konnte der zweite Termin kaum besser laufen. Manchmal muss man eben erst eine Tür vor der Nase zugeschlagen bekommen, bevor sich daneben eine wesentlich schönere öffnet.

    Danach beschlossen wir, diesem kleinen Erfolg einen angemessenen festlichen Charakter zu verleihen. In San Severino gönnten wir uns zunächst ein Aperitivo, bevor wir anschließend nach Rocchetta fuhren, einer Contrada von San Severino Marche, wo wir bei Fabio im Ristorante-Pizzeria einkehrten.

    Dort wurde dann selbstverständlich wieder ausgiebig gegessen. Schließlich muss ein erfolgreicher Geschäftstag auch kulinarisch ordentlich abgeschlossen werden.

    Ich bestellte Mezze Maniche al Tonno con Pomodorini e Basilico – also Nudeln mit Thunfisch, Kirschtomaten und Basilikum.

    Christine entschied sich für Tagliatelle allo Scoglio, also Bandnudeln mit verschiedenen Meeresfrüchten.

    Als zweiten Gang nahm sie Fritto misto di Pesce, während ich mich für Baccalà Fritto, also frittierten Kabeljau, entschied. Dazu gab es einen gemischten Salat, damit wenigstens der Anschein einer gewissen Ausgewogenheit gewahrt blieb.

    Christine machte Fabio anschließend ein Riesenkompliment. Der Fritto misto sei das Beste gewesen, was sie in diesem Jahr gegessen habe – und das will etwas heißen, denn selbst in Porto San Giorgio hatte sie schon sehr ordentlich gegessen.

    Danach gab es noch einen Espresso corretto alla Varnelli. Das ist in den Marken offenbar die bevorzugte Variante gegenüber Cognac oder Brandy. Man könnte also sagen: Der Kaffee bekam noch einen kleinen regionalen Motivationsschub.

    Danach könnt ihr euch wahrscheinlich ungefähr vorstellen, welche Position ich in Valcerasa eingenommen habe.

    Schließlich war ich seit vier Uhr morgens schon wach – und irgendwann fordert ein solcher Tag seinen Tribut. Christine hingegen nahm den bestens bekannten Weg in Richtung Pool. Sie hatte offenbar noch genügend Energie für die sportliche Disziplin „Schwimmen und Nichtstun“.

    Ich hingegen entschied mich zunächst für eine etwas profanere Tätigkeit und ging später noch einkaufen.

    Allerdings nur vorsichtshalber.

    Abendessen ausgefallen

    Denn eigentlich hatten wir nach diesem ausgiebigen Mittagessen überhaupt keinen Hunger. Aber man kennt das ja: Kaum hat man nichts im Haus, kommt plötzlich der große Hunger. Und so wollte ich für den Fall der Fälle vorbereitet sein.

    Als mögliche Abendessen-Alternative waren Schinken, Melone und Trauben vorgesehen.

    Es kam allerdings anders.

    Wir begnügten uns schließlich mit ein paar Trauben und spielten dabei unsere tägliche Runde Rommé.

    Auch das gehört mittlerweile zu unserem festen Urlaubsprogramm: gutes Essen, ein bisschen Wein, viel Sonne, gelegentliche geschäftliche Überraschungen – und am Abend eine Runde Rommé.

    Und während draußen langsam der Tag zu Ende ging, wurde uns einmal mehr bewusst, dass tatsächlich nur noch drei Tage in den Marken vor uns liegen.

    Der Urlaub neigt sich dem Ende zu.

    Aber immerhin können wir sagen: Heute hat sich die Suche nach einem weiteren Produzenten gelohnt.

    Und manchmal braucht es eben einen etwas unfreundlichen „Bin nicht interessiert“-Moment, damit am Ende ein sehr freundliches „Wir sind dabei“ daraus wird.

  • 03.09.2026 – Vom Friseurstuhl über Bikinis bis zum Paradies unter Sternen

    03.09.2026 – Vom Friseurstuhl über Bikinis bis zum Paradies unter Sternen

    Heute Morgen begann der Tag für Christine ganz klassisch italienisch: Damenfriseur. Während sie sich also verschönern ließ, wartete auf mich offenbar die weitaus anspruchsvollere Aufgabe des Tages – die Beschaffung von Badesachen für Amelie und Luis.

    Nach dem Friseur fuhren wir deshalb nach Tolentino ins Arena Outlet. Eigentlich eine einfache Angelegenheit: hineingehen, Bikinis und Badehosen finden, bezahlen und wieder hinaus. So zumindest die Theorie.

    Arena Outlet

    Wir gerieten an eine Verkäuferin, deren Stimmung irgendwo zwischen „Heute lieber nicht ansprechen“ und „Warum seid ihr überhaupt hier?“ lag. Wir wollten für meine Enkelin die Bikinis sehen, worauf sie uns zunächst fragte, ob diese für den Pool oder für das Meer gedacht seien.

    Ich gebe zu: Diese Frage hat mich intellektuell überfordert.

    Ich überlegte kurz, ob es vielleicht spezielle Bikinis für Salzwasser gibt und andere für Chlorwasser. Vielleicht unterscheiden sich italienische Bikinis ja inzwischen ebenso wie italienische Weine – jeder für sein eigenes Terrain.

    Zunächst zeigte sie uns einige Badeanzüge. Sehr hübsch, zweifellos – nur leider in den passenden Größen eher theoretischer Natur. Also baten wir um Bikinis.

    Nun begann das zweite Kapitel des italienischen Größenkrimis.

    Auf den Etiketten waren die europäischen Größen für verschiedene Länder angegeben. Für mich eigentlich eine erfreulich eindeutige Angelegenheit. Die Verkäuferin sah das allerdings anders und beharrte auf den italienischen Größenangaben. Ich beschloss, diesen Kampf nicht zu führen. Schließlich waren wir wegen Bikinis gekommen und nicht, um die europäische Normung neu zu verhandeln.

    Wir suchten also verschiedene Modelle aus und fanden schließlich Bikinis und Badehosen für unsere Enkelkinder. Ob sie tatsächlich passen, wird sich zeigen. Im Zweifelsfall erklären wir es einfach zur neuen italienischen Mode.

    Snoopy bei Conad Einkaufen

    Danach ging es zum Einkaufen

    Und dort erwartete uns eine weitere kleine kulturelle Überraschung: Snoopy durfte selbstverständlich mit in den Laden. Nicht etwa an der Leine – um nicht versehentlich eventuelle kleine Nassflecken auf dem Ladenboden zu hinterlassen; das wäre vermutlich hygienisch und für alle Beteiligten etwas unangenehm gewesen –, sondern standesgemäß in einem eigens dafür vorgesehenen Einkaufswagen. Für dessen Benutzung war allerdings zunächst ein Personal-Dokument zu hinterlegen. Offenbar vertraute man weder dem Hund noch uns ausreichend, um uns einen Einkaufswagen ohne vorherige bürokratische Identitätsprüfung zu überlassen. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, durfte Snoopy Platz nehmen und würdevoll durch die Gänge kutschiert werden. Den Einkaufswagen benötigten wir anschließend selbstverständlich nicht für zu Hause – er blieb, ganz im Sinne eines streng kontrollierten Leihsystems, dort, wo wir ihn bekommen hatten. Ein bemerkenswert aufwendiges Verfahren für einen Wagen, der im Grunde nur einen Hund von A nach B transportieren sollte.

    Da musste ich unwillkürlich an Italien vor 25 oder 30 Jahren denken.

    Damals wollte meine Schwägerin partout keinen Hund in der Wohnung haben. Heute lebt sie mit zwei Hunden zusammen. Zugegeben, es sind kleine Hunde – aber zwei sind nun einmal zwei.

    Auch meine Nichte hielt früher lieber einen gewissen Sicherheitsabstand zu Hunden. Heute besitzt sie selbst einen Hund. Inzwischen kümmert sie sich sogar regelmäßig um den Hund ihrer Tochter, wenn diese zur Arbeit geht.

    Man könnte also sagen: Italien hat sich in dieser Beziehung von Saulus zu Paulus gewandelt. Früher hieß es: „Ein Hund kommt mir nicht ins Haus.“ Heute bekommt der Hund seinen eigenen Einkaufswagen.

    Heute bleibt die Küche kalt

    Bei der herrschenden Hitze fiel unser Mittagessen erneut eher mediterran-minimalistisch aus: kalt.

    Anschließend nahm ich – wie inzwischen beinahe schon rituell – meine horizontale Position ein. Eine äußerst vernünftige Maßnahme, um der Mittagshitze nicht unnötig entgegenzukommen. Christine hingegen entschied sich für den Pool.

    Dabei musste ich feststellen, dass sich auch bei unserer persönlichen Sonnenbilanz einiges verändert hat.

    Ich, als gebürtiger Italiener, sehe inzwischen erstaunlich blass aus. Christine dagegen ist deutlich brauner als ich. Früher wäre das undenkbar gewesen. Heute könnte man bei uns glatt vermuten, dass sie die Italienerin ist und ich der Tourist.

    Während ich also horizontal der Sonne auswich, bewegten sich die Dinge bei „Genuss aus den Marken“ erfreulicherweise in eine andere Richtung.

    Nachdem ich die Käserei Mario Dedoni bislang vergeblich zu erreichen versucht hatte, bekam ich heute endlich Luciano Dedoni ans Telefon. Zu meiner Überraschung erinnerte er sich sogar an unser Gespräch von vor etwa einem Monat, als ich ihm von Deutschland aus mein Projekt vorgestellt hatte.

    Noch besser: Luciano ist bereit, sich am kommenden Sonntag, dem 06.09.2026, mit mir zu treffen.

    Das könnte ein weiterer wichtiger Schritt für „Genuss aus den Marken“ werden. Vielleicht gelingt es mir, einen weiteren Familienbetrieb für unser Projekt zu gewinnen und dessen Produkte dem deutschen Publikum näherzubringen.

    Zwei weitere Produzenten möchte ich ebenfalls noch ansprechen – einen im Hinblick auf die Vernaccia Nera und einen für Olivenöl. Ich hoffe natürlich, auch sie für meine Idee begeistern zu können.

    Und wenn nicht?

    Dann suche ich weiter.

    Die Marken sind schließlich voller kleiner Familienbetriebe. Irgendwo zwischen Weinbergen, Olivenhainen und Käsereien wird sich schon der nächste kulinarische Schatz verstecken.

    Eine lauer Sommer Abend in Valcerasa

    Aber all diese Überlegungen hatten am Abend Pause.

    Vor unserem kleinen Ferienbungalow erlebten wir einen dieser Sonnenuntergänge, bei denen man irgendwann aufhört zu reden, weil die Landschaft ohnehin das bessere Argument besitzt.

    Wir saßen bei Kerzenlicht, tranken einen Verdicchio aus Matelica und ließen uns von der warmen Abendbrise unter dem Sternenhimmel der Marken umspielen.

    Ein stiller, wunderschöner Abschluss eines Tages, der mit einem Friseurbesuch begann, über einen Bikinikrimi und einen Hund im Einkaufswagen führte und schließlich bei Wein und Sternen endete.

    Eigentlich könnte man sagen: Ein ganz normaler Tag in den Marken.

    Nur der zweite Verdicchio fehlte noch.

  • 02.09.2026 – Ein weiterer wichtiger Schritt für „Genuss aus den Marken“

    02.09.2026 – Ein weiterer wichtiger Schritt für „Genuss aus den Marken“

    Der heutige Vormittag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung auf ein für mich wichtiges Gespräch. Ich habe die Zeit genutzt, um mich intensiv auf das Treffen mit Pietro De Carlonis in Campofilone vorzubereiten und die wesentlichen Punkte meiner geplanten Zusammenarbeit noch einmal zu strukturieren.

    Um 16:15 Uhr bin ich von Valcerasa aus in Richtung Campofilone aufgebrochen. Die Fahrt führte über die Schnellstraße in Richtung Porto Civitanova, anschließend über die A14 bis Pedaso und von dort weiter nach Campofilone, Contrada Molino 55/c. Gegen 17:45 Uhr erreichte ich mein Ziel und begab mich direkt zum vereinbarten Treffpunkt bei Pietro De Carlonis.

    Schon beim Betreten seines kleinen Pastificio wurde mir einmal mehr bewusst, dass hinter einem solchen Betrieb weit mehr steckt als lediglich die Herstellung eines Produktes. Das Pastificio ist klein, aber mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und vermittelt unmittelbar den Eindruck von handwerklicher Tradition, persönlichem Engagement und echter Leidenschaft für das eigene Produkt.

    Klein aber fein

    Unser Gespräch begann mit der Vorstellung meiner konkreten Projekt und die grundsätzlichen Idee hinter „Genuss aus den Marken“. Dabei war es mir besonders wichtig, von Anfang an eine realistische und verlässliche Grundlage für unsere mögliche Zusammenarbeit zu schaffen.

    Ich habe Pietro bewusst nicht den „Himmel auf Erden“ versprochen. Im Gegenteil: Ich habe ihm offen erklärt, dass ich diese Zusammenarbeit langfristig und Schritt für Schritt aufbauen möchte. Es geht nicht darum, möglichst schnell Ergebnisse zu erzielen, sondern darum, eine solide Basis zu schaffen. Jeder einzelne Schritt soll mit der notwendigen Ruhe, Sorgfalt und gegenseitigen Abstimmung geprüft und umgesetzt werden. Vertrauen und Nachhaltigkeit sind für mich dabei wichtiger als kurzfristiger Erfolg.

    Pietro teilte mir im weiteren Verlauf des Gesprächs mit, dass er bereits über einen Repräsentanten in Deutschland verfügt. Diese Information habe ich ausgesprochen positiv aufgenommen. Aus meiner Sicht könnte dies sogar eine sehr interessante Konstellation darstellen. Sollte sich auf deutscher Seite ein entsprechendes Interesse an seinen Produkten entwickeln, könnten mögliche Bestellungen über seinen bereits bestehenden deutschen Repräsentanten abgewickelt werden. Damit wäre eine vorhandene Struktur nutzbar, ohne unmittelbar neue Vertriebswege schaffen zu müssen.

    Weitere Vorgehen

    Im Hinblick auf die weitere Entwicklung haben wir zunächst eine zweijährige Anlaufphase vereinbart. Diese Zeit soll bewusst dazu genutzt werden, Erfahrungen zu sammeln, die Möglichkeiten des Marktes auszuloten und die Zusammenarbeit Schritt für Schritt wachsen zu lassen.

    Weitere konkrete Vereinbarungen sollen nach Ablauf dieser Anlaufphase getroffen und – sofern sich die Zusammenarbeit entsprechend erfolgreich entwickelt – schriftlich festgehalten werden. Ich halte diesen Ansatz für sinnvoll, weil beide Seiten dadurch ausreichend Zeit erhalten, die gemeinsame Entwicklung realistisch einzuschätzen und auf einer fundierten Grundlage die nächsten Schritte zu definieren.

    Ein weiterer Punkt, den ich nun zeitnah erledigen muss, betrifft meine neue E-Mail-Adresse. Ich werde Pietro meine exakte neue Adresse übermitteln, damit er mir anschließend seine Einwilligung zur Veröffentlichung seiner Homepage sowie entsprechender Fotos und Bildmaterialien auf meiner eigenen Website geben kann. Auch dieser Schritt ist wichtig, um die Verbindung zwischen den Produzenten und dem Projekt „Genuss aus den Marken“ nach außen sichtbar und authentisch darstellen zu können.

    Nach unserem Gespräch nahm sich Pietro noch die Zeit, mich persönlich durch sein Pastificio zu führen. Er erklärte mir die Funktionen verschiedener Maschinen und gab mir einen Einblick in die einzelnen Abläufe seiner Produktion. Dieser Rundgang war für mich besonders interessant, weil dadurch noch einmal deutlich wurde, wie viel handwerkliches Wissen, Erfahrung und persönlicher Einsatz hinter den Produkten steht.

    Gute Vier Augen Gespräche

    Gerade diese persönlichen Begegnungen sind für mein Projekt von besonderer Bedeutung. „Genuss aus den Marken“ soll nicht einfach eine Plattform für Produkte werden. Vielmehr geht es mir darum, die Menschen, ihre Geschichten, ihre Betriebe und ihre Leidenschaft sichtbar zu machen. Die Produkte sind dabei ein wichtiger Bestandteil – die Menschen dahinter machen sie jedoch erst wirklich authentisch.

    Zum Abschluss unseres Treffens überraschte mich Pietro noch mit einer sehr schönen Geste. Beim Abschied überreichte er mir eine elegante Tüte mit verschiedenen Pasta-Produkten aus Campofilone. Eine kleine Aufmerksamkeit, die mich sehr gefreut hat und gleichzeitig wunderbar zu diesem besonderen Nachmittag passte.

    Mit diesem Treffen ist erneut ein wichtiger Schritt auf dem Weg von „Genuss aus den Marken“ gemacht worden. Wieder ist aus einer Idee ein konkreter persönlicher Kontakt entstanden – und aus einem Kontakt entwickelt sich nun langsam eine mögliche geschäftliche Zusammenarbeit.

    Ich bin mir bewusst, dass der Weg noch lang ist und dass eine solche Kooperation nicht innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden kann. Gerade deshalb halte ich die vereinbarte Vorgehensweise für richtig. Geduld, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen werden entscheidend dafür sein, ob aus den heutigen ersten Vereinbarungen langfristig eine erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht.

    Nach dem Treffen sind wir anschließend nach Pedaso gefahren. Dort sind wir noch ein Stück am Lungomare spazieren gegangen und haben diesen besonderen Tag ein wenig auf uns wirken lassen. Bei einem Espresso haben wir die neu entstandene Kooperation noch einmal „sacken lassen“.

    Danach ging es über die A14 und die Schnellstraße zurück nach Valcerasa. Dort sind wir noch eine Kleinigkeit essen gegangen und haben den Tag schließlich bei einem Spritz ausklingen lassen.

    Ein langer, ereignisreicher und zugleich sehr schöner Tag ging damit zu Ende.

    Wenn ich den heutigen Tag am Ende noch einmal Revue passieren lasse, bleibt vor allem ein

    Gedanke: Das Projekt „Genuss aus den Marken“ beginnt zu leben.

    Noch sind es einzelne Begegnungen, Gespräche und erste Vereinbarungen. Aber allmählich entsteht daraus ein Gesamtbild. Schritt für Schritt nimmt das Projekt konkretere Formen an. Und genau darin liegt für mich derzeit der besondere Reiz: Zu erleben, wie aus einer persönlichen Idee langsam ein reales Projekt entsteht – mit Menschen, mit Geschichten, mit Produkten und vielleicht schon bald auch mit ersten nachhaltigen geschäftlichen Verbindungen zwischen den Marken und Deutschland.

    Der heutige Tag war dafür ein weiterer, wichtiger Baustein.

  • 29.08.2026 – Valcerasa Falconara – München

    29.08.2026 – Valcerasa Falconara – München

    Wir waren unterwegs, um meiner Enkelin noch einmal das marchigianische Entroterra – das Landesinnere der Marken – zu zeigen. Eine Gegend, in der die Straßen kurvenreicher werden, die Dörfer immer kleiner und die Landschaft dafür umso schöner.

    Unsere Route führte uns über San Severino Marche, Castelraimondo, Matelica und Fabriano bis zum Flughafen Raffaello Sanzio in Falconara.

    Der Retter unserer knurrenden Mägen

    Natürlich hatten wir nicht nur die Landschaft im Auge. Wir hofften insgeheim auch darauf, irgendwo eine typische einheimische Trattoria zu finden. Schließlich kann man das marchigianische Entroterra nicht einfach durchfahren, ohne wenigstens einmal irgendwo an einem Tisch zu sitzen, vor sich einen Teller Pasta zu haben und sich einzureden, dass man eigentlich gar keine Eile hat.

    Doch an diesem Tag schien die italienische Gastronomie beschlossen zu haben, sich vor uns zu verstecken.

    Wir fanden keine Trattoria.

    Auch kein Ristorante.

    Nicht einmal ein kleines, hoffnungsvolles Schild mit der Aufschrift „Cucina casalinga“, das uns wenigstens den Weg zu einem Teller Hausmannskost gewiesen hätte.

    Wir fuhren weiter.

    Und weiter.

    Der Himmel wollte und auf Diät halten

    Selbst entlang der Statale 16 Adriatica wollte sich bis Ancona kein geeignetes Ristorante zeigen. Unser Hunger wurde inzwischen immer gesprächiger und meldete sich in regelmäßigen Abständen mit einem deutlichen Knurren zu Wort.

    Schließlich mussten wir kapitulieren.

    Der Feind war nicht die Zeit.

    Der Feind war der Hunger.

    Also steuerten wir – widerwillig, aber mit inzwischen sehr vernünftigen Motiven – den nächsten Retter unserer leiblichen Bedürfnisse an:

    Mac Donald’s.

    Es war mittlerweile 14:00 Uhr, und das Lokal lag nur etwa fünf Minuten vom Flughafen entfernt. Für ein gemütliches italienisches Mittagessen war die Zeit ohnehin vorbei. Also blieb uns nichts anderes übrig, als das zu essen, was wir eigentlich vermeiden wollten.

    Manchmal ist das Leben eben kein Teller Tagliatelle al ragù.

    Manchmal ist es ein Hamburger.

    Flughafen Raffaello Sanzio

    Gegen 15:00 Uhr fuhren wir schließlich zum Flughafen. Dort gönnten wir uns erst einmal unseren obligatorischen Caffè. Ein italienischer Caffè ist schließlich kein Getränk, sondern eine Art Reset-Taste für den Menschen.

    Um etwa 15:50 Uhr wurde der Koffer aufgegeben. Kurz darauf war Boarding angesagt.

    Der Flieger hob schließlich mit ungefähr zwanzig Minuten Verspätung ab. Meine Enkelin landete gegen 18:30 Uhr in München – etwas verspätet, aber ansonsten nach einem völlig problemlosen Flug.

    Damit hätte der Tag eigentlich beendet sein können.

    Eigentlich.

    Aber eine kleine Geschichte von der Rückfahrt muss ich noch erzählen.

    Die KI-Stimme der Autobahnen – dein Freund und Helfer

    Da ich das Entroterra mittlerweile ziemlich gut kenne, hatte ich beschlossen, für die Rückfahrt die Autobahn zu nehmen.

    Und nein, keine Sorge: Ich bin nicht etwa über die Telepass-Spur gefahren. So viel Abenteuer wollte ich mir dann doch nicht zumuten.

    Ich nahm ganz normal die Mautspur.

    In Loreto-Portorecanati fuhr ich von der Autobahn ab. Und genau dort hatte ich plötzlich das Gefühl:

    Jetzt fängt die Geschichte wieder von vorne an.

    Ich blieb also vorsichtshalber auf meiner Ausfahrtspur stehen und beschloss, mich keinen Zentimeter zu bewegen. Notfalls hätte ich eben einen kleinen Stau bis Ancona verursacht.

    Was sind schon ein paar hundert genervte Italiener, wenn es um die ordnungsgemäße Bezahlung der Autobahnmaut geht?

    Ich schob mein Mautticket in den Automaten.

    Einmal.

    Das Ticket kam zurück.

    Ich versuchte es ein zweites Mal.

    Wieder kam das Ticket zurück.

    Diesmal mit der wenig freundlichen Mitteilung, dass das Ticket nicht lesbar beziehungsweise ungültig sei.

    Na wunderbar.

    Ich sah mich bereits als unfreiwilligen Dirigenten eines italienischen Hupkonzerts. Hinter mir würden wahrscheinlich in wenigen Sekunden die ersten Fahrer anfangen, ihre Meinung über meine Fahrkünste, meine Herkunft und vermutlich auch über meine gesamte Existenz kundzutun.

    Doch dann geschah etwas Erstaunliches.

    Eine weibliche KI-Stimme meldete sich.

    Ruhig.

    Freundlich.

    Fast mütterlich.

    Sie fragte mich, ob meine Einfahrtstation Ancona Nord gewesen sei.

    Ich antwortete:

    „Ja.“

    Daraufhin wurde ich aufgefordert, die entsprechende Maut zu entrichten.

    Ich bezahlte.

    Und plötzlich war der ganze Spuk vorbei.

    Kein Hupkonzert.

    Keine wütenden Italiener.

    Keine dramatischen Gesten.

    Keine Diskussion mit einem Menschen, der mir erklären musste, warum mein Ticket plötzlich beschlossen hatte, nicht mehr gültig zu sein.

    Die KI hatte mich gerettet.

    Die „Croccantini“ Abenteuer

    Ich muss zugeben: Seit diesem Tag sehe ich die italienische Autobahnverwaltung mit etwas anderen Augen.

    Manchmal braucht man eben keinen Schutzengel.

    Manchmal genügt eine freundliche Frauenstimme aus einem Mautautomaten.

    Luis und die geheimnisvollen Croccantini

    Und dann wäre da noch die Sache mit Luis.

    Bei unserem kleinen Grillfest Anfang August hatte mich mein Enkel Luis gebeten, ihm doch die guten Croccantini aus Italien mitzubringen.

    Natürlich versprach ich ihm sofort, dass ich sie auf meine Einkaufsliste setzen würde.

    Ich war mir meiner Sache ziemlich sicher.

    Schließlich hatte ich bereits im Jahr zuvor in dutzenden Geschäften nach diesen geheimnisvollen Croccantini gesucht. Erst kurz vor der Rückfahrt war ich tatsächlich fündig geworden.

    Ich wusste also genau, wo ich sie kaufen konnte.

    Dachte ich.

    Voller Zuversicht steuerte ich das Geschäft an.

    Und dann begann die Suche.

    Was soll ich sagen?

    Keine Croccantini.

    Nicht ein einziges.

    Ich ging also zu einem Angestellten und fragte ihn freundlich, ob er wisse, wo die Croccantini zu finden seien.

    Der Mann war ausgesprochen hilfsbereit, zeigte in eine bestimmte Richtung und erklärte mir, dort müsste ich sie finden.

    Also marschierte ich los.

    Ich kam an.

    Ich schaute.

    Ich suchte.

    Nichts.

    Keine Croccantini.

    Langsam muss ich ziemlich verdutzt ausgesehen haben, denn ein zweiter Angestellter bemerkte meine Ratlosigkeit und fragte mich, wonach ich suche.

    Ich sagte wieder:

    „Croccantini.“

    Er schaute mich an, zeigte auf das Regal und sagte sinngemäß:

    „Die stehen doch direkt hinten Ihnen.“

    Ich drehte mich um.

    Und tatsächlich.

    Da waren sie.

    Croccantini.

    Nur leider für Hunde.

    In diesem Augenblick wurde mir klar, dass wir möglicherweise zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, was ein Croccantino ist.

    Ich dachte nur:

    Hier läuft doch gerade ein falscher Film.

    Ich wollte meinem Enkel Luis schließlich keine Hundeleckerli aus Italien mitbringen.

    Die Croccantini, die ich suchte, waren schließlich diese chipartigen Streifen mit Pancetta- beziehungsweise Bacon-Geschmack.

    Das erklärte ich dem Mann.

    Er blieb gelassen.

    Sehr gelassen.

    Er meinte, so etwas könnte es vielleicht bei den Kartoffelchips geben.

    Also begann die zweite Suche.

    Doch auch sie blieb erfolglos.

    Keine Croccantini.

    Kein Bacon.

    Kein Luis-Glück.

    Und langsam nahm die Angelegenheit Dimensionen an, die für einen einfachen Snack eigentlich nicht vorgesehen waren.

    Wir fuhren schließlich weiter und kamen in Roccolo an.

    Dort schrieb ich meiner Bizi auf Formentera:

    Die Suche nach den Croccantini für Luis habe sich inzwischen zu einer regelrechten „Mission Impossible“ entwickelt.

    Ich bat sie, wenn sie wieder zu Hause sei, so nett zu sein und mir eine Packung beziehungsweise ein Foto der gesuchten Köstlichkeit per SMS zu schicken.

    Die Antwort kam bereits wenige Minuten später.

    Und plötzlich war das Rätsel gelöst.

    Die Croccantini heißen überhaupt nicht Croccantini.

    Sie heißen:

    Croccantelle al Gusto Bacon.

    Aha!

    Man lernt nie aus.

    Immerhin hatte ich jetzt einen Namen.

    Meine Bizi erinnerte sich außerdem daran, dass sie die Croccantelle entweder bei Spar oder bei Conrad gekauft hatte.

    Mit Spar konnte ich etwas anfangen.

    Aber dann fiel noch der Name „Conrad“.

    Und da wurde es schwierig.

    Conrad?

    Ein Elektrogeschäft in München?

    Sollte ich tatsächlich bei Conrad nach italienischen Bacon-Chips suchen?

    Die Mission Croccantelle läuft.

    Ich vermutete dann doch, dass meine Bizi wahrscheinlich Conad und nicht Conrad gemeint hatte.

    Was ja auch wesentlich vernünftiger wäre.

    Nun habe ich also noch ein paar Tage Zeit.

    Die Mission war damit keineswegs beendet.

    Im Gegenteil.

    Jetzt wusste ich wenigstens, wonach ich suchen musste.

    Die Jagd ging also weiter.

    Ran an die Croccantelle!

    Wir geben nicht auf.

    Schließlich geht es hier nicht um irgendeinen Snack.

    Es geht um den Wunsch eines Enkels.

    Und ein Großvater, der seinem Enkel etwas versprochen hat, kann nicht einfach klein beigeben.

    Notfalls wird eben halb Italien nach Croccantelle al Gusto Bacon abgesucht.

    Denn am Ende soll Luis bekommen, was er sich gewünscht hat.

    Und wenn ich dafür noch einmal durch dutzende Geschäfte marschieren muss, in Regale schauen muss, italienische Verkäufer befragen muss und womöglich wieder vor einem Regal mit Hundeleckerli lande – dann sei es so.

    Und diesmal wissen wir wenigstens, wie der Gegner heißt.

  • 19.08.2026 – Ein Tag, der holprig begann und schön endete

    19.08.2026 – Ein Tag, der holprig begann und schön endete

    Als ich den Reisebericht für den 18.08.2026 gerade fertiggestellt hatte, wollte ich mir nur einen Schluck Wasser gönnen. Doch wie es der Teufel wollte, rutschte mir beim Abstellen das Trinkglas aus der Hand, und ein wenig Wasser ergoss sich über die Tastatur. Ich wischte sofort alles ab – statt des Laptops rasch umzudrehen. Genau das war der Fehler, denn durch das Wischen konnte Wasser ins Innere des Laptops gelangen.

    Damit hieß es erst einmal: Pause für mein Urlaubstagebuch.

    Im Internet konnte ich einige Informationen ergattern, die ich anschließend auch befolgte. Erschrocken bin ich allerdings, als ich las, man solle den Laptop in eine Art Uhr-Stellung bringen und ihn 48 Stunden so stehen lassen. Diese Empfehlung setzte ich mit einem weinenden Auge um, denn es war ja keine große Wassermenge, die möglicherweise eingedrungen war – und 48 Stunden sind immerhin zwei ganze Tage.

    Na gut, dachte ich mir, lass dir davon nicht den Tag verderben – genieße ihn trotzdem.

    Am Morgen hatte ich außerdem einen kleinen Schwindelanfall, den ich mir zunächst nicht erklären konnte. Vielleicht, so dachte ich später, lag es an der offenen Wassermelone, die ein wenig merkwürdig geschmeckt hatte.

    La serata dalle 5 Ragazze a Campofilone

    Für den Abend hatte Christine eine großartige Idee: Wir sollten in Campofilone essen gehen, im Ristorante Le 5 Ragazze.

    Schon der Name Campofilone trägt den Klang eines alten marchigianischen Dorfes in sich: ein kleiner Ort in der Provinz Fermo, hoch über der Adriaküste und dem Tal des Aso gelegen, mit mittelalterlichem Ortskern, Mauern und weitem Blick über Hügel und Meer. Berühmt wurde Campofilone vor allem durch seine hauchdünnen Maccheroncini, deren Tradition bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich waren sie eine kluge Vorratsspeise der ländlichen Küchen: aus Eiern und Mehl bereitet, sehr fein geschnitten und langsam getrocknet, damit man sie das ganze Jahr über genießen konnte. Später wurden sie zu einer kostbaren Spezialität des Ortes – so zart, dass man sie poetisch mit Engelshaar verglich. Seit 2013 sind die Maccheroncini di Campofilone sogar als IGP geschützt, und damit ist ihr Name untrennbar mit diesem Dorf verbunden.

    Das Ristorante ist ein alteingesessenes Lokal in Campofilone, das bereits seit über 100 Jahren in Familientradition geführt wird. Neben vielen marchigianischen Spezialitäten gibt es dort natürlich Maccheroncini di Campofilone in unzähligen Variationen. Auch gute Weine werden angeboten – doch ich blieb, soweit möglich, meinem Motto treu: Wein della Casa. In diesem Fall war es ein sehr guter Rosso Piceno.

    Da ich wusste, welche Portionen in diesem Ristorante serviert werden, bestellten wir unser Menü mit Bedacht und mit viel Rücksicht auf die einzelnen Gänge.

    Wir bestellten ein 5-Ragazze-Antipasto für uns drei, dazu zwei Portionen Maccheroncini al Ragù, acht Lamm-Arrosticini pro Person – wobei schließlich 30 statt 24 auf den Tisch kamen – und als Beilage Rucolasalat mit Parmesanflocken. Zum Abschluss gönnten wir uns zwei Espresso und einen Averna.

    Es wurde ein rundum gelungener Abend. Dem Ristorante muss ich wirklich ein Lob aussprechen: Obwohl man für das Abend-Dinner eigentlich vorbestellen muss, tat die Geschäftsleitung alles, damit wir dennoch einen Tisch bekamen.

    Gegen Mitternacht kamen wir schließlich in unsere Ferienwohnung zurück – vollkommen entspannt, zufrieden und dankbar für einen Tag, der zwar mit einem Schrecken begonnen hatte, aber in wohliger Freude ausklang.

  • 17.08.2026 – In die Marken – Fermo und das Meer

    17.08.2026 – In die Marken – Fermo und das Meer

    Nachdem wir Castrocaro verlassen hatten, fuhren wir in Richtung Autobahn A14. Doch mein Missgeschick vom Vortag ließ mich noch immer nicht los; es kreiste wie ein hartnäckiger Gedanke in meinem Kopf. An der Auffahrt zur A14 entdeckte ich schließlich eine scheinbare Dienststelle der Autobahngesellschaft und steuerte sie ohne Zögern an. Dort wollte ich meinen inzwischen gereiften Gedanken vorbringen: Wenn ich das Ticket vom Brenner in Fermo abgeben würde, müsste damit doch eigentlich alles abgegolten sein. Diese Lösung erschien mir in diesem Moment vollkommen logisch.

    Falscher Gedanke, aber Lösung in Sicht.

    Meine Logik wurde von der freundlichen Dame jedoch entschieden, fast brutal, abgeschmettert. Einen Grund nannte sie mir nicht, doch sie erklärte ruhig, ich hätte fünfzehn Tage Zeit, die Maut online zu begleichen. Damit kehrte mein innerer Frieden langsam zurück. Also fuhren wir weiter in Richtung Fermo und Porto San Giorgio, das wir nach zweieinviertel Stunden, etwa gegen Mittag, erreichten.

    Sofort machte ich mich auf die Suche nach der Hundestrandbar „Minonda“. Schon beim Betreten des Restaurants umfing mich dieser herrliche mediterrane Küchenduft: Pasta, Fisch, gegrilltes Fleisch und all die Aromen, die nach Sonne, Meer und Urlaub schmecken. Da dachte ich: nicht nur hundefreundlich — hier bin ich angekommen.

    Ich bestellte sofort einen Tisch für drei. Bei meiner Anfrage nach Sonnenschirm und Liegen für vier Tage wurde ich freundlich an eine andere Stelle verwiesen.

    Sonnenschirm und Liegen gebucht

    Der dafür zuständige junge Mann beantwortete all meine Fragen geduldig und freundlich — mal mit einer einfachen Erklärung, mal mit einem schlichten Ja. Er erklärte mir die Regeln für den Aufenthalt mit Hund am Strand und hätte gern ein ausgefülltes Formular von mir gehabt. Leider waren keine Formulare mehr vorhanden, sodass wir es am nächsten Morgen, an unserem ersten Badetag, ausfüllen würden.

    Ein traumhaftes Mittagsmenü

    Gegen 12:30 Uhr gingen wir schließlich zum Essen, und der verführerische Duft wurde Wirklichkeit.

    Wir bestellten die Chef-Degustation — ein Menü von der Vorspeise bis zur Nachspeise. Es war eine wunderbare Wahl. Mit großer Freude genossen wir diese überwiegend auf Fisch basierende, gaumenfreundlich komponierte Folge von Speisen, die uns den Mittag auf köstliche Weise veredelte.

    Wir genossen diese Speisefolge bis kurz nach 15:00 Uhr in vollen Zügen. Dazu tranken wir einen gut gekühlten Falerio Pecorino, der sich als ideale, fast vollkommene Begleitung zu unserem Menü erwies. Wie alle schönen Dinge auf dieser Welt ging auch unser Mittagessen irgendwann zu Ende. Vollkommen zufrieden standen wir schließlich auf und machten uns auf den Weg zu unserem gebuchten Quartier.

    Navigations-Missstände

    Bei der Eingabe der Adresse unterlief mir ein kleiner Fehler bei der Hausnummer, den ich zunächst nicht bemerkte. So landeten wir nicht in der Contrada Camera 82, sondern bei Nummer 39. Dort stellte sich heraus, dass ich tatsächlich die falsche Hausnummer eingegeben hatte. Der sehr freundliche Mensch vor Ort wusste allerdings ebenfalls nicht genau, wo sich die Nummer 82 befand. Also versuchten wir mit vereinten Kräften und mithilfe von Google Maps, Licht ins Dunkel zu bringen. Schließlich ergab sich: Die Nummer 82 musste etwa 1,5 Kilometer weiter entfernt liegen.

    Mit neuem Mut starteten wir in die angezeigte Richtung — nur um bald festzustellen, dass es doch nicht so einfach war. Also hieß es: Notbremse ziehen und den Besitzer von Cà Nick anrufen. Gesagt, getan. Nachdem ich Antonio unseren Standort beschrieben hatte, schien die Verwirrung zunächst eher größer als kleiner zu werden. Schließlich vereinbarten wir einen neuen Treffpunkt: Antonio würde uns dort abholen. Also fuhren wir zurück zum Rondell, das von Porto San Giorgio heraufführt.

    Tatsächlich erschien Antonio nach etwa fünfzehn Minuten mit seinem Panda — und das kleine Navigationsdrama fand ein glückliches, beinahe heiteres Ende.

    Die Cà Nic Ferienwohnung

    Nach etwa sieben bis acht Minuten kamen wir bei unserem Quartier an: einem sehr schönen Agriturismo, mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und von einer wohltuenden Ruhe umgeben.

    Antonio Fraus und Sabine begrüßten uns sehr herzlich. Die beiden zeigten uns das Apartment, in dem wir bis zum kommenden Samstag wohnen würden: sehr schöne Räume, ebenfalls mit großer Liebe gestaltet, warm, einladend und voller kleiner Details.

    Nach diesem Rundgang brachten wir, mit Antonios Hilfe, unsere Koffer ins Apartment.

    Christine und unsere Enkelin fuhren anschließend noch einkaufen, und ein schöner Genusstag mit kleinen Hürden neigte sich langsam seinem Ende zu.

    Wir genossen noch den Sonnenuntergang auf unserer kleinen Terrasse — diesen stillen, goldenen Abschiedsgruß des Tages — und gingen danach zufrieden schlafen.