Langsam, aber sicher neigt sich unser Urlaub dem Ende zu. Nur noch drei Tage in den Marken – und wie immer, wenn sich ein Urlaub dem Schluss nähert, stellt sich dieses etwas merkwürdige Gefühl ein: Einerseits freut man sich irgendwann wieder auf das eigene Zuhause, andererseits möchte man am liebsten die Zeit anhalten und einfach noch ein paar Wochen hierbleiben.
Nachdem sich einige Produzenten, die ich kontaktiert hatte, immer noch nicht gemeldet haben, habe ich heute diesbezüglich eine Entscheidung getroffen: Wenn die Herren Produzenten nicht zu mir kommen, dann komme ich eben zu ihnen – oder besser gesagt, ich suche mir andere Produzenten. Schließlich kann man nicht ewig auf eine Antwort warten, vor allem dann nicht, wenn der Kalender langsam unmissverständlich darauf hinweist, dass die Abreise näher rückt.
Ich suche weiter.
So machten wir uns heute Morgen auf den Weg in Richtung Belforte del Chienti. Dort wollte ich bei einem Frantoio, also einer Ölmühle, vorsprechen. Leider stellte sich der Besitzer nicht gerade von seiner gastfreundlichsten Seite vor. Er war lediglich telefonisch erreichbar, sodass ich nicht einmal die Gelegenheit bekam, mein Projekt vernünftig zu erklären oder überhaupt darzulegen, worum es eigentlich ging.
Seine Schlussphrase war dann kurz, knapp und vermutlich gut eingeübt:
„Ich bin nicht interessiert.“
Nun ja. Auch solche Situationen gehören offenbar dazu. Man muss sie nehmen, wie sie kommen – oder zumindest so tun, als würde man sie gelassen nehmen. Vielleicht hat er mich tatsächlich für einen Vertreter gehalten, der ihm irgendein Produkt verkaufen wollte. Und auch solche Missverständnisse muss ich akzeptieren. Schließlich kann man niemanden dazu zwingen, sich für etwas zu interessieren, auch nicht, wenn man selbst gerade der Meinung ist, dass es sich um eine ganz hervorragende Idee handelt.
Zum Glück hatte ich noch einen zweiten Produzenten in petto.
Also fuhren wir weiter nach Pollenza Scalo. Dort befindet sich eine Firma, die gleich zwei Dinge miteinander verbindet: Mühle und Ölmühle. Nachdem wir zunächst noch eine kleine, unfreiwillige Pollenza-Rundfahrt absolviert hatten – man könnte auch sagen, wir haben die örtliche Infrastruktur etwas genauer kennengelernt –, kamen wir schließlich an der Mühle an.
Die Mühle heißt Fratini und wird von zwei riesigen Silos dominiert, die das gesamte Areal überragen. Schon von Weitem machten sie deutlich, dass hier nicht gerade mit Teelöffeln gearbeitet wird.
Ich fand gleich den richtigen Ansprechpartner.
Giacomo, der Inhaber, war gerade dabei, gemeinsam mit einem Mitarbeiter Mehlsäcke aufzubereiten. Ich erklärte ihm kurz, worum es bei meinem Projekt ging, und er bat mich anschließend, ihm in sein Büro zu folgen.
Was dann folgte, war ein ausgesprochen konstruktives Gespräch.
Wir unterhielten uns intensiv über mein Vorhaben, und dabei konnte ich auch einige seiner Ideen mitnehmen, die sich möglicherweise tatsächlich realisieren lassen. Es sind gute und vor allem praktische Ideen, die später potenziellen Kunden zugutekommen könnten.
Ein wesentlicher Punkt dreht sich dabei um die Speditionskosten. Diese müssen unbedingt auf ein Minimum reduziert werden. Wie genau das geschehen soll, wird eine der ersten Aufgaben sein, die ich lösen muss, sobald ich wieder zu Hause bin.
Das Gespräch dauerte über eine Stunde – und am Ende stand fest: Giacomo wird Teil der Produzenten sein, die im Rahmen von „Genuss aus den Marken“ dem deutschen Publikum vorgestellt werden.
Also doch noch ein voller Erfolg!
Zuerst die Arbeit dann den Knurrenden Magen
Nachdem der erste Termin eher nach dem Motto „Danke, kein Interesse, schönen Tag noch“ verlaufen war, konnte der zweite Termin kaum besser laufen. Manchmal muss man eben erst eine Tür vor der Nase zugeschlagen bekommen, bevor sich daneben eine wesentlich schönere öffnet.
Danach beschlossen wir, diesem kleinen Erfolg einen angemessenen festlichen Charakter zu verleihen. In San Severino gönnten wir uns zunächst ein Aperitivo, bevor wir anschließend nach Rocchetta fuhren, einer Contrada von San Severino Marche, wo wir bei Fabio im Ristorante-Pizzeria einkehrten.
Dort wurde dann selbstverständlich wieder ausgiebig gegessen. Schließlich muss ein erfolgreicher Geschäftstag auch kulinarisch ordentlich abgeschlossen werden.
Ich bestellte Mezze Maniche al Tonno con Pomodorini e Basilico – also Nudeln mit Thunfisch, Kirschtomaten und Basilikum.
Christine entschied sich für Tagliatelle allo Scoglio, also Bandnudeln mit verschiedenen Meeresfrüchten.
Als zweiten Gang nahm sie Fritto misto di Pesce, während ich mich für Baccalà Fritto, also frittierten Kabeljau, entschied. Dazu gab es einen gemischten Salat, damit wenigstens der Anschein einer gewissen Ausgewogenheit gewahrt blieb.
Christine machte Fabio anschließend ein Riesenkompliment. Der Fritto misto sei das Beste gewesen, was sie in diesem Jahr gegessen habe – und das will etwas heißen, denn selbst in Porto San Giorgio hatte sie schon sehr ordentlich gegessen.
Danach gab es noch einen Espresso corretto alla Varnelli. Das ist in den Marken offenbar die bevorzugte Variante gegenüber Cognac oder Brandy. Man könnte also sagen: Der Kaffee bekam noch einen kleinen regionalen Motivationsschub.
Danach könnt ihr euch wahrscheinlich ungefähr vorstellen, welche Position ich in Valcerasa eingenommen habe.
Schließlich war ich seit vier Uhr morgens schon wach – und irgendwann fordert ein solcher Tag seinen Tribut. Christine hingegen nahm den bestens bekannten Weg in Richtung Pool. Sie hatte offenbar noch genügend Energie für die sportliche Disziplin „Schwimmen und Nichtstun“.
Ich hingegen entschied mich zunächst für eine etwas profanere Tätigkeit und ging später noch einkaufen.
Allerdings nur vorsichtshalber.
Abendessen ausgefallen
Denn eigentlich hatten wir nach diesem ausgiebigen Mittagessen überhaupt keinen Hunger. Aber man kennt das ja: Kaum hat man nichts im Haus, kommt plötzlich der große Hunger. Und so wollte ich für den Fall der Fälle vorbereitet sein.
Als mögliche Abendessen-Alternative waren Schinken, Melone und Trauben vorgesehen.
Es kam allerdings anders.
Wir begnügten uns schließlich mit ein paar Trauben und spielten dabei unsere tägliche Runde Rommé.
Auch das gehört mittlerweile zu unserem festen Urlaubsprogramm: gutes Essen, ein bisschen Wein, viel Sonne, gelegentliche geschäftliche Überraschungen – und am Abend eine Runde Rommé.
Und während draußen langsam der Tag zu Ende ging, wurde uns einmal mehr bewusst, dass tatsächlich nur noch drei Tage in den Marken vor uns liegen.
Der Urlaub neigt sich dem Ende zu.
Aber immerhin können wir sagen: Heute hat sich die Suche nach einem weiteren Produzenten gelohnt.
Und manchmal braucht es eben einen etwas unfreundlichen „Bin nicht interessiert“-Moment, damit am Ende ein sehr freundliches „Wir sind dabei“ daraus wird.

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