06.09.2026 – Endlich gefunden: Der perfekte Pecorino

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Die suche Nach Luciano Dedoni

Nachdem ich letzten Sonntag eher durch Zufall – und nach einer kleinen Irrfahrt durch die Contrada Calcavenaccio in Tolentino – nicht meinen Favoriten, die Käserei von Luciano Dedoni, gefunden hatte, stand heute der eigentliche Besuch an.

Wie am Donnerstag mit Luciano vereinbart, trafen wir uns heute um 10:30 Uhr in der Käserei.

Ich kam gegen 10:15 Uhr in der Via Fratelli Cervi an. Natürlich – und wie sollte es auch anders sein – war ich zunächst wieder an der falschen Stelle. Ich war die Straße bis zu ihrem höchsten Punkt hinaufgefahren, hatte dort allerdings von einer Käserei ungefähr so viel gesehen wie von einem Flughafen. Keine Käserei, kein Schild, kein Käsegeruch – einfach nichts.

Also rief ich, wie vereinbart, Luciano an, um weitere Hinweise zu bekommen. Es stellte sich heraus, dass ich mein Ziel lediglich um ungefähr 500 Meter verfehlt hatte. Für einen Menschen mit Navigationssystem vielleicht eine Kleinigkeit, für mich allerdings wieder einmal der Beweis, dass meine persönliche Beziehung zu italienischen Straßen durchaus noch Entwicklungspotenzial besitzt.

Der Besitzer der Käserei ist ein sehr rüstiger und freundlicher Herr von etwa 65 Jahren. Er erwartete mich bereits vor der Einfahrt zur Käserei. Ich fuhr mit dem Auto in den Hof, übergab es an Christine und folgte Luciano anschließend in sein Büro.

Das Gespräch beginnt

Dort angekommen, erklärte ich Luciano zunächst mein Projekt. Ich möchte mit meinem Buch den deutschen Lesern die Marchigianischen Produzenten näherbringen und ihnen zeigen, welche hervorragenden Produkte und Produzenten es in dieser Region gibt. Und natürlich gehört der Pecorino D.O.P., der in den Marken produziert wird, unbedingt dazu.

Nach meiner Vorstellung führte mich Luciano durch seine Produktionsstätte.

Leute, ich sage euch: Wenn man eine solche, ganz spezielle Käserei betritt, wird die eigene Nase von diesem wunderbaren Duft dermaßen gekitzelt, dass man am liebsten sofort frisches Brot, Honig Millefiori und ein Glas Weißwein auf den Tisch stellen würde, um die eigene Zunge direkt vor Ort mit einer kleinen Degustazione, also einer Verkostung, zu verwöhnen.

Es ist schon erstaunlich, welche Wirkung Käsegeruch auf einen Menschen haben kann. Man betritt eine Käserei mit der festen Absicht, sich zunächst alles ganz sachlich anzusehen – und plötzlich beginnt der Magen, eigene Verhandlungen mit dem Gehirn aufzunehmen.

Unsere Gespräche dauerten über eine Stunde. Wir sprachen über die Käserei, über den Pecorino, über mein Buchprojekt und natürlich auch darüber, wie wir die Zusammenarbeit gestalten könnten.

Am Ende stand fest: Wir wollen zusammenarbeiten.

Ich habe Luciano meine Einwilligungserklärung dagelassen, damit alle gesetzlichen Vorgaben und insbesondere die DSGVO hinsichtlich der Veröffentlichung und der Verbindung zu seiner Webseite berücksichtigt werden. Er soll sich alles in Ruhe durchlesen und die Unterlagen anschließend über seinen Sohn unterschrieben zurücksenden.

Ich werde, sobald ich wieder zu Hause bin, außerdem eine Zusammenfassung unseres Gesprächs an Luciano schicken, damit auch er diese in seinen Unterlagen ablegen kann.

Als wir uns schließlich verabschiedeten, überraschte mich Luciano noch mit zwei Formen Pecorino: eine frische und eine Stagionato (Gereift), also eine gereifte Variante.

Luciano Kostbarkeit – Pecorino

Diese beiden Kostbarkeiten werden wir sehr behutsam verbrauchen und vor allem mit dem nötigen Respekt genießen. Schließlich handelt es sich nicht um irgendeinen Käse, sondern um die kulinarische Belohnung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – und um zwei kleine Stücke Italien, die nun mit uns nach Deutschland reisen.

Damit sind mittlerweile vier Interessenten aus den Marken an Bord:

  1. Agriturismo Cà Nick – Fermo
  2. Pastificio Pietro De Carlonis – Campofilone
  3. Frantoio Giacomo Fratini – Pollenza
  4. Pecorino D.O.P., Käserei Luciano Dedoni – Tolentino                                                                   

Weitere Produzenten stehen noch aus. Bei einigen konnte bisher noch kein persönliches Gespräch stattfinden. Meine Webseite steht bei ihnen jedoch bereits im Fokus, und es besteht die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt eine Kooperation zu beginnen.

Sobald ich von den jeweiligen Produzenten – sei es auf postalischem Weg oder per E-Mail – die entsprechende Erlaubnis erhalte oder das persönliche Gespräch stattgefunden hat, werde ich sie selbstverständlich sofort in das Projekt aufnehmen.

Natürlich beflügeln mich diese Erfolge. Sie geben mir noch mehr Motivation, alles aus mir herauszuholen und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen – immer mit dem Ziel, eine positive Entwicklung für alle Beteiligten zu erreichen.

Und nach so viel Pecorino, Zusammenarbeit, Gesprächen und Zukunftsplänen hätten wir vor lauter Freude beinahe das Mittagessen vergessen.

Kurze Einkauf bei AOASIS

Denn auf dem Rückweg machte sich plötzlich jemand bemerkbar. Nicht Luciano, nicht ein Produzent und auch nicht mein schlechtes Gewissen – mein Magen.

Er knurrte so deutlich, dass eigentlich nur noch eine offizielle Beschwerde bei der Reiseleitung gefehlt hätte.

Also bogen wir in Tolentino kurz bei AOASI ab und besorgten ein paar Fettine di Manzo, also Rindersteaks.

Bitte nicht missverstehen: Fettine sind in Italien sehr fein geschnittene Fleischscheiben, ungefähr fünf Millimeter dünn, die sich wunderbar schnell mit Rosmarin, Salbei und Knoblauch zubereiten lassen.

Dazu gab es einen passenden Tomatensalat, ein Glas Passerina-Wein und zwei Stück Zwiebel-Crescia, also eine Art Weißpizza.

Und voilà – das Mittagessen war serviert.

Ich verrate euch jetzt nicht, was ich nach dem Mittagessen gemacht habe …

Sicherlich nicht das, was ihr jetzt denkt.

Zuerst habe ich abgespült.

Auch das gehört schließlich zum italienischen Landleben: Erst wird gegessen, dann wird gespült und erst danach darf man über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachdenken.

Kaum war diese kulinarische Pflicht erledigt, hörte ich plötzlich einen merkwürdigen Ruf:

„Franco, ich vermisse Dich!“

Nun ja, was soll man da machen? Wenn man so eindringlich gerufen wird, muss man dem Ruf natürlich folgen.

Also nahm ich die horizontale Position ein.

Währenddessen machte sich Christine auf den Weg zum Pool. Dieses Mal allerdings nicht allein. Der Roccolo-Kater hatte offenbar beschlossen, seine Aufgaben als persönlicher Sicherheitsdienst ernst zu nehmen. Er begleitete sie und verfolgte sie auf Schritt und Tritt.

Man kann schließlich nie vorsichtig genug sein, wenn eine Frau in Richtung Swimmingpool unterwegs ist.

San Severino und das internationale Straßenessen

Am Abend wollten wir nach San Severino Marche. Dort fand eine Sagra statt, die sich – ganz bescheiden – „Street Food“ nannte.

Klar.

Warum sollte man einfach „Essen auf der Straße“ sagen, wenn man mit zwei englischen Wörtern sofort den Eindruck eines internationalen Großereignisses erzeugen kann?

Na ja, wie dem auch sei: Offenbar schaffen wir es inzwischen kaum noch, unsere eigene Sprache zu benutzen, ohne ihr vorher ein paar fremde Wörter als modisches Accessoire umzuhängen.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob „Street Food“ tatsächlich besser schmeckt als „Cibo da Strada“.

Vielleicht klingt es einfach moderner. Internationaler. Knuspriger.

Und wahrscheinlich kostet es mindestens drei Festtage mehr.

Englisch sollte man eigentlich in der Schule oder bei Sprachseminaren lernen. Aber anscheinend reicht heute schon ein Imbissstand mit Neonbeleuchtung, um daraus ein kleines Oxford auf Rädern zu machen.

Vielleicht hätte man dort sogar ein Cambridge-Sandwich bekommen.

Wir jedenfalls bekamen zunächst einmal keinen Parkplatz.

Summa summarum also: ein kleines Fiasko.

Damit war das große internationale Straßenessen für uns erledigt, bevor es überhaupt begonnen hatte. Wir disponierten kurzerhand um und fuhren einfach zu einer Pizzeria in San Severino.

Der Himmel sei Dank: Für eine gewöhnliche „Pizzeria“ habe ich bisher noch kein englisches Ersatzwort gefunden.

Das ist immerhin noch international genug und benötigt keinen Dolmetscher.

Dort angekommen, bestellte ich mutig das kulinarische Hochleistungsprogramm: Acqua gassata, einen halben Liter Rotwein, eine Pizza Diavola und eine Pizza mit Salsicce und Friarielli, also Stängelkohl.

Ah, Verzeihung.

Natürlich muss man das heute international korrekt präsentieren:

Eine „Pizza with Turnip Tops and Sausages“ und eine „Pizza alla Devil’s“.

Das klingt sofort nach Weltreise, Michelin-Stern und Flughafenlounge.

Dabei liegt am Ende doch nur eine Pizza auf dem Teller und kein diplomatischer Staatsakt zwischen Italien und Großbritannien.

Wenn euch also einmal langweilig ist, bestellt in der nächsten Pizzeria einfach genauso.

Ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was ihr bekommt:

Eine Pizza?

Einen völlig verwirrten Kellner?

Oder vielleicht direkt ein Englisch-Zertifikat?

Die Pizza war vom Teig her ordentlich, und auch der Belag bemühte sich tapfer um einen guten Eindruck.

Aber besonders war daran ungefähr so viel wie an einem Kreisverkehr ohne Ausfahrt.

Sie war nicht schlecht.

Sie war nur … bemerkenswert unauffällig.

Der Wein hingegen hatte offenbar beschlossen, seine Karriere als Getränk zu beenden und sich beruflich neu zu orientieren – in Richtung Essig.

So schön er auch aussah: Innerlich war er offensichtlich bereits auf dem Weg in seine nächste Lebensphase.

Ich probierte ihn, schaute ihn an, er schaute mich an – und wir beide wussten, dass aus uns keine langfristige Beziehung mehr werden würde.

Also lehnte ich ihn schweren Herzens ab.

Damit mussten wir uns mit einem niederländischen Bier zufriedengeben.

In Italien.

Nach einer Pizza.

Das ist ungefähr so konsequent wie ein Cappuccino zum Wildschweinbraten.

Wobei mir schon ein halber Fiasco Rosso Piceno oder Rosso Conero völlig gereicht hätte, um dieses Fiasko wenigstens sprachlich und kulinarisch deutlich eleganter aussehen zu lassen.

Aber was soll’s. Jeder Abend kann schließlich nicht mit einem perfekten Pecorino enden. Dieser Abend jedenfalls war für San Severino nicht würdig.

Ein letzter Besuch zum Abschied

Auf der Rückfahrt nach Valcerasa machten wir noch einen Zwischenstopp bei ein Espresso corretto alla Varnelli bei Fabio Ristorante, um uns zu verabschieden – in der Hoffnung, dass wir uns im Jahr 2027 wiedersehen werden.

Und so hat unsere kleine Abschiedstour begonnen.

Morgen steht unser letzter Aufenthaltstag an. Noch einmal bei den Verwandten vorbeischauen, die letzten Besorgungen erledigen, vielleicht noch das eine oder andere Stück Italien im Gepäck verstauen – und dann heißt es:

Deutschland, wir kommen!

Wobei ich jetzt schon weiß:

Ein Teil von uns wird noch lange hierbleiben.

Vielleicht in Form von Pecorino.

Vielleicht in Form eines guten Glases Wein.

Vielleicht auch einfach als Erinnerung an diese Tage, an die Menschen, die wir kennenlernen durften, und an all die kleinen Geschichten, die unterwegs entstanden sind.

Und genau dafür lohnt sich jede Irrfahrt durch die Marken.

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