30.08.2026 – Die Käserei in Tolentino

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Heute hatten wir eigentlich nichts vor. Ich hatte zwar versucht, jemanden von La Festa del Covo zu erreichen, aber im Santuario waren alle Brüder unterwegs, um Messen zu lesen, und würden erst nach 13:00 Uhr zurückkommen. So empfahl mir der Koch, es morgen noch einmal zu versuchen. Das werde ich auch tun. Sollte ich allerdings kein Ergebnis erzielen, wird es in meinem Buch wohl kein Kapitel über das Fest geben. Manchmal entscheidet eben nicht die Recherche, sondern der liebe Gott – oder zumindest dessen Terminplan.

Danach entschloss ich mich, die Käserei Dedoni in Tolentino zu besuchen.

Bereits in Deutschland hatte ich Kontakt mit Luciano Dedoni aufgenommen. Wir waren so verblieben, dass wir uns während unseres Aufenthalts treffen würden. Also dachte ich: Heute ist der Tag! Und los ging es nach Tolentino, genauer gesagt zur Contrada Calcavenaccio 19.

Was zunächst wie eine gemütliche Sonntagsspazierfahrt aussah, entwickelte sich allerdings ziemlich schnell zu einer Bilderbuch-Suchfahrt ins Nirwana.

Wenn das Navi einen anderen Plan hat

Offenbar ist das Navigationssystem unseres Ford nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum wir wieder einmal über Schotterwege, unbefestigte Straßen und Wege mit Auf- und Abstiegen zwischen 10 und 18 Prozent geführt wurden.

Und wenn du glaubst, endlich angekommen zu sein, stellst du fest: Das war ein Satz mit X – gleich nix.

Also fährt man weiter und hofft, beim nächsten Haus vielleicht einen Hinweis zu bekommen. Wobei „nächstes Haus“ hier relativ zu verstehen ist. Die Häuser liegen meistens bis zu 1,5 Kilometer auseinander. In Deutschland würde man bei dieser Entfernung schon langsam über einen Briefkasten mit Namen als Orientierungshilfe nachdenken.

Da ich inzwischen den Verdacht hatte, auf dem falschen Weg zu sein, bestätigte mir schließlich eine ausgesprochen freundliche ältere Dame meine Vermutung. Als ich den Namen Dedoni erwähnte, sagte sie sinngemäß:

„Ach ja, die Käserei! Nein, mein Herr, Sie müssen bis zur Brücke zurück und dann links abbiegen, Richtung Lago delle Grazie. Dort gibt es auch Wegweiser zur Käserei.“

Ich folgte ihrem Rat – und tatsächlich: Ich fand die Käserei.

Leider war es die falsche.

Nicht Luciano Dedoni, sondern Mario Dedoni.

Wie sich herausstellte, sind die beiden Brüder und betreiben jeweils ihre eigene Käserei. Na wunderbar. Immerhin war ich jetzt schon einmal grundsätzlich richtig: Dedoni war Dedoni. Nur welcher Dedoni, das war noch offen.

Käse bleibt Käse

An der Verkaufsstelle stand ein Schild: „Aperto“ – geöffnet.

Also trat ich ein. Im Verkaufsraum war zunächst niemand zu sehen. Ich wollte gerade wieder hinausgehen, als mir eine Dame entgegenkam. Ich erklärte ihr mein Vorhaben, und dabei stellte sich heraus, dass ich tatsächlich die falsche Käserei gesucht hatte.

Was mich allerdings nicht sonderlich störte.

Denn für mein Vorhaben ist es letztlich ziemlich egal, ob ich bei Sapori delle Marche Luciano oder Mario Dedoni vorstelle. Im Endeffekt gilt eine alte, einfache Wahrheit:

Käse bleibt Käse.

Ich betrat den Verkaufsraum, und sofort kitzelte der Duft von gereiftem Pecorino in meiner Nase. Da war es um meine guten Vorsätze geschehen. Ich kaufte kurzerhand eine kleine Form Pecorino von ungefähr drei Kilogramm.

„Klein“ ist dabei relativ. Bei drei Kilogramm handelt es sich vermutlich um eine kleine Form – jedenfalls aus Sicht eines Käsemachers.

Danach bat ich die Dame, mir zu sagen, an wen ich mich wegen eines möglichen Ansprechpartners für mein Projekt wenden könne. Sie nannte mir ihren Sohn und gab mir eine Visitenkarte mit seiner Telefonnummer.

Ich bin gespannt, was sich daraus entwickeln wird.

Und Luciano Dedoni werde ich natürlich ebenfalls noch kontaktieren. Schließlich kann eine Irrfahrt auch mehrere Türen öffnen – vorausgesetzt, man findet erst einmal die richtige Straße.

Mittagspause in Valcerasa

Mittags fuhren wir nach Valcerasa und aßen etwas Kaltes. Danach standen Pool und Mittagsruhe auf dem Programm.

Schließlich wollten wir heute Abend einen ehemaligen BMW-Kollegen hier in Urbisaglia treffen, um gemeinsam Pizza essen zu gehen.

Und wie sich herausstellen sollte, sollte auch dieser Abend nicht ganz ohne Navigationsabenteuer auskommen.

Die Irrfahrt nach Urbisaglia

Dem Himmel sei Dank wusste ich diesmal grundsätzlich, wie man nach Urbisaglia kommt, denn das Navi versagte erneut.

Allerdings muss ich dieses Mal die Schuld ganz klar bei mir selbst suchen: Ich hatte einfach die falsche Zieladresse eingegeben.

Das Navi konnte also ausnahmsweise nichts dafür. Man muss auch einmal fair sein.

Umso größer war allerdings die Überraschung, als wir am vereinbarten Ort ankamen und feststellen mussten, dass die Pizzeria – obwohl laut Ankündigung seit dem 28.08.2026 nach den Ferien wieder geöffnet – leider geschlossen war.

Also rief ich den Kollegen an, und gemeinsam fuhren wir zum nächsten Lokal:

„Norcineria – La Centrale del Gusto“.

Du bist aber nicht auf einer Sagra

Eine „Norcineria“ ist in Italien eine spezielle Metzgerei beziehungsweise ein Geschäft rund um Wurst- und Fleischwaren. In diesem Fall wurde das Ganze als „Zentrum des Geschmacks“ definiert.

Und das Lokal konnte sich durchaus sehen lassen.

Es verfügte über einen riesengroßen Parkplatz und war auch als Restaurant beeindruckend groß. Allerdings stellte ich schon bald fest:

Du bist hier nicht auf einer Sagra.

Auch der gesamte Bestellablauf war etwas Besonderes.

Zunächst musst du dich an der Kasse anmelden. Danach begleitet dich ein Ober zu einem Tisch. Dort erhältst du ein auf DIN A4 gefaltetes Blatt mit dem kompletten Menü. Auf diesem Blatt darfst du deine gewünschten Speisen ankreuzen.

Anschließend gehst du mit der angekreuzten Speisekarte wieder zur Kasse. Dort wird alles – einschließlich der ausgewählten Getränke – registriert. Anschließend erhältst du einen nummerierten Funkchip und kannst wieder zu deinem Tisch gehen.

Meine Meinung dazu: Dieses Verfahren ist durchaus nicht ohne.

Was ich allerdings nicht ganz verstanden habe, ist der enorme Personalaufwand, der dafür notwendig ist. Denn die Gäste werden unter anderem nicht klassisch am Tisch bedient. Wenn dein Funkchip am Tisch aufleuchtet, darfst du deine bestellten Speisen neben der Kasse selbst abholen.

Einen wirklichen Synergieeffekt konnte ich darin nicht erkennen.

Aber ich bin eben kein Gastronom.

Vielleicht steckt hinter diesem System eine ausgeklügelte Logik, die sich mir als einfachem Pizza- und Käseesser nicht erschließt. Mich erinnert das Ganze jedenfalls eher an das Verfahren einer Sagra – nur eben mit Funkchip.

Und wer weiß: Vielleicht ist genau das die Zukunft der Gastronomie.

Erinnerungen aufgefrischt, neue Erkenntnisse gewonnen

Wir haben viel über unsere vergangene BMW-Zeit gesprochen, aber natürlich auch über die aktuellen Probleme der Automobilbranche, insbesondere über IT und KI.

Was mich dabei etwas gewundert hat: Die IT-Leute haben offenbar immer noch nicht überall verstanden, dass sie die Fachabteilungen benötigen – und nicht umgekehrt.

Gerade mit Blick auf die rasante Entwicklung der KI könnte sich dieses Verhältnis in Zukunft deutlich verändern. Viele Tätigkeiten, die heute noch von großen IT-Strukturen erledigt werden, könnten durch KI ersetzt oder zumindest erheblich automatisiert werden, wenn AI richtig und strukturiert eingesetzt wird.

Ich könnte mir deshalb durchaus vorstellen, dass große IT-Abteilungen in Zukunft deutlich schrumpfen – wenn sie nicht teilweise sogar ganz verschwinden.

Das Wissen und die Steuerung der Abläufe könnten stärker direkt in die Fachabteilungen verlagert werden – sofern das nicht an manchen Stellen bereits passiert ist.

Denn Fachwissen, gepaart mit moderner Steuerungstechnik und KI, kann eine reale Synergie erzeugen.

Derjenige, der den Prozess wirklich versteht, wird in Zukunft vielleicht nicht mehr darauf angewiesen sein, für jeden technischen Schritt erst eine eigene IT-Abteilung einzuschalten.

Vielleicht ist das eine der großen Veränderungen, die uns noch bevorstehen.

Weiß-Blau und für immer BMW-er

Ich hatte den Kollegen bereits ein Jahr zuvor in der oben erwähnten Pizzeria getroffen. Damals hatten wir uns versprochen, dass wir uns wieder treffen würden, sollte er zufällig erneut in den Marken sein.

Und nun wurde aus dem Versprechen Realität.

Wir haben einen sehr schönen Abend miteinander verbracht, interessante Gespräche geführt und vor allem unsere Freundschaft ein kleines Stück weiter vertieft.

Es ist schon erstaunlich, was von einem gemeinsamen Berufsleben bleibt. Die Firma, die Abteilungen, die Projekte und die täglichen Probleme verändern sich irgendwann oder verschwinden ganz.

Aber manche Menschen bleiben.

Und manchmal reicht ein gemeinsames Abendessen, um festzustellen, dass man nach all den Jahren immer noch dort weitermachen kann, wo man aufgehört hat.

Ich sage deshalb einfach einmal:

Weiß-Blau und für immer BMW-er.

Danke, mein Ex-Kollege, für diesen schönen Abend.

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