Meine Ungeduld
Nach gut 24 Stunden konnte ich es einfach nicht mehr aushalten: Der Laptop musste eingeschaltet werden. Schließlich hatte ich noch zwei Tage nachzuholen, und meine Ungeduld trommelte schon mit beiden Händen auf den Tisch. Umso größer war meine Enttäuschung, als klar wurde: Der Laptop war noch lange nicht in trockenen Tüchern – eher im Gegenteil, er hatte innerlich offenbar noch ein kleines Mittelmeer zu bewältigen.
In meinen Zweifeln lief ich direkt zu Antonio und fragte, ob es in Porto San Giorgio ein Computergeschäft gäbe, wo ich eine externe Tastatur kaufen könnte. Er nannte mir OK Computer in der Corso Giuseppe Garibaldi 129. Der Inhaber, so versicherte er mir, sei sehr kompetent – und in diesem Moment klang „kompetent“ für mich fast wie „heiliggesprochen“.
Ich nahm meinen Laptop und fuhr sofort los. Nach ungefähr einer Viertelstunde fand ich den Laden, schilderte dem Inhaber mein Problem, und er nickte mit jener Ruhe, die nur Menschen besitzen, die schon viel Schlimmeres gesehen haben als eine nasse Tastatur. Er sagte, er werde sich das Ganze anschauen; ich solle in zwei Stunden zurückkommen, denn bis dahin sei das Problem gelöst. Und sollte die Tastatur nicht mehr funktionieren, könnten wir immer noch eine externe anschließen. Also gab ich Christine Bescheid, erledigte die Besorgung und machte mich wieder auf den Weg. Gesagt, getan.
Italienische Terminverschiebung
Kurz nach 12:00 Uhr tauchte ich wieder im Laden auf, musste aber erfahren, dass der Laptop noch nicht fertig war, weil sich Wasser auch im Inneren des Geräts ergossen hatte. Der Inhaber schlug mir vor, erst gegen 16:30 Uhr wiederzukommen, denn bis dahin, so meinte er, hätte er sicher alles in Ordnung gebracht. Enttäuscht fuhr ich zurück in die Ferienwohnung. Wir aßen zu Mittag und suchten nach der Lösung, die am besten passen könnte – wobei die beste Lösung in diesem Moment natürlich gewesen wäre, wenn der Laptop von allein trocken geworden wäre und sich entschuldigt hätte.
Christine und meine Enkelin fuhren zum Strand. Wir vereinbarten, dass sie bis 18:00 Uhr zurück sein sollten, damit ich bis 18:30 Uhr den Laptop holen konnte. Natürlich verständigte ich den Geschäftsinhaber vorher, dass ich erst um 18:30 Uhr kommen würde. In Italien ist eine Uhrzeit ja manchmal mehr eine höfliche Empfehlung als eine militärische Anweisung.
Der Mann von OK Computer hatte gute Arbeit geleistet. Die Tastatur meines Laptops musste im Prinzip ausgetauscht werden, aber bis dahin konnte ich mit einer externen Tastatur weiterarbeiten. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich sie austauschen lassen. Preiswert war es außerdem: Die Reinigung des Laptops kostete 20,- €. Für einen fast ertrunkenen Computer war das beinahe ein Wunderheilungstarif.
Der Tag war gerettet.
Am Abend hatten wir nichts Besonderes vor, sondern bekochten uns selbst. Sabine hatte uns bei unserer Ankunft selbstgemachte passierte Tomaten überreicht, und ich muss sagen: Respekt! Das war eine wirklich unverfälschte Tomatensauce, nicht nach Chemie schmeckend, sondern nach Sonne, Garten und Geduld. Sie passte wunderbar zu unseren Tagliatellen aus Campofilone. So verlängerten wir den Abend aus der 5 Ragazze gewissermaßen in unserer eigenen Küche weiter.
Zu unserer Überraschung hatte Antonio seinen Holzkohleofen angezündet. Ich muss sagen, ich hatte schon lange keine solche Prozedur mehr verfolgt. Das Feuer, der Duft, die glühenden Steine – alles erinnerte mich sofort an Altamura und an den Forno der Familie Palasciano, die Familie meiner Oma. In Altamura war es damals Brauch, und heute ist davon noch immer etwas lebendig, dass Bauern und Familien ihre Brote zum Bäcker brachten, damit sie dort im großen Ofen gebacken wurden.
Das Brot von Altamura war nicht einfach Brot. Es war ein gelber, duftender, stolzer Laib aus Hartweizengrieß, mit einer Kruste, die beim Anschneiden so knackte, als würde sie eine kleine Ansprache halten. Innen war es weich, warm und goldig, und wenn man die Nase darüber hielt, roch man nicht nur Mehl und Hefe, sondern ein ganzes Stück Heimat. Manchmal glaube ich, dieses Brot hatte mehr Charakter als mancher Mensch: Es war bodenständig, kräftig, etwas stur, aber immer ehrlich. Und wenn es frisch aus dem Ofen kam, wurde in der Familie plötzlich jeder höflich – zumindest so lange, bis die erste Scheibe verteilt war.
Natürlich waren die Laibe mit einer eigenen Kennung gezeichnet, damit man sie später wiedererkennen konnte. Jeder hatte sein Zeichen, fast wie ein Familienwappen aus Teig. Die Erwachsenen spannten damals ein Maultier vor den Karren, und die Brote wurden zu den entfernten Bauernhöfen und Familien geliefert. Wir Kinder durften natürlich als Beifahrer mitfahren. Es war immer ein Riesenspaß: Wir saßen da wie kleine Könige auf Rädern, bewachten die duftende Fracht und taten so, als wäre die ganze Versorgung Apuliens von uns abhängig. Das Maultier kannte den Weg besser als wir alle zusammen und hatte dabei eine Gelassenheit, die man heute wahrscheinlich als Lebensphilosophie verkaufen könnte.
Antonios Pizza einfach lecker.
Nachdem der Stein des Ofens fast geglüht hatte, bei ungefähr 500 bis 550 Grad, machte Antonio die erste Pizza fertig. Garniert wurde sie nur mit Naturtomaten, selbstgemachter Mozzarella und anderen natürlichen Produkten. Er sagte, diese Pizza sollten wir mitnehmen. Als sie im Ofen lag, konnte man direkt zuschauen, wie sie innerhalb von eineinhalb Minuten gar wurde. Es war herrlich anzusehen, wie aus einem weichen Teig eine feste, duftende Pizza wurde – eine kleine Verwandlung, beinahe wie Zauberei, nur mit mehr Mozzarella.
Wir saßen danach auf unserer kleinen Loggia und genossen den Abend bei Tagliatellen, Pizza und Barbera d’Asti. Der Laptop war gerettet, das Essen war wunderbar, und die Erinnerung an Altamura saß mit am Tisch, als hätte sie heimlich ihren eigenen Stuhl mitgebracht.
Fazit des Tages: Nie verzweifeln. Für jede Hürde gibt es eine Lösung – manchmal heißt sie OK Computer, manchmal externe Tastatur, und manchmal duftet sie einfach nach Brot aus Altamura.














