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  • 08.09.2026 – Die Rückfahrt aus den Marken

    08.09.2026 – Die Rückfahrt aus den Marken

    Der Hahn in Valcerasa schlief noch

    Uns war durchaus bewusst, worauf wir uns einließen. In den vergangenen drei oder vier Jahren hatten uns die vielen Staus auf der Autobahn bis zu vierzehn Stunden unseres Lebens abverlangt, ehe wir endlich wieder zu Hause ankamen.

    Diesmal wollten wir dem Schicksal – und vor allem den Blechlawinen – ein Schnippchen schlagen. Also brachen wir zu einer Uhrzeit auf, die man eigentlich nur mit sehr viel gutem Willen noch als „früh“ bezeichnen kann: um 03:00 Uhr. Selbst der Hahn von Valcerasa dachte vermutlich noch nicht einmal daran, irgendwann aufzustehen.

    Wie sich bald herausstellen sollte, war diese Entscheidung goldrichtig – und auf jeden Fall wertvoller als der dafür geopferte Morgenkaffee.

    Autobahn A14

    Bei Loreto–Porto Recanati fuhren wir auf die A14, und siehe da: Die Autobahn lag beinahe friedlich vor uns. Das berüchtigte Nadelöhr Bologna–Modena in Richtung Brenner erreichten wir nach ungefähr drei Stunden und zwanzig Minuten, bei einer gleichmäßigen Geschwindigkeit von rund 115 km/h.

    Kein Stillstand. Kein nervöses Trommeln auf dem Lenkrad. Kein verzweifelter Blick auf die Uhr.

    Fast hätte man glauben können, die italienische Autobahn wolle sich persönlich für die vergangenen Jahre bei uns entschuldigen.

    Die erste Etappe fuhr ich bis zur Raststätte Po Est. Dort gönnten wir uns etwa 35 Minuten Pause. Snoopy durfte sich die Beine vertreten und vermutlich sämtliche Neuigkeiten der örtlichen Hundewelt erschnüffeln, während wir uns Cappuccino und ein mit Creme gefülltes Croissant schmecken ließen.

    Richtung Brennero

    Für einen kurzen Moment fühlte sich die Heimfahrt nicht nach 700 Kilometern Autobahn, sondern noch einmal nach italienischem Dolce Vita an.

    Danach übernahm Christine das Steuer und fuhr bis zum Brenner. Snoopy und ich widmeten uns währenddessen einer anderen, nicht minder anspruchsvollen Tätigkeit: dem Schlafen.

    Laut Christine sollen wir beide dabei gemeinsam den gesamten Böhmerwald abgesägt haben – Baum für Baum, mit bemerkenswerter Ausdauer und offenbar hervorragend aufeinander abgestimmtem Rhythmus.

    Snoopy und mich störte das nicht im Geringsten. Und Christine hatte schließlich das Radio.

    So hatte jeder sein eigenes Unterhaltungsprogramm. 🤣

    Am Brenner angekommen, fiel mir plötzlich ein, dass zu Hause – von unseren italienischen Mitbringseln einmal abgesehen – kulinarische Ebbe herrschte.

    Nun ja: Salsicce, Pecorino, EVO, Guanciale, Biscotti und Filone al Mosto hatten wir reichlich an Bord. Eigentlich transportierten wir bereits einen kleinen marchigianischen Feinkostladen über die Alpen. Aber offenbar macht selbst der noch keinen vollständig gefüllten Kühlschrank.

    Also ging ich zu Eurospin, während Christine den Metzger am Brenner aufsuchte. Unsere Heimreise verwandelte sich damit kurzerhand in eine letzte Versorgungsexpedition.

    Inzwischen war es ungefähr 11:00 Uhr, als unsere Enkelin anrief und fragte, ob wir denn überhaupt schon aus Valcerasa losgefahren seien.

    Umso größer war ihr Erstaunen, als sie hörte:

    „Wir sind am Brenner.“

    Kurze Stille.

    Dann kam:

    „Ja, sagt mal, habt ihr einen Ferrari gemietet?“

    Nein. Einen Ferrari hatten wir natürlich nicht gemietet.

    Wir waren lediglich so früh gestartet, dass selbst der Verkehr noch nicht wusste, dass er uns hätte aufhalten sollen. 🤣

    Unser Aufenthalt am Brenner dauerte einschließlich Tanken ungefähr eine Stunde und fünfzehn Minuten – lang genug für Einkäufe, Vorräte und die Erkenntnis, dass auch eine gut geplante Heimreise gelegentlich einen ordentlichen Boxenstopp braucht.

    ..und nun Österreich

    Was uns unterwegs allerdings besonders auffiel, war die schier unglaubliche Zahl an Lastwagen auf den Autobahnen. Einer reihte sich an den nächsten. Manchmal sah es aus, als hätte jemand ein geheimes internationales Lkw-Treffen organisiert und als Veranstaltungsort ausgerechnet die Brennerautobahn ausgewählt.

    Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer lauter nach Entlastung und neuen Verkehrswegen gerufen wird. Der Brenner-Basistunnel soll ja irgendwann einen Teil dazu beitragen. Und wie wir alle wissen, besitzt das Wort „bald“ bei großen Bauprojekten eine bemerkenswerte Dehnbarkeit.

    Nach unserem Boxenstopp übernahm ich wieder das Steuer und fuhr die letzten rund zweihundert Kilometer ohne Schwierigkeiten.

    Und dann geschah etwas, womit wir nach unseren Erfahrungen der vergangenen Jahre kaum gerechnet hatten:

    Um 13:08 Uhr standen wir vor unserer Haustür.

    Wohlbehalten. Ohne Dauerstau. Ohne stundenlanges Stop-and-go. Ohne die sonst übliche Prüfung unserer Geduld.

    Die reine Fahrzeit: etwa acht Stunden und ein paar zerquetschte Minuten.

    Das Auto stand. Wir waren heil angekommen. Unser marchigianischer Feinkostladen hatte die Alpen ebenfalls unbeschadet überquert. Und Snoopy sah eigentlich schon wieder so aus, als könne man sofort zum nächsten Abenteuer aufbrechen.

    Nur ich hatte noch etwas zu erledigen.

    Ich schaute gedanklich noch einmal zurück auf die vergangenen Wochen – auf Menschen, Landschaften, Begegnungen, gutes Essen, Gespräche und all die kleinen Erlebnisse, die eine Reise erst zu einer Erinnerung machen.

    Und dann gab ich mir ein Versprechen:

    Marken, wir kommen wieder!